SWR sendet unverschämt Werbung zum privaten Vorteil eines ZDF-Funktionärs

 

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23.09.2014 12:32
Der SWR hat dem neuen Buch des ehemaligen ZDF-Funktionärs Markus Schächter ein Interview gewidmet. Gebührengelder werden verschwendet, um die privaten Interessen eines ehemaligen Funktionärs zu befriedigen. Selbstredend kommt in dem Interview keine einzige kritische Frage vor. Stattdessen vergleicht sich der Staatsfunk unterschwellig mit einer Kirche. GEZ statt GOTT - die Arroganz der Funktionäre kennt keine Schamgrenzen mehr.

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Die öffentlich-rechtlichen Sender verkommen immer mehr zu PR-Apparaten in eigener Sache. Schamlos werden Gebührengelder verwendet, um einzelnen Funktionären Vorteile zu verschaffen. Ein besonders ärgerliches Beispiel bot am Montag der SWR. Unter dem Titel „Kulturgespräch“ (sic!), bringt der Sender am Morgen ein Interview mit dem ehemaligen ZDF-Intendanten Markus Schächter. Die Überschrift lautet: „Von den Altarstufen zur Showbühne. Der ehemalige ZDF-Intendant über den Zusammenhang von Messdienerjugend und Showtalent.“

Wer in diesem Interview kritische Nachfragen, etwa zu den Pädophilie-Skandal der katholischen Kirche erwartet - ein Thema, das gerade im Messdienerbereich von besonderer Brisanz ist und viele katholische Eltern zu Recht beschäftigt und besorgt - wird enttäuscht: Es handelt sich bei dem „Interview“ um eine unverhohlene PR-Nummer, in der er Schächter darüber plaudert, was er in seiner Jugend als Messdiener erlebt hat. Eine der Fragen lautet: „Hat Sie denn damals schon die große Inszenierung der katholischen Kirche beeindruckt?“

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die katholische Kirche befindet sich in einer der größten Krisen ihrer Geschichte, und der SWR stellt einem auf GEZ-Kosten fürstlich seine Rente genießenden Funktionär barocke Fragen gewissermaßen über Weihrauch und güldene Ornate.

Der Gedanke der Redaktion wird in der nächsten Frage sichtbar: Jetzt führt das Interview praktisch ohne Übergang zum Kern des Themas: Nämlich der Inszenierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens als quasi religiöse Ersatzveranstaltung. In einer geradezu abenteuerlichen Kurzschluss-Argumentation, die wir uns an dieser Stelle ersparen wollen, wird der Eindruck erweckt, als sei der logische Schritt vom Messdiener die Karriere als Showmaster. Unausgesprochene Unterstellung des SWR: Die Kirche findet heute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen statt. Früher hieß es GOTT, jetzt GEZ. Schächter:

Um es deutlich zu sagen: Es gibt nicht den Zusammenhang, es gibt nicht den Königsweg von A Messdiener zu B Showstar, aber es gibt Zusammenhänge. Und die Hälfte aller heutigen Primetime-Könige war auf kurz oder lang Messdiener. Und sie alle haben etwas gemeinsam, und das ist die Freude an der Inszenierung.

In einem Punkt hat Schächter recht – auch wenn er das natürlich nicht sagt: Wie auch die Kirche von der Kirchensteuer lebt der öffentlich-rechtliche Rundfunk vom Zwangs-Geld der Beitragszahler. Der entscheidende Unterschied: Aus der Kirche kann man austreten, bei der GEZ gibt es kein Entrinnen.

Deshalb sind auch solche Gefälligkeitsinterviews so ärgerlich: Hier wird ein mit der Zwangsgebühr finanziertes Medium eindeutig missbraucht, um einem anderen Zweck zu dienen als dem der Information der Zuhörer.

Denn in dem Interview geht es nicht um die Frage ob die katholische Kirche und das öffentlich-rechtliche Fernsehen etwas gemeinsam haben. Es geht auch nicht um die Probleme der Messdiener. Es geht schon gar nicht um kritische Berichterstattung.

Es geht nämlich ganz frech ausschließlich um die Bewerbung des neuen Buchs von Herrn Schächter, welches in einem privaten Verlag erschienen ist, an dessen Verbreitung Schächter als Autor eben ein privates Interesse hat.

Selbstverständlich ist am Ende des Interviews im Internet auch der Hinweis auf das Buch zu finden. Die öffentlich-rechtlichen Sender verwenden gerne solche Anlässe als Vorwand, um eine pseudointellektuelle Aktualität zu simulieren. Denn tatsächlich braucht das Buch von Herrn Schächter niemand. Man kann sich für den Verlag freuen, dass es ihm gelungen ist, sein Buch jenseits aller Informationsinteressen in das Programm des öffentlich-rechtlichen Senders zu schmuggeln.

Markus Schächter ist dieser Tage ein zweites Mal unangenehm aufgefallen. Wie Hans-Peter Siebenhaar im Handelsblatt schreibt, hat Schächter ein Gutachten für den österreichischen Rundfunk (ORF) geschrieben, indem er seinem Freund, dem ORF-Chef, die 100-prozentige Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags bescheinigt. Das Gutachten muss selbstverständlich von den österreichischen Gebührenzahler bezahlt werden.

Zuhörer und Gebührenzahler können Sie Art des ungehemmten Nepotismus nichts unternehmen. Die riesige Unübersichtlichkeit der Sender lässt jeden Kritiker auflaufen wie in einem kafkaesken Verwaltungsgebäude. Dieses System lebt davon, dass es Transparenz ablehnt, um die vorhandenen Netzwerke für eigene Interessen zu missbrauchen.

Die Schauspielerin Corinna Harfouch sagte dieser Tage in der Neuen Osnabrücker Zeitung:

Ich weiß gar nicht, ob ich bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehredaktionen von Feigheit sprechen soll. Die sind ganz einfach extrem in ihren gewucherten Strukturen verstrickt und können sich kaum noch bewegen. Die produzieren zum Teil kaum noch. Der NDR macht außer „Tatort“ fast gar nichts mehr, weil dort noch der Programmstock der kriminellen Ex-Fernsehspiel-Chefin versendet werden muss. Das höre ich zumindest. Ich kann das von außen nur unzuverlässig beurteilen. Aber für mich stellt es sich so dar: Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist ein System entstanden, in dem sich der einzelne Mensch kaum noch gegen den Apparat durchsetzen kann. Es gibt bei den Sendern nur noch ganz wenige Redaktionen, über die ich sage: Die sind noch irgendwie bei Trost, die denken noch nach, die pflegen noch eine Fantasie, die nicht von Tausenden Regeln erstickt ist.

Das Beispiel des Gefälligkeitsinterviews und des Gefälligkeitsgutachtens mit und vom Ex-Funktionär Schächter zeigt, dass es nicht nur um die Erstickung der Fantasie durch zu viele Regeln geht: Der Missbrauch von Programm und Struktur ist ein Beleg dafür, dass die Undurchsichtigkeit eines überfinanzierten Apparats zu Korruption geradezu herausfordern. Die Milliarden, die keiner dieser Redakteure oder Funktionäre jemals selbst verdienen muss, verführen zu einer Arroganz, die das System früher oder später in seinen Grundfesten erschüttern wird.

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