Politik

Sanktionen als Bumerang: Wie der Westen seine Gegner stärkt

Der Westen setzt auf Sanktionen, Exportverbote und Zölle, um seine geopolitischen Gegner unter Druck zu setzen. Doch eine neue Studie zeigt, dass diese Maßnahmen häufig das Gegenteil bewirken. Während europäische Unternehmen Märkte verlieren, entwickeln chinesische Konkurrenten eigene Technologien und erschließen neue Geschäftsfelder. Wer sind die tatsächlichen Gewinner des Wirtschaftskriegs?
Autor
avtor
06.11.2026 08:13
Lesezeit: 18 min
Sanktionen als Bumerang: Wie der Westen seine Gegner stärkt
US-Präsident Donald Trump setzt auf Zölle und Sanktionen, um wirtschaftliche Konkurrenten zu schwächen. Doch die Maßnahmen könnten sich als Bumerang für die USA und Europa erweisen. (Bild: Alex Brandon/AP/dpa) Foto: Alex Brandon

Sanktionen und Zölle verändern die Weltwirtschaft

Sanktionen und Zölle sollen wirtschaftliche Gegner schwächen, können jedoch auf ihre Urheber zurückfallen. Eine Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt, welche Staaten und Unternehmen profitieren und welche Verluste erleiden. Doch welche Folgen hat der Wirtschaftskrieg für Europa und Deutschland? Das fragen sich unsere Kollegen von Finance.si.

„Durch die Zölle werden wir verdammt reich“, erklärte US-Präsident Donald Trump bei seiner jüngsten Amtseinführung. Damit eröffnete er ein neues Kapitel des trumpistischen, zentral gesteuerten Kapitalismus, in dem die Wirtschaft kein gewöhnliches Geschäft mehr ist, sondern als Waffe dient, um geopolitische, imperialistische und militärische Ziele eines Staates durchzusetzen. Unternehmen werden zu Soldaten und Märkte zu Territorien, die es ohne Rücksicht zu unterwerfen gilt.

Auch dieses Versprechen Trumps, die Amerikaner würden durch Zölle verdammt reich, hat sich, wie so viele seiner Ankündigungen, nicht besonders gut erfüllt. Trump hat das Leben im eigenen Land verteuert. Er hat einem großen Teil der amerikanischen Unternehmen das Geschäft erschwert, während eine kleine Gruppe ausgewählter politischer Gewinner profitiert. Und besonders schwer wiegt, dass er ausgerechnet jene Konkurrenten gestärkt hat, die er eigentlich aufhalten wollte.

Das ist nicht bloß der Eindruck linker Meinungsmacher. Es handelt sich auch nicht um eine politische Glaubensfrage der demokratischen Galionsfiguren Bernie Sanders oder Alexandria Ocasio-Cortez. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die von Christopher Clayton, Antonio Coppola, Vanessa Hu, Matteo Maggiori, Jesse Schreger und Serdil Tinda verfasst wurde.

Ein wesentliches Merkmal der heutigen Weltordnung ist die Bereitschaft der Großmächte, ihre wirtschaftliche und finanzielle Macht einzusetzen, um geopolitische oder wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Der zunehmend häufige Einsatz dieses geoökonomischen Drucks bedeutet nach Einschätzung der Forscher eine erhebliche Abkehr von der Politik der vergangenen 20 Jahre. Er könnte das globale Wirtschafts- und Finanzsystem grundlegend verändern. Entscheidend ist deshalb die Frage, wer davon profitiert und wer die Kosten trägt.

Die Wissenschaftler entwickelten eine Methode, mit der sie mithilfe großer Sprachmodelle systematisch messen, wie Staaten geoökonomischen Druck ausüben und wie Unternehmen darauf reagieren. Sie untersuchten, welche Regierungen Druck ausüben, gegen welche ausländischen Ziele sich ihre Maßnahmen richten, welche Instrumente sie einsetzen und welche Unternehmen und Produkte davon betroffen sind.

Im Mittelpunkt steht die Analyse der Unternehmensreaktionen mithilfe künstlicher Intelligenz (KI). Dafür werteten die Forscher eine große Zahl von Unternehmensäußerungen aus und legten fest, nach welchen Zusammenhängen die KI suchen sollte. Anschließend bewerteten sie die wirtschaftlichen Maßnahmen und ihre Folgen. So identifizierten sie Gewinner und Verlierer.

Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

Die Ergebnisse sind für die USA und die Europäische Union wenig ermutigend. Das gilt sowohl für Unternehmen als auch für die Bevölkerung. Sanktionen, Handelsbeschränkungen und Zölle können sich als wirtschaftlicher Bumerang erweisen.

Exportbeschränkungen führen dazu, dass Unternehmen in den betroffenen Ländern ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei chinesischen Unternehmen, die von amerikanischen Exportbeschränkungen für Halbleiter betroffen sind.

Unternehmen aus Staaten, die Sanktionen gegen Russland verhängen, verlieren dagegen Geschäfte. Unternehmen aus China und Indien können neue Marktanteile gewinnen. Zölle wirken sich besonders negativ auf die große Mehrheit der Unternehmen in dem Land aus, das sie erhebt. Gleichzeitig belasten sie auch Unternehmen in anderen Teilen der Welt.

Die folgenden Beispiele zeigen, welche Maßnahmen besonders weitreichende Folgen haben:

1. Halbleiter: US-Exportverbote beschleunigen Chinas technologische Unabhängigkeit

Amerikanische Exportverbote erschweren chinesischen Unternehmen den Zugang zu modernen Halbleitern, Produktionsanlagen und anderen wichtigen Vorprodukten aus den USA. Gleichzeitig steigt dadurch die Nachfrage nach chinesischen Alternativen.

Wegen der Exportbeschränkungen investieren chinesische Unternehmen erheblich mehr in Forschung und Entwicklung. Sie entwickeln eigene Technologien und verringern ihre Abhängigkeit vom Ausland. Die Beschränkungen eröffnen zugleich neue Geschäftsmöglichkeiten für chinesische Hersteller von Materialien zur Chipproduktion und Halbleitern für drahtlose Verbindungen, die ausländische Lieferanten ersetzen.

Für die Staaten, die solche Exportbeschränkungen verhängen, entsteht ein doppelter Bumerangeffekt. Ihre Hersteller verlieren Umsätze, während sich für chinesische Anbieter von Ersatzprodukten neue Absatzmärkte öffnen.

Die USA beschränken vor allem den Export von Technologien für Halbleiter und künstliche Intelligenz. China wiederum begrenzt die Ausfuhr seltener Erden und damit verbundener Produkte wie Magneten und Batterien. Die Untersuchung stellt bei Unternehmen aus beiden Ländern ähnliche Folgen fest. Wenn ihre Regierung den Export einschränkt, verlieren sie Umsätze und Gewinnmargen. Gleichzeitig geraten die Abnehmer unter Lieferdruck und suchen nach alternativen Bezugsquellen.

Sanktionen gegen Russland schaffen neue Gewinner

2. Russland-Sanktionen: Wer die entstandenen Marktlücken füllt

Zu den größten Verlierern gehören vor allem europäische Unternehmen. Gleichzeitig leiden die Menschen in Europa unter hohen Energiekosten und wirtschaftlichen Krisen, was die Zukunftserwartungen belastet.

Zu den wichtigsten Profiteuren der europäischen Sanktionen gegen Russland zählen chinesische und indische Unternehmen. Für sie entstanden auf beiden Seiten der unterbrochenen Handelsbeziehungen neue Geschäftsmöglichkeiten.

In den Staaten, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben, gehören 83 Prozent der untersuchten betroffenen Unternehmen zu den Verlierern. Hauptgründe sind entgangene Umsätze und der Verlust von Vermögenswerten in Russland.

In Drittstaaten beträgt der Anteil der Verlierer 61 Prozent. Die Gewinner profitieren dagegen davon, dass sie bisherige Geschäftsbeziehungen übernehmen, russische Lieferungen ersetzen oder zusätzliche Transportaufträge erhalten.

Der Bumerangeffekt funktioniert in beide Richtungen. Zieht sich ein westliches Unternehmen aus Russland zurück, hinterlässt es Kunden, die neue Lieferanten benötigen. Verliert ein russischer Anbieter seinen westlichen Absatzmarkt, suchen seine bisherigen Abnehmer nach Ersatz. Ein Unternehmen aus einem Drittstaat kann jede dieser Geschäftsmöglichkeiten übernehmen.

Die negativen Auswirkungen der Sanktionen überwiegen sowohl in Europa als auch in den USA. Für europäische Unternehmen sind Lieferungen seit der Einführung der Russland-Sanktionen häufiger teurer geworden oder von Unterbrechungen betroffen.

Zu den amerikanischen Gewinnern zählen insbesondere alternative Anbieter von Energie und Rohstoffen. In Europa profitieren unter anderem Reedereien, für die die Nachfrage nach Tankertransporten gestiegen ist.

China und Indien gelten gemeinhin als große Gewinner neuer Handelsmöglichkeiten. Doch die Untersuchung zeigt ein differenzierteres Bild. Unter den indischen Unternehmen zählen 67 Prozent zu den Verlierern, unter den chinesischen sind es 49 Prozent. Indische Unternehmen können beispielsweise günstiges russisches Öl beziehen. Gleichzeitig treffen die Sanktionen andere Unternehmen, deren Kunden unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leiden und deshalb weniger Aufträge vergeben.

Die Entscheidung eines Landes, sich nicht an Sanktionen zu beteiligen, schützt seine Unternehmen folglich nicht vor indirekten wirtschaftlichen Schäden. Selbst wenn ein Staat nicht aktiv in die Auseinandersetzungen der Großmächte eingreift, können seine Unternehmen erheblich darunter leiden.

Zu den Verlierern der Russland-Sanktionen gehören auch Fluggesellschaften und Pharmaunternehmen. Die Sperrung des russischen Luftraums zwingt Fluggesellschaften zu Umwegen und verursacht zusätzliche Kosten. Unterbrechungen klinischer Studien in Russland und der Ukraine haben außerdem die Entwicklung neuer Medikamente verzögert. Unternehmen von den USA bis nach Indien berichten von solchen Folgen.

3. Zölle: Wer die Rechnung tatsächlich bezahlt

Den Zoll bei der Einfuhr entrichtet zunächst der Importeur. Die wirtschaftlichen Kosten verteilen sich anschließend jedoch auf Unternehmen, deren Eigentümer und die Kunden.

Die Folgen treffen zahlreiche Beteiligte. Eine amerikanische Fabrik muss für ein importiertes Bauteil aufgrund eines Zolls mehr bezahlen, sofern der ausländische Lieferant seinen Preis nicht ausreichend senkt. Anschließend gibt der Hersteller einen Teil der zusätzlichen Kosten über höhere Verkaufspreise weiter. Den übrigen Teil trägt er selbst in Form geringerer Gewinnmargen. Damit werden sowohl die Unternehmen als auch ihre Kunden belastet.

Zölle verändern außerdem die Verteilung von Aufträgen zwischen amerikanischen Unternehmen. Entscheidend ist dabei nicht allein, wo ein Unternehmen seinen Hauptsitz hat, sondern vor allem, aus welchen Ländern es seine Waren und Vorprodukte bezieht.

Bereits die Androhung neuer Zölle kann Unternehmen wirtschaftlich schaden. Ein Betrieb verschiebt möglicherweise eine Investition oder verändert seine Beschaffungsstrategie, noch bevor der angekündigte Zoll überhaupt in Kraft tritt. Die Forscher stellten solche Reaktionen auf erwartete Maßnahmen nach Trumps Wahlsiegen in den Jahren 2016 und 2024 fest.

Unsicherheit verursacht somit Kosten, selbst wenn die endgültigen handelspolitischen Maßnahmen noch nicht feststehen. Auch Unternehmen, die Entscheidungen zunächst aufschieben, tragen wirtschaftliche Belastungen.

4. Gewinner: Welche Länder von der Verlagerung des Welthandels profitieren

Besonders auffällig sind Staaten mit bedeutenden Schifffahrts- und Logistikunternehmen sowie Länder, die sich als neue Standorte internationaler Lieferketten etablieren.

Überraschend ist, dass zu den Gewinnern der Handelskonflikte Unternehmen aus Griechenland, Monaco und Bermuda gehören. Sie profitieren von Veränderungen in der Logistik, im Versicherungsgeschäft und bei der Versorgung mit Waren und Rohstoffen. Ein Tankerunternehmen kann beispielsweise allein dadurch höhere Einnahmen erzielen, dass Öl über größere Entfernungen transportiert werden muss. Für die Beförderung derselben Menge werden dann zusätzliche Schiffskapazitäten benötigt.

Auch Trumps Zollpolitik führt zu unerwarteten Entwicklungen. Teile der internationalen Lieferketten verlagern sich nach Vietnam, Thailand und Mexiko. Ein Rückgang amerikanischer Importe aus China bedeutet deshalb keineswegs automatisch, dass die Produktion in die Vereinigten Staaten zurückkehrt.

Einige Rohstoff- und Energieexporteure aus Australien, Kanada, Norwegen und Südafrika profitieren ebenfalls. Sie können russische Lieferungen ersetzen und erzielen teilweise höhere Einnahmen durch gestiegene Preise.

5. Europa: Verlorene Märkte ohne größere strategische Unabhängigkeit

Europäische Unternehmen haben russische Kunden und Vermögenswerte verloren. Gleichzeitig verteuern alternative Lieferquellen ihre Geschäftstätigkeit. Einen Teil der zusätzlichen europäischen Nachfrage nach Energie decken inzwischen amerikanische Anbieter. Der Ersatz russischer Lieferungen durch amerikanische Energieträger hat zwar die Bezugsquellen diversifiziert, die eigene europäische Produktion jedoch nicht erhöht.

Der niederländische Hersteller von Chipproduktionsanlagen ASML erhielt aufgrund niederländischer Exportbeschränkungen keine Genehmigung für die Lieferung bestimmter hochmoderner Maschinen nach China. Das Unternehmen bezifferte die gesamten Auswirkungen der amerikanischen und niederländischen Beschränkungen auf zehn bis 15 Prozent seiner chinesischen Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Systemen im Jahr 2024.

Damit verlor ein führendes europäisches Technologieunternehmen Absatzmöglichkeiten, während China seine heimische Halbleiterproduktion ausbaute. Langfristig könnte sich daraus ein Risiko für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas entwickeln.

Wie hoch die wirtschaftlichen Kosten unterbrochener Handelsbeziehungen ausfallen, hängt außerdem davon ab, wie intensiv ein Unternehmen zuvor mit dem sanktionierten Land zusammengearbeitet hat. Besonders deutlich sind die Verluste infolge der Russland-Sanktionen in Staaten in unmittelbarer Nähe Russlands, wo die wirtschaftlichen Verbindungen traditionell enger waren. Zu den Ländern mit einem besonders hohen Anteil negativer Auswirkungen gehören Finnland, Estland, Ungarn und Österreich.

Sanktionen treffen auch Deutschland und europäische Zulieferer

6. Slowenien: Wie hoch die Kosten der Handelsbeschränkungen ausfallen

Die Geschäftsberichte slowenischer Exportunternehmen enthalten zahlreiche Hinweise auf wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wer allerdings herausfinden möchte, wie viele Aufträge und Gewinne die Handelsbeschränkungen tatsächlich gekostet haben, findet nur wenige konkrete Zahlen.

Die Redaktion der slowenischen Wirtschaftszeitung Finance untersuchte mithilfe künstlicher Intelligenz insgesamt 60 Geschäftsberichte von 15 exportorientierten Industrieunternehmen aus den Jahren 2022 bis 2025. Die Unternehmen wurden von ChatGPT eigenständig ausgewählt. Um Schäden und Vorteile einzelner Maßnahmen zu veranschaulichen, wählte die Redaktion anschließend sechs Unternehmen aus.

Dabei zeigten sich ähnliche Auswirkungen wie in der Untersuchung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Unternehmen verloren Absatzmärkte, mussten höhere Beschaffungskosten tragen und verzeichneten sinkende Gewinnmargen.

Gleichzeitig ergaben sich für einige Unternehmen auch wirtschaftliche Vorteile.

Zwischen der Beschreibung wirtschaftlicher Schwierigkeiten und der Darstellung der Geschäftsergebnisse fehlt allerdings häufig die wichtigste Information. Was hat ein Unternehmen tatsächlich verloren? Welche zusätzlichen Kosten konnte es an seine Kunden weitergeben? Welche Einbußen konnte es durch Geschäfte auf anderen Märkten ausgleichen? Und wie hoch waren die tatsächlichen finanziellen Belastungen?

Warum wirtschaftlicher Druck politische Extremisten stärken kann

Auf dem Papier wächst der Außenhandel, während die Fabriken Schwierigkeiten haben. Zu diesem Ergebnis kam bereits 2023 das slowenische Institut für makroökonomische Analyse und Entwicklung (UMAR), das den Außenhandel mit Russland nach Beginn des Ukrainekriegs untersuchte. Die Exporte pharmazeutischer Produkte stiegen ebenso wie die Importe von Erdölprodukten. Der Zuwachs beruhte jedoch überwiegend auf Handelsgeschäften und nicht auf einer höheren industriellen Produktion. Für die exportorientierten Branchen des verarbeitenden Gewerbes fielen die Auswirkungen überwiegend negativ aus.

Eine slowenische Fabrik kann sogar dann Verluste erleiden, wenn sie selbst keinerlei Geschäftsbeziehungen zu Russland oder den USA unterhält. Das Unternehmen produziert beispielsweise Bauteile für einen deutschen Kunden. Dieser verkauft aufgrund amerikanischer Zölle weniger Produkte und reduziert deshalb seine Bestellungen. Ein handelspolitisches Problem aus Washington erreicht auf diese Weise unmittelbar eine slowenische Produktionshalle. Auf solche indirekten Risiken hatte bereits die slowenische Zentralbank am 15. April 2025 hingewiesen, als sie die möglichen Folgen der amerikanischen Zölle untersuchte.

Für Slowenien bedeutet das, dass nicht nur jene Lastwagen gezählt werden dürfen, die nicht mehr nach Russland fahren können, oder jene Produkte, die in den USA mit Zöllen belegt werden. Ebenso berücksichtigt werden müssen entgangene Bestellungen europäischer Kunden, gestiegene Beschaffungskosten und Gewinne, auf die Unternehmen verzichten, um bestehende Geschäftsbeziehungen überhaupt aufrechterhalten zu können.

Deutschland-Bezug: Die Risiken für die deutsche Industrie

Auch für Deutschland ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Als international eng verflochtene Industrienation ist die Bundesrepublik von offenen Absatzmärkten und funktionierenden Lieferketten abhängig. Besonders für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Chemieindustrie können Handelsbeschränkungen zusätzliche Kosten verursachen und den Zugang zu wichtigen Märkten erschweren.

Hinzu kommt die indirekte Belastung deutscher Unternehmen. Wenn ausländische Kunden aufgrund von Sanktionen und Zöllen weniger produzieren oder investieren, kann das auch die Nachfrage nach deutschen Maschinen, Bauteilen und Industrieprodukten verringern. Umgekehrt können deutsche Unternehmen durch den Wegfall einzelner Wettbewerber neue Absatzmöglichkeiten erhalten. Welche Auswirkungen überwiegen, hängt von den jeweiligen Lieferketten, Absatzmärkten und Geschäftsmodellen ab.

Die Ergebnisse der BIZ-Untersuchung verdeutlichen damit eine grundsätzliche Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Handelsbeschränkungen können kurzfristig geopolitischen Druck erzeugen, gleichzeitig aber die technologische Eigenständigkeit ausländischer Wettbewerber fördern. Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist deshalb entscheidend, wie Unternehmen ihre Absatzmärkte diversifizieren, kritische Abhängigkeiten verringern und ihre Innovationskraft stärken.

Der wirtschaftliche Bumerang hat politische Folgen

Die Kosten wirtschaftlicher Beschränkungen tauchen zunächst in den Bilanzen der Unternehmen auf, erreichen am Ende jedoch auch die privaten Haushalte. Steigende Preise, geringere Gewinne und ausbleibende Aufträge können Beschäftigung, Kaufkraft und wirtschaftliche Perspektiven belasten.

Der Bumerangeffekt kann damit auch politische Konsequenzen haben. Wirtschaftliche Unsicherheit und zunehmende Belastungen können den Aufstieg extremistischer und radikal populistischer Kräfte begünstigen. Maßnahmen, die sich gegen autoritäre Regierungen im Ausland richten, können so unter Umständen deren Bewunderer im eigenen Land stärken.

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Petra Sovdat

Zum Autor:

Petra Sovdat ist erfahrene Journalistin und Kommentatorin bei Finance.si, einem slowenischen Wirtschaftsmedium.

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