Technologie

Das Auto als Wohnzimmer: Daimler überrascht die Konkurrenz und Google

Lesezeit: 2 min
06.01.2015 23:24
Mit der Entwicklung eines autonomen Fahrzeugs übertrifft Daimler Googles Prototypen und fügt zahlreiche Innovationen hinzu. Der Innenraum wird zum Wohnzimmer. Die Fahrzeugbeleuchtung kommuniziert mit Fußgängern. Bewegungs-Sensoren ermöglichen Befehle durch Gesten und Augenbewegungen.

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Daimler will ein autonom fahrendes Auto auf den Markt bringen, dass dem von Google in nichts nachsteht. Auf der Consumer Electronics Messe in Las Vegas stellt der deutsche Autobauer die neuen Funktionen des Konzept-Fahrzeugs F015 vor, die das Fahrerlebnis verändern sollen.

Das Auto der Zukunft ist ausgestattet mit zahlreichen Touchscreen und Sitzen, die sich drehen können. So soll ein „Kokon auf Rädern“ entstehen, in dem sich sowohl Fahrer als auch Beifahrer entspannen können. Der Innenraum des extra für die Messe gebauten F015 ist extra groß angelegt, so dass sich der Fahrer während der Fahrt dem Innenraum zuwenden kann (siehe Video am Ende des Artikels). Auf das Lenkrad will Mercedes jedoch nicht verzichten. Der Fahrer soll auch in Zukunft immer die Entscheidungsgewalt über das Fahrzeug behalten.

Mit der Entwicklung will Daimler nicht nur dem Premium-Aspekt seiner Marke eine neue Dimension verleihen. Das Konzept des Autos selbst werde sich von Grund auf ändern. Bislang ist es ein Vehikel, das Menschen von einem zum nächsten Ort transportiert – ein Tunnel, in dem Zeit verloren geht, die eigentlich auch genutzt werden könnte. Das Auto der Zukunft soll die Sphäre der eigenen vier Wände mit der Arbeits- und Freizeit-Sphäre verbinden

„Autos werden ihre Funktionalität erweitern, in dem sie ein dritter Raum zum Entspannen, Arbeiten und Spielen werden“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche der FT zufolge. Das autonome Fahrzeug ermögliche es dem Menschen, genau das zu tun, was er gerade tun möchte.

Der radikale Umbruch in der Autoindustrie wurde von Google ausgelöst. Dessen Prototyp des autonom fahrenden Fahrzeugs hat die deutschen Autobauer überrascht und unter Zugzwang gesetzt. Daimler ist seinen Konkurrenten einen entscheidenden Schritt voraus.

In jeder Tür und unter dem Armaturenbrett des F015 befinden sich Touchscreens, berichtet Heise. Das Fahrzeug soll durch eingebaute Sensoren auch über Gesten und Augenbewegungen auf Befehle reagieren können.

Neu ist auch die Beleuchtungs-Anlage des Prototypen: Weißes Fahrtlicht bedeutet, dass ein Mensch am Steuer sitzt. Blau hingegen deutet darauf, dass der Computer das Fahrzeug steuert. Wenn das Fahrzeug einen blauen Balken am Kühler zeigt, erkennt es einen Fußgänger. Ein am Straßenrand stehender Passant kann durch einen per Laser auf die Straße projizierten Zebrastreifen zum Überqueren der Straße animiert werden.

Der Antrieb des Fahrzeugs basiert auf der Hybrid-Technik. Eine Brennstoffzelle erzeugt den Strom an Bord in Kombination mit einer Hochvoltbatterie. Für jedes Hinterrad gibt es einen Motor mit 136 PS. In 6,7 Sekunden beschleunigt das Fahrzeug von 0 auf 100 Stundenkilometer. Die Reichweiter gibt Mercedes mit 1.100 Kilometer an.

Die Einführung des autonomen Fahrzeuges auf öffentlichen Straßen wird nur noch durch fehlende Regulierung und ethische Unsicherheiten aufgehalten. So muss ein Auto entscheiden können, wie es sich bei einem drohenden Unfall verhält. Daimler entwickelt Szenarios, in denen simuliert wird, wie sich das Fahrzeug verhält, wenn es vor die Wahl gestellt wird, in einen Menschen oder in einen Graben zu fahren.

Die neue S-Klasse liefert schon Zubehör für autonomes Fahren, dass bereits für den Straßenverkehr zugelassen ist. Im Stau kann das Fahrzeug dem vorigen Auto bei niedriger Geschwindigkeit folgen, ohne dass der Fahrer einschreiten muss. Der Computer übernimmt auch die Steuerung, sollte das Fahrzeug von der Fahrbahn abdriften. Daimler greift dabei auf Technologie zurück, die bereits in dem autonom fahrenden Truck verbaut wurde. Bei Testfahrten hätten Daimlers autonome Fahrzeuge noch keinen Strafzettel bekommen, so Zetsche.

Konkurrent BMW will bald ein automatisches Parksystem vorstellen, dass es dem Fahrzeug ermöglicht, einen freien Parkplatz in einem mehrstöckigen Parkhaus zu finden und automatisch einzuparken. Die Funktion kann von außerhalb des Fahrzeuges mit einer Smartwatch gestartet werden.

Auch Audi testet autonome Fahrzeuge auf den öffentlichen Straßen zwischen Kalifornien und Las Vegas. Dabei erreichen die Autos in Testfahrten eine Reichweite von 900 Kilometern, auf denen sie sogar andere Fahrzeuge ohne Hilfe überholen.

Volkswagen nimmt zum ersten Mal an der CES-Messe teil und stellt eigene Einparkhilfen vor. Das Smartphone wird zur Fernbedienung des Fahrzeuges. So kann der Fahrer schon aussteigen und sich vom Fahrzeug entfernen, ohne dass er es manuell einparken muss.

Die Technik ist bereits verfügbar – allein die Verkehrsregeln müssen noch angepasst werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik Republikaner nominieren Trump offiziell für die Präsidentschaftswahlen
15.07.2024

Die Republikaner haben Donald Trump offiziell als ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen nominiert. Trump erreichte beim...

DWN
Finanzen
Finanzen Ehegattensplitting: Paus fordert das Ende, Lindner-Ressort widerspricht
15.07.2024

Mit der geplanten Reform der Steuerklassen bereitet die Bundesregierung laut Familienministerin Lisa Paus das Ende des Ehegattensplittings...

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-Marktausblick: Attentat auf Donald Trump folgenlos – reguläre Wirtschaftsdaten bestimmen das Geschehen
15.07.2024

Auf den Anschlag auf US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump reagieren die Finanz- und Rohstoffmärkte gelassen. Inflationsdaten bleiben...

DWN
Politik
Politik Ulrich Schneider zum umstrittenen Bürgergeld: „Ohne Barmherzigkeit kann Solidarität sehr hart werden.“
15.07.2024

In der Öffentlichkeit wird über das Bürgergeld immer häufiger diskutiert. In Zeiten von Wirtschaftskrise und Aufrüstung erscheint es...

DWN
Politik
Politik Nach Trump-Attentat: Trump und Biden werben für Einheit
15.07.2024

Nach dem Attentat auf den Präsidentschaftsbewerber Donald Trump rufen sowohl der Republikaner als auch der demokratische Amtsinhaber Joe...

DWN
Panorama
Panorama Positive Bilanz der Sicherheitsbehörden nach der Fußball-EM
15.07.2024

Vor der Fußball-Europameisterschaft waren Bedenken bezüglich potenzieller Sicherheitsrisiken weit verbreitet. Nach Abschluss des Turniers...

DWN
Technologie
Technologie Start des größten Sanierungsprogramms seit Jahrzehnten: Deutsche Bahn startet Bauprogramm
15.07.2024

Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende und bei der Deutschen Bahn beginnt das größte Sanierungsprogramm für die Infrastruktur seit...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Ausblick: Trump-Attentat als Unterstützung für die Märkte?
15.07.2024

Trotz EZB-Sitzung am Donnerstag richten Anlegerinnen und Anleger ihr Augenmerk in dieser Woche auf die Berichtssaison. Analysten erwarten...