Kauf-Empfehlung: Online-Shops setzen auf Menschen statt Maschinen

 

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18.05.2015 13:33
Die persönliche Beratung hält Einzug in das Online-Shopping. Beim so genannten „Curated Shopping“ nehmen keine Algorithmen wie bei Amazon und Co. die Empfehlungen vor, sondern menschliche Experten. Für Mode und Bücher soll so eine individuelle Beratung wie im Laden möglich sein.
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Beim Online-Shopping zeichnet sich ein Trend ab, die persönliche Beratung aus dem Einzelhandel auch in die Internet-Shops zu integrieren. Bisher nutzen zwar erst 3,6 Prozent der Online-Shopper einen Curated-Shopping-Service. Jeder Fünfte kann sich jedoch gut vorstellen, zukünftig mithilfe eines persönlichen Beraters einzukaufen. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Studie, für die das ECC Köln monatlich rund 1.300 Online-Shopper befragt.

Beim Curated Shopping stellt ein Einkaufsberater nach den Wünschen und dem Geschmack des Kunden ein Paket zusammen. Artikel, die nicht gefallen, schickt der Kunde an den Händler zurück. Umgesetzt werden Curated-Shopping-Angebote aktuell vorwiegend in der Modebranche. Erste Angebote gibt es jedoch auch in der Wohn- oder Schmuck-Branche und auf dem Büchermarkt.

Auch Zalando präsentierte jüngst seine Curated-Shopping-Plattform Zalon. Die Style-Berater werden hier auf Profilseiten mit Videos und Texten vorgestellt, so dass sich jeder Kunde seinen Lieblings-Berater aussuchen kann. Der Großteil der mittlerweile 100 Berater wird als Freiberufler beschäftigt. „Da die Stylisten von überall aus arbeiten, können sie auf regionale Besonderheiten eingehen“, erklärte ein Zalando-Sprecher der Textilwirtschaft. „So können beispielsweise bayerische Stylisten Tipps für ein Oktoberfest-Outfit geben.“ Mit dieser Idee setzt sich Zalon auch von den Konkurrenten Outfittery und Modomoto ab, wo Kunden sich ihre Berater nicht selbst aussuchen können.

Mit MyBook kommt nun erstmals die Idee des „Curated Shoppings“ auch für Bücher nach Deutschland. Ausgewählte Buch-Experten liefern bei dem Berliner Startup MyBook auf Grundlage eines Fragebogens per E-Mail kostenlos Lese-Vorschläge für den eigenen Geschmack – oder als Geschenkidee für andere. Damit will das Unternehmen dem Branchenriesen Amazon den Kampf ansagen. Dieser empfiehlt Bücher nach einem vorgefertigten Algorithmus – und der richtet sich danach, was andere Nutzer gut finden.

In Deutschland erscheinen jährlich gut 80.000 Bücher. In dieser Flut ist es nahezu unmöglich, selbst den Überblick zu behalten. Und der klassische Buchhändler des Vertrauens, der mit wertvollen Buchtipps zur Seite steht, wird immer seltener. „Wir wollten den Buchhandel um die Ecke ins Internet bringen – 24/7 geöffnet und trotzdem individuell und sehr gut informiert“, so Geschäftsführerin Antonia Besse „und unseren Usern genau die Bücher empfehlen, die sie gern lesen – und nicht die, die andere gerne lesen“ merkt Besse mit Seitenhieb zum Versandriesen Amazon an.

Konkret erhalten MyBook-Leser persönliche Empfehlungen von echten Buchexperten. Dank eines kurzen Fragebogens erkennt das Team aus Buchhändlern, Literaturwissenschaftlern und ausgewählten Buchliebhabern die Persönlichkeit und Interessen des Lesers und schlägt im Anschluss mindestens drei Bücher aus bisher 4,5 Millionen Titeln vor. Die Bücher können anschließend im integrierten Shop bestellt werden.

Im Gründerszene-Interview sagt Antonia Besse, was den Unterschied ausmacht: „Über 1.000.000 E-Mails mit persönlichen Buchempfehlungen hat unser Team aus unabhängigen Buchexperten bereits verschickt – Tendenz steigend. Bei uns werden Bücher außerdem als das behandelt, was sie sind: Kulturgüter. Wir behandeln sie gut, sie werden hübsch verpackt und mit einem Lesezeichen versehen, bevor sie verschickt werden. Schon mal gesehen, wie das bei anderen Versandbuchhandlungen läuft? Eben. Wir wollen so etwas wie die sympathische Alternative zu Amazon werden.“

Damit wolle sie den Buchliebhabern das zurückgeben, was sie durch das Internet-Vertriebssystem verloren haben: Die persönliche und individuelle Beratung durch Experten. „Wir bringen mit MyBook quasi die Lieblingsbuchhandlung um die Ecke ins Internet.“ Den Verlagen will sie den direkten Kontakt mit Lesern vermitteln und so von ihnen lernen. „Mit MyBook wollten wir helfen, das Überangebot an Büchern zu sortieren und die für sich passenden Bücher zu finden. Nichts, was der gute Buchhändler nicht auch schon immer gemacht hätte.“

Disclosure: MyBook.de ist ein Unternehmen der Bonnier Verlags Gruppe.


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