Krim-Konflikt: Sorge bei deutschen Maschinenbauern

 

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04.03.2014 00:18
Die Spannungen zwischen Russland und dem Westen über die Halbinsel Krim ist die schwerste Krise im jungen Jahrhundert. Wenn der Konflikt eskaliert, bringt dies fatale wirtschaftliche Folgen für Russland und Europa mit sich. Auch deutsche Exporteure werden betroffen.
Krim-Konflikt: Sorge bei deutschen Maschinenbauern

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Der britische Außenminister William Hague nennt den Konflikt in der Ukraine die größte Krise in Europa im 21. Jahrhundert. Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich geht es um viel. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland um die Halbinsel Krim könnte zur Belastung für die deutsche Wirtschaft und die Weltkonjunktur werden.

Die deutschen Maschinenbauer fürchten einen Rückschlag für ihre Geschäfte durch die Krise auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Die Ungewissheit über deren Folgen und mögliche Sanktionen sorge bei Investoren für Verunsicherung, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers, am Montag im Reuters-Interview. "Das ist Gift für jede Konjunktur." Russland nahm für die deutschen Anlagenbauer nach Berechnungen des Verbandes 2013 Platz vier auf der Liste der größten Exportländer ein - hinter China, USA und Frankreich. Die Firmen hätten Waren im Wert von insgesamt 7,8 Milliarden Euro nach Russland verkauft, sagte Wiechers. Die Ukraine nehme dagegen mit knapp einer Milliarde Euro lediglich Rang 34 ein.

Im vergangenen Jahr hatte die Branche schon einen Dämpfer wegstecken müssen. "2013 schrumpfte die Produktion der hiesigen Maschinenbauer um 1,7 Prozent auf 194,7 Milliarden Euro", sagte Wiechers. Trotz des Auf und Abs beim Auftragseingang der vergangenen Monate erwartet die Branche - zu der neben mittelständischen Unternehmen auch börsennotierte Konzerne wie ThyssenKrupp, DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) oder Gea gehören - in diesem Jahr eine um drei Prozent steigende Produktion.

6.000 deutsche Unternehmen sind vor Ort tätig. Jahrelang war Russland der am schnellsten wachsende Markt für die hiesigen Exporteure. Damit war es aber schon vor dem Krim-Streit vorbei: Exporte und Importe zusammen brachen 2013 um gut fünf Prozent auf 76,5 Milliarden Euro ein. Damit verlor Russland seinen Status als wichtigster Handelspartner der deutschen Wirtschaft in Osteuropa an Polen. Der Handel mit dem Nachbarn zog um 4,3 Prozent auf 78 Milliarden Euro an. „Die realwirtschaftlichen Folgen für uns halten sich in Grenzen", sagt deshalb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Für uns ist die Entwicklung in China ungleich wichtiger als das, was in Russland passiert.“ Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen liegt der Anteil der Exporte nach Russland am gesamten Ausfuhrvolumen bei 3,3 Prozent.

Allerdings: Deutschland bezieht knapp 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Kommt es zu Lieferausfällen, bekäme dies die deutsche Wirtschaft zu spüren. Auch bei Ölimporten verlässt sich Deutschland zu mehr als einem Drittel auf Russland. Die Gasspeicher im Land seien gut gefüllt, versucht das Bundeswirtschaftsministerium zu beruhigen. Sie seien so groß wie nur in wenigen anderen Ländern. Es gebe zudem keine Anzeichen für irgendwelche Lieferbeschränkungen.

Bezogen auf einzelne Branchen spielt der russische Markt vor allem für den hiesigen Maschinen- und Anlagenbau eine wichtige Rolle. Auch deutsche Autos und Chemie-Produkte stehen bei russischen Kunden ganz oben auf der Hitliste. Rund 300.000 deutsche Arbeitsplätze sind vom Handel mit Russland abhängig, rechnet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft vor. Russland wiederum exportiert nach Deutschland vor allem Rohstoffe und petrochemische Produkte.

Russland gehört zu den größten Erdgas- und Erdölproduzenten der Welt. „Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland träfen damit auch die EU sowie über höhere Energiepreise die gesamte Weltwirtschaft", sagt Analyst Daniel Lenz von der DZ Bank. „Für die sich gerade erholende Weltwirtschaft und vor allem die EU-Wirtschaft wären steigende Energiepreise oder sogar eine Versorgungsknappheit ein Risikofaktor." Krämer glaubt aber nicht, dass der Konflikt in der Ukraine ausreicht, um die Wirtschaft in Europa zu schädigen. „Russland hat zwar schön häufiger das Völkerrecht gebrochen, hält sich aber an privatwirtschaftliche Verträge." Die EZB hat sich ähnlich geäußert (hier).

Allein in der Ukraine sind mehr als 2.000 deutsche Unternehmen tätig. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet bisher zwar ohne große Unterbrechungen, macht sich aber große Sorgen um die Stabilität des Landes", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Sollte sich die Lage indes zuspitzen, seien Produktionsausfälle unvermeidlich. „Ganze Wertschöpfungsketten wären betroffen, die Wirtschaften der Nachbarländer Polen, Ungarn und Rumänien würden es als erste spüren", warnt Treier. Die Bundesregierung gibt sich dagegen noch relativ gelassen. „Es besteht kein Anlass zur Sorge", sagt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. 

Die russische Wirtschaft kann sich keinen Streit mit dem Westen leisten, sagt der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. „80 Prozent der russischen Exporte sind Rohstoff-basiert", betont dessen Geschäftsführer Rainer Lindner. „Damit kann man noch keine moderne Gesellschaft entwickeln." Russland müsse seine Wirtschaft modernisieren, um weniger abhängig von Rohstoffen zu werden. „Ohne Technologiepartner wie Deutschland wird es das nicht schaffen", sagt Lindner. Und auch an der Energiefront bezweifeln viele Experten, dass es sich Russland leisten kann, den Gashahn zuzudrehen - zumal der Gaspreis an den Weltmärkten wegen Überangebots seit längerem sinkt.



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