Van Rompuy erhält neben üppiger Rente Zubrot von EU-Universität

 

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09.12.2014 23:41
700.000 Euro Rente sind nicht genug: Der ehemalige EU-Ratspräsident Van Rompuy wird im Nebenjob Dozent am steuerfinanzierten College of Europe in Brügge. Dort wird zwar Leadership unterrichtet, mit der Transparenz steht man jedoch auf Kriegsfuß: Nur auf hartnäckiges Nachfragen war zu erfahren, dass es sich bei dem Job nicht um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt.
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Seit Dezember ist Herman Van Rompuy nicht mehr auf seinem Posten als EU-Ratspräsident. Er wurde von Donald Tusk abgelöst und freut sich über seine Rente. Eine Rente, die in den ersten drei Jahren bei mehr als 700.000 Euro mit günstigem Steuersatz liegt. Allerdings will die EU die Weisheit Van Rompuys nicht ungenutzt lassen. Er hat eine Unterrichtsstelle am College of Europe erhalten, wie der Rektor Jörg Monar den Deutschen Wirtschafts Nachrichten bestätigte:

„Das College ist sehr erfreut und geehrt, in seiner Fakultät mit Herman Van Rompuy nicht nur einen der erfolgreichsten Staats- und Regierungschefs zu haben, sondern auch einen wahren europäischen Denker, der viele Europäer dazu gebracht hat, stärker über unsere Herausforderungen, unser Potential und unsere Ideen nachzudenken. Keine Frage, die Studenten werden immens von seiner Erfahrung und Klugheit profitieren.“

In der zweiten Hälfte des akademischen Jahres 2014/2015 und „hoffentlich auch zukünftig“ wird Van Rompuy „ Leadership and decision-making in the EU“ am Brügge Campus in Belgien unterrichten, so der Rektor. Wie viele Stunden er unterrichten wird, sei noch nicht entschieden und auch nicht, ob Van Rompuy Prüfungen abnehmen werde. Auf die Frage, ob und wie Van Rompuy für seine Arbeit am College of Europe entlohnt wird, wurde der Rektor etwas schmallippig: Er habe „keine Informationen über Finanzfragen“.

Die Pressesprecherin des College of Europe, Angela O’Neill, erklärte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Die Leute entscheiden sich gemeinhin, aufgrund der ausgewählten, talentierten Studenten am College zu unterrichten.“ Auf die Nachfrage, ob denn die Professoren demnach gar nichts verdienen, sagte die Pressesprecherin, dass sie noch einmal Rücksprache mit dem Rektor halten werde. Wenig später sagte sie: „Der Rektor weist darauf hin, dass er (Van Rompuy) nach demselben Stundensatz bezahlt werde, wie die anderen 200 Gastdozenten.“ Dieser Stundensatz „sei, wie an anderen Universitäten, nicht zur Veröffentlichung gedacht“. Dies ist erstaunlich: Denn das College of Europe wird von den europäischen Steuerzahlern finanziert, die ganz gerne wissen würden, was mit ihrem Geld geschieht.

Das 1949 gegründete College of Europe ist die Kaderschmiede der EU. Hier wird versucht, die zukünftigen EU-Politiker heranzuziehen. Etwa 400 Studenten aus mehr als 50 Ländern werden jedes Jahr in englisch- und französischsprachigen Kursen am Campus in Brügge (Belgien) und im polnischen Natolin (nahe Warschau) unterrichtet. „Nicht zuletzt aufgrund seiner Nähe zu Brüssel gilt das Europakolleg als eine der klassischen Talentschmieden für die Brüsseler Institutionen“, schreibt das Auswärtige Amt. „Viele Ehemalige sind bereits in leitender Position in Brüssel tätig.“ Es sei „ eine der renommiertesten Adressen für Euopa-Spezialisten“. Die derzeitige Premierministerin Dänemarks, Helle Thorning-Schmidt, und auch viele Botschafter europäischer Länder haben das College besucht.

Die Finanzierung des College of Europe läuft einerseits über Studiengebühren (16.000 Euro) und andererseits über Sponsoren bzw. Spenden. Vor allem zählt die EU zu den Geldgebern. Allein 2013 erhielt das College of Europe 13,4 Millionen Euro von der EU, sagte Pieter Cleppe vom Brüsseler Think Tank Open Europe den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Darüber hinaus werden Länder wie Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich etc. noch einmal extra als Geldgeber genannt.

Da das College zumindest teilweise von der EU finanziert wird, sollte man eigentlich mehr Klarheit über die Bezahlung von Professoren erwarten können, sagt Cleppe. Vor allem, wenn das von der EU gezahlte Geld wieder an jemanden geht, der bei der EU gearbeitet hat. Darüber hinaus kann man sich aber auch fragen, „ob die EU – eine Organisation, die geschaffen wurde, um Grenzen zu öffnen - eine spezielle Schule haben und finanzieren muss, um Bürokraten mit EU-Denke heranzuzüchten“, so Pieter Cleppe. Wenn es etwas gebe, dass den EU-Institutionen derzeit nicht fehle, dann sei dies das ausgeprägte Gruppendenken: Die EU wird als Zentrum Europas angesehen. „Warum sollte die EU eine Schule finanzieren, die genau diese Ideen fördert“, so Cleppe. Sicherlich seien die Studenten und Absolventen des College of Europe sehr talentiert, aber es würde den EU-Institutionen nicht schaden, auch Menschen einzustellen, die von außen auf das EU-Gebilde blicken.

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