Technologie

Australischer Unternehmer erklärt sich zum Bitcoin-Erfinder

Lesezeit: 3 min
03.05.2016 00:33
Ein australischer Unternehmer hat sich als Gründer der Digitalwährung Bitcoin zu erkennen gegeben. Er habe sich zu seiner Enttarnung entschlossen, um die mediale Jagd auf ihn zu beenden. Mit dem Bekenntnis lieferte er offenbar auch kryptographisch signierte Beweise für seine Identität.
Australischer Unternehmer erklärt sich zum Bitcoin-Erfinder

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Eines der großen Rätsel der Internet-Welt scheint gelöst: Der australische Computerfachmann und Unternehmer Craig Steven Wright hat sich als Erfinder der Digitalwährung Bitcoin präsentiert. Er sprach unter anderem mit der BBC und der Zeitschrift Economist. Wright habe seine Behauptung technisch untermauert: Mit Bitcoins, die nur der Gründer besitzen könne.

Wrights Name kam bereits im Dezember auf, nachdem durchgesickerte Dokumente auf ihn hinwiesen. Im Dezember stützten sich das Magazin Wired und der Blog Gizmodo in ihren Berichten auf geleakte E-Mails und Kopien alter Blogeinträge von Wright. Dort fänden sich eine E-Mail-Adresse und ein PGP-Schlüssel – eine einmalige digitale Signatur – sowie eine E-Mail-Adresse, die mit „Satoshi Nakamoto“ in Verbindung gebracht werden.

Außerdem durchsuchten damals australische Steuerfahnder Wrights Haus in einem Vorort von Sydney. Wright sagte in einer angeblichen Dokumentation eines Gesprächs mit der australischen Steuerbehörde, er habe Bitcoin seit 2009 betrieben. Den Behörden zufolge soll es dabei jedoch nicht um Bitcoins gegangen sei. Sie hätten festgestellt, dass Herr Wright nicht Mr. Sakamoto sei. Damals äußerte Wrights selbst sich nicht. Nun sagte er der BBC, dass er mit dem australischen Finanzamt zusammenarbeite. „Ich wollte keine Öffentlichkeit, aber ich will jetzt, dass die Sache ein für alle mal geklärt ist“, sagte Wright: „Ich will arbeiten, ich will weiter tun, was ich tue. Ich will kein Geld. Ich will keine Berühmtheit. Ich will keine Bewunderung. Ich will nur alleine gelassen werden“.

Der Bitcoin-Erfinder war bislang nur unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ bekannt. Die Identität des Bitcoin-Gründers war seit Jahren ein Geheimnis, das viele beschäftigte. Diverse Journalisten versuchten in den vergangenen Jahren, die Identität des Bitcoin-Erfinders aufzudecken. Ein Grund dafür ist auch, dass ihm eine Million Bitcoins zugerechnet wird. Das Paket wäre aktuell rund 400 Millionen Euro wert. Es war bislang nicht angerührt worden. „Satoshi Nakamoto“ entwarf das Bitcoin-System und schrieb auch die erste Version der Software dahinter.

Führende Bitcoin-Experten und -Entwickler bestätigten, das sie das Bekenntnis für echt halten. Gavin Andresen, der Satoshi Nakamoto als führender Bitcoin-Entwickler nachfolgte, schrieb in seinem Blog, dass er Wrights Behauptung glaubt: „Nach der Zeit mit ihm bin ich zweifelsfrei überzeugt: Craig Wright ist Satoshi“, so Andresen. „Während unseres Treffens sah ich die brillante, meinungsstarke, fokussierte, großzügige – und Privatsphäre suchende Person – die zu jenem Satoshi passt mit dem ich vor sechs Jahren gearbeitet habe. Er habe sich für sein Pseudonym vom Namen eines japanischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert inspirieren lassen, Tominaga Nakamoto.

Der „Economist“ ließ eine Hintertür für Zweifel offen: „Unsere Schlussfolgerung ist, dass Mr. Wright sehr wohl Mr. Nakamoto sein kann – aber auch, dass wichtige Fragen bleiben.“ Der zweifelsfreie Nachweis sei ein aufwendiges Verfahren, das einem digitalen DNA-Test ähnelt, berichtet Wired. Möglicherweise werde jedoch nie zweifelsfrei geklärt werden können, wer Bitcoin wirklich geschaffen habe. „Satoshi“ kommunizierte mit seinen frühen Mitstreitern stets nur elektronisch, bevor er sich nach einigen Jahren zurückzog. Wright bekräftigte seine Behauptung in einem Blogeintrag vom Montag.

Wright war bereits als Bitcoin-Experte bekannt und hatte auch den Aufbau einer Bank für die Digitalwährung angekündigt. Der Supercomputer „Tulip Trading“ seiner Firma DeMorgan gehört zu den leistungsstärksten der Welt. Um Bitcoins zu erzeugen, ist viel Rechenleistung nötig. Bei einem öffentlichen Auftritt im Oktober stammelte Wright auf die Frage, seit wann er sich mit Bitcoin beschäftige, er sei schon länger involviert und versuche, unter dem Radar zu bleiben.

Die virtuelle Währung Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden – als eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Bitcoins werden in einem aufwendigen Verfahren auf Computern erzeugt, und können dann im Netz auch für Dollar oder Euro gekauft werden. Die Währung lässt anonyme Zahlungen zu, funktioniert unabhängig von Regierungen oder Banken und kommt vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Maximal sollen 21 Millionen Bitcoins generiert werden können.

Bitcoin war eine Zeit lang mit dem Online-Drogen-Basar Silk Road assoziiert, aber das Interesse an ihrem Potenzial als Zahlungsmethode für legitime Zwecke wuchs. Die Finanzinstitute setzen inzwischen Ressourcen dafür ein zu erforschen, wie sie die „blockchain“ der digitale Gemeinschafts-Währung verwenden können, um ihre eigenen Transaktionen schneller und billiger zu machen.

Das Bitcoin-Projekt hat sich dadurch aufgespalten und befand sich seit Monaten in einer Art Bürgerkrieg zwischen zwei konkurrierenden Lagern von Entwicklern und Unternehmen. Die eine Seite will Bitcoin eher klein und alternativ halten, die andere  Seite drängt auf schnelles Wachstum, auch wenn dies bedeutet, dass Bitcoin sich mehr wie ein konventionelles Zahlungssystem entwickelt.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die wirtschaftlichen und klimapolitischen Ziele im Rahmen des „Great Reset“ bedrohen weltweit vor allem den deutschen Mittelstand....

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesbehörde behauptet nun: Vogelgrippe in Norddeutschland konnte sich durch Menschen verbreiten

Dem Friedrich-Loeffler-Institut zufolge, das eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Politik
Politik Lecker Essen und Geld-Spenden: Spahn beim Dinner während der Corona-Einschränkungen

Am 20. Oktober 2020 nahm Jens Spahn an einem Dinner mit mehreren Gästen teil, bei dem nach „BILD“-Informationen Geld-Spenden für ihn...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...