Unternehmen

Azubi-Recruiting: Wie Unternehmen Auszubildende finden und was Personaler beachten sollten

Der War of Talents existiert nicht nur bei der Gewinnung von qualifizierten Fachkräften, sondern auch bei der Suche nach passenden Auszubildenden. Es scheint immer schwerer, geeignete Auszubildende zu finden und für das eigene Unternehmen zu gewinnen.
09.04.2025 15:32
Lesezeit: 3 min
Azubi-Recruiting: Wie Unternehmen Auszubildende finden und was Personaler beachten sollten
Betriebliche Rentenvorsorge und Zuschuss zur Kita kann jeder: Metzgermeister Dirk Schmidt stellt seinen Auszubildenden einen Kleinwagen zur Verfügung stellt. Azubi Veit Benfer steht vor dem "Azubi Car", Foto: Thomas Frey

Azubi-Recruiting: Wie finden Unternehmen und Auszubildende besser zusammen?

Die Bandbreite an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten ist gefühlt endlos. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus dem Jahr 2024, für ein Vollzeitstudium an einer Universität oder Hochschule anstatt für eine Ausbildung.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelte, dass im Jahr 2023 mehr als ein Drittel der ausgeschriebenen Ausbildungsstellen unbesetzt blieben – zukünftige Fachkräfte, die im Betrieb fehlen. Gleichzeitig geht aus der Studie hervor, dass nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch wirklich einen Platz finden. So meint Ute Leber, Mitautorin der Studie des IAB: „(…) Trotz einer Rekordzahl an unbesetzten Ausbildungsstellen steigt sowohl die Zahl der unversorgten Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber als auch die Zahl der jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung“. Wie können also Unternehmen und zukünftige Auszubildende besser zueinander finden?

Azubis finden und auf die Zukunft vorbereiten

Das Einarbeiten von Auszubildenden erfordert viel Zeit und Geduld. Meist muss ein Unternehmen also zunächst einmal sehr viel in die jungen Menschen investieren. Doch die Investition kann sich durchaus lohnen: Eine gute Ausbildung formt sie zu qualifizierten Fachkräften, die frühzeitig an den Arbeitgeber gebunden werden.

Gleichzeitig können sie neue Perspektiven ins Unternehmen bringen und alteingesessene Strukturen hinterfragen – was durchaus gewinnbringend sein kann!

Die Zielgruppe effektiv erreichen

Eine Stellenanzeige in der lokalen Zeitung genügt längst nicht mehr – junge Menschen finden ihre Informationen vor allem auf Social-Media. Daher bietet es sich an, gezielte Stellenanzeigen in den sozialen Netzwerken zu schalten.

Ebenfalls von großer Relevanz ist ein aussagekräftiges Unternehmensprofil auf den sozialen Netzwerken, welches authentische Einblicke in den täglichen Arbeitsalltag bietet und die Benefits des Arbeitgebers herausstellt. Inhalte, die von den Azubis selbst kommen, wirken dabei besonders ansprechend. Als Kanäle hierfür bieten sich vor allem TikTok und Instagram an.

Trotz der Beliebtheit von Online-Recruiting sollten die analogen Medien nicht vollständig außer Acht gelassen werden: Vor allem die Eltern der zukünftigen Azubis suchen beispielsweise gezielt in den Zeitungen nach Ausbildungsstellen für ihre Kinder.

Benefits, die Auszubildende überzeugen können

Eine betriebliche Altersvorsorge und einen Kita-Zuschuss bietet mittlerweile so gut wie jedes Unternehmen. Aber können damit wirklich die jungen Menschen angesprochen werden? Unternehmen müssen ihre Zielgruppe kennen und darauf aufbauend deren Bedürfnisse ermitteln. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice können die freiheitsliebenden jungen Menschen beispielsweise überzeugen. Auch der Einsatz moderner technischer Geräte spricht die Zielgruppe an, insbesondere wenn diese als Geschenk, Kaufoption oder Leihgabe herausgegeben werden. Da die Azubis meist erst über ein geringes Einkommen verfügen, werden auch Mobilitätsangebote wie das Jobticket oder Fahrkostenzuschüsse als attraktiv wahrgenommen. Junge Menschen, die häufig noch am Anfang ihrer Bildung stehen, können besonders von gezielter Förderung profitieren. Möglich wären zum Beispiel innerbetriebliche Prüfungsvorbereitungen oder spezielle Bildungsprogramme. Auch ein persönlicher Mentor kann wertvolle Unterstützung bieten.

Der Trend der zunehmenden Akademisierung zeigt sich auch bei Ausbildungsabsolventen: Die Studie Azubi-Recruiting-Trends 2024 ermittelte nach einem höheren Gehalt, eine fehlende berufliche Perspektive als zweitwichtigstes Argument für den Wechsel des Arbeitgebers nach der Ausbildung. Ideal ist daher, wenn die Möglichkeit besteht, im Anschluss an die Ausbildung den Fach- oder Betriebswirt oder ein (duales) Studium innerhalb des Unternehmens absolvieren zu können.

Unkomplizierter Bewerbungsprozess

Eine aufwendige Registrierung für das Jobportal, viele Klicks, um endlich ans Ziel zu kommen, … – in der Fülle an Ausbildungsplätzen katapultiert sich manch ein Unternehmen mit einem komplizierten Bewerbungsprozess ins Aus! Einfach strukturierte und kurze Bewerbungsformulare sind daher das A und O. Ist die Bewerbung dann beim Unternehmen eingegangen, ist eine zeitnahe Rückmeldung essenziell, um den Kandidaten nicht an ein anderes Unternehmen zu verlieren, welches sich früher beim Bewerber gemeldet hat.

Mehr als Informationen: Transparenz und Einblicke ins Unternehmen

Ebenfalls wichtig ist eine gut ausgebaute Karriereseite, im Idealfall sogar speziell für zukünftige Auszubildende. Hier sollten die wichtigsten Informationen zu den Ausbildungen im Unternehmen transparent dargestellt werden, wie Ablauf des Bewerbungsprozesses, Job-Benefits und Gehalt.

Gamification-Module

Auch Gamification-Module erfreuen sich zunehmender Beliebtheit im Azubirecruiting: Möglich sind Online-Selbsttests zur Berufsorientierung oder virtuelle Einblicke ins Unternehmen. Letzteres bietet beispielsweise Deloitte an: Hier können interessierte Hochschulabsolventen einen Arbeitstag erleben und anhand von verschiedenen Entscheidungssituationen feststellen, ob sie zum Unternehmen passen. Durch diese Maßnahmen kann sich von anderen Unternehmen abgehoben werden.

Neben virtuellen Einblicken in das Unternehmen bietet sich die Vergabe von Praktika-Stellen an. So können sich Arbeitgeber und potenzieller Azubi im Voraus gegenseitig kennenlernen und der Azubi kann erste Erfahrungen in dem Beruf sammeln und feststellen, ob dieser den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten entspricht.

Auszubildende finden - und die Fachkräfte von morgen ausbilden

Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen und daher essenziell für jedes Unternehmen. Die jungen Menschen sollten auf den passenden Kanälen angesprochen und mit allen wichtigen Informationen versorgt werden. Aufgrund der Vielzahl an konkurrierenden Unternehmen ist ein unkomplizierter Bewerbungsprozess und für die Zielgruppe attraktive Job-Benefits von enormer Wichtigkeit. Innovative Ansätze, wie Gamification, können neugierige Bewerber anlocken und das Unternehmen als modernen Arbeitgeber präsentieren.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Koalition verspricht sanierte Straßen und stabile Beiträge
12.12.2025

Im neuen Jahr sollen Millionen Menschen spürbar von Reformen profitieren. Bundeskanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil versprechen...

DWN
Politik
Politik Wendet sich Brüssel vom Verbrenner-Aus ab, um die Industrie zu schützen?
12.12.2025

Das geplante Verbrenner-Aus stellt Europas Autobranche vor eine Zerreißprobe. Während der Absatz von Elektroautos in vielen EU-Ländern...

DWN
Politik
Politik Rutte warnt in Berlin: Russland sieht Europa als nächstes Ziel
11.12.2025

Bundeskanzler Merz und Nato-Generalsekretär Rutte haben in Berlin Alarm geschlagen. Russland ziele nicht nur auf die Ukraine, sondern...

DWN
Finanzen
Finanzen Münchener Rück-Aktie: Neue Strategie setzt deutliche Gewinneffekte frei
11.12.2025

Die Münchener Rück-Aktie gewinnt an Tempo – und das aus gutem Grund. Die neue Strategie Ambition 2030 verspricht höhere Gewinne,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Putin und Trump spielen im selben Team gegen Europa
11.12.2025

Putin und Trump sprechen plötzlich dieselbe Sprache. Europas Zukunft steht auf dem Spiel, während Washington und Moskau ein gemeinsames...

DWN
Technologie
Technologie Halbleiter-Förderung: Dresden und Erfurt erhalten grünes Licht
11.12.2025

Europa hängt bei Chips weiter an Asien – nun greift die EU zu einem Milliardenhebel. Deutschland darf zwei neue Werke in Dresden und...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erhöht Druck: Vereinfachte Regeln für Europas Banken
11.12.2025

Die EZB drängt auf einfachere EU-Bankenvorschriften und will kleinere Institute entlasten. Doch wie weit darf eine Reform gehen, ohne...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Institut korrigiert Wirtschaftsprognose: Deutschlands Aufschwung bleibt schwach
11.12.2025

Die neue Wirtschaftsprognose des Ifo-Instituts dämpft Hoffnungen auf einen kräftigen Aufschwung. Trotz Milliardeninvestitionen und...