Deutsche Behörde warnt vor Hacker-Angriffen auf Autos und Flugzeuge

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
08.05.2016 23:55
Das Bundesamt für IT-Sicherheit warnt vor zunehmender Sicherheitsgefährdung durch Hackerangriffe. Flugzeuge und Autos könnten demnach leichter manipuliert werden als Atomkraftwerke. Gleichzeitig häufen sich die Cyber-Angriffe auf deutsche Industriebetriebe und verursachen durch Datendiebstahl oder Sabotage jährlich Schäden von 22,4 Milliarden Euro.
Deutsche Behörde warnt vor Hacker-Angriffen auf Autos und Flugzeuge

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat vor Hackerangriffen auf Autos oder Flugzeuge gewarnt. „In den USA sind bereits Autos gehackt worden.“ Es sei nur noch ein kleiner Schritt, bis jemand versuche, Bremsen zu manipulieren. „Schwere Unfälle und Todesfälle wären dann möglich“, so der neue BSI-Präsident Arne Schönbohm der Welt. Damit nimmt die Behörde die Warnung der Pilotenvereinigung Cockpit auf: Diese sorgt sich ebenfalls um die IT-Sicherheit von Flugzeugen. Hacker könnten sich demnach zu leicht Zugriff auf die Bordcomputer verschaffen.

Schönbohm appellierte, die Gefahren durch den technischen Fortschritt ernst zu nehmen: „Wir dürfen nicht nur über Digitalisierung reden, sondern brauchen gleichzeitig auch ein Mindestmaß an Cybersicherheit“, sagte der BSI-Chef. Es gebe das Szenario, bei dem es in Europa nach einem Stromausfall dunkel werde. „Dass sich Hacker Zugang zu Atomreaktoren verschaffen und die zum Explodieren bringen, halte ich allerdings für Quatsch“, so Schönbohm noch am Wochenende.

Direkt nach der Warnung wurde jedoch bekannt, dass im bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen ist ein Computervirus entdeckt worden ist. Das Virus zielte darauf ab, ungewollte Verbindungen zum Internet herzustellen. Über den Urheber des Virus liegen noch keine Erkenntnisse vor. Insgesamt stellen nach Angaben des BSI-Präsidenten allerdings Smartphones das größte Sicherheitsrisiko dar. „96 Prozent aller Schadsoftware werden in das weit verbreitete Android-Betriebssystem eingeschleust mit dem Ziel, Daten zu stehlen und den Besitzer damit zu erpressen“, sagte Schönbohm.

Doch Hacker gefährden nicht nur die innere Sicherheit, sie richten auch großen finanziellen Schaden an: Jüngst wurde ein Angriff auf das globale Finanz-System Swift bekannt, der verheerende finanzielle Folgen haben könnte. Aktuell nehmen Cyber-Angriffe in der Wirtschaft stark zu: Die meisten deutschen Industriebetriebe sehen sich als Opfer von Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotage. 69 Prozent seien in den vergangenen zwei Jahren von solchen Delikten betroffen gewesen, geht aus einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 504 Unternehmen hervor. Bitkom-Berechnungen zufolge summiert sich der dadurch entstandene Schaden auf 22,4 Milliarden Euro pro Jahr - etwa durch Umsatzverluste durch Plagiate, Patentrechtsverletzungen, den Verlust von Wettbewerbsvorteilen sowie Kosten für Rechtsstreitigkeiten.

„Die deutsche Industrie mit ihren zahlreichen Hidden Champions ist ein attraktives Angriffsziel von Cyberkriminellen und ausländischen Nachrichtendiensten“, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Winfried Holz zum Start der Hannover Messe. Die Täter sind demnach in den meisten Fällen die eigenen Mitarbeiter. „Innentäter sind das größte Sicherheitsrisiko in der Wirtschaft“, sagte Holz. Die Unternehmen sollten daher eine Sicherheitskultur etablieren, die das Bewusstsein für den Schutz des Betriebes schärfe. Bitkom rät zur Verschlüsselung - von Netzwerkverbindungen, Datenträgern und bis hin zur elektronische Kommunikation per E-Mail.

Zu den meisten kriminellen Vorfälle kommt es in der Produktion und Fertigung. Die Angriffe richten sich häufig aber auch auf die Bereiche Lager und Logistik, die IT sowie auf Forschung und Entwicklung. „Mit der Digitalisierung der Produktion und der Vernetzung von Maschinen über das Internet entstehen neue Angriffsflächen“, sagte Holz. „Der Erfolg von Industrie 4.0 steht und fällt mit der Sicherheit der eingesetzten Systeme.“ Eine Basisabsicherung mit Virenscanner, Firewall und Passwort-Schutz für Geräte reiche längst nicht mehr. Zusätzlichen Schutz böten spezielle Systeme für die Erkennung und Abwehr von Angriffen, die Verschlüsselung sensibler Daten und erweiterte Verfahren der Benutzeridentifikation - wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung oder biometrische Merkmale wie Fingerabdruckscanner.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik SPD schliesst Sarrazin aus - weil sie keine besseren Argumente hat

Die SPD wirft Thilo Sarrazin aus der Partei. Mit den Thesen des umstrittenen Autors setzt sich die Parteiführung nicht auseinander -...

DWN
Politik
Politik Entscheidung gefallen: SPD schließt Sarrazin aus der Partei aus

Die SPD hat den ehemaligen Bundesbanker Thilo Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen.

DWN
Politik
Politik Nach Berliner Libyen-Konferenz: Wird die deutsche Außenpolitik ein Opfer ihres eigenen Erfolges?

Die von Deutschland initiierte Libyen-Konferenz war ein Erfolg. Doch hat sich die Bundesregierung damit selbst unter Zugzwang gesetzt. Denn...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz Iran-Konflikt: Saudi-Arabien zeichnet milliardenschwere Anleihen

Trotz der regionalen Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, hat Saudi-Arabien Anleihen im Wert von fünf Milliarden US-Dollar...

DWN
Deutschland
Deutschland Schon wieder Ärger: Jetzt muss Daimler auch das Absatzziel für Elektro-SUV kürzen

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Der Autobauer Daimler hatte gerade eine dritte Gewinnwarnung verkündet. Jetzt reduziert das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Lagarde lässt sich nicht beirren: Niedrigzinsen bleiben

Christine Lagarde hat eine strategische Überprüfung des EZB-Kurses angekündigt. In Sachen Geldpolitik bleibt jedoch unter der neuen...

DWN
Deutschland
Deutschland Umweltschützer fordern Erhöhung von Diesel-Preis um 53 Cent, Behörde um 70 Cent

Nach Vorstellungen des Umweltverbands BUND soll sich der Literpreis für Diesel bis 2030 um 53 Cent verteuern. Das Umweltbundesamt fordert...

DWN
Politik
Politik DWN aktuell: Al-Nusra tötet 40 syrische Soldaten, Armee muss sich zurückziehen

In der Provinz Idlib haben Söldner der al-Nusra-Front eine Offensive gegen die syrische Armee gestartet. Bei dem Angriff wurden 40...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutscher Ökonom appelliert an Europas Machthaber: Niedrigzinsen stoppen, Haushalts-Disziplin einhalten

Der deutsche Ökonom und Denkfabrik-Chef Daniel Gros richtet einen dringenden Appell an Europas Entscheider: Stoppt endlich die...

DWN
Politik
Politik Russland und Syrien führen gemeinsames Manöver im Mittelmeer durch

Im östlichen Mittelmeer haben Russland und Syrien ein Seemanöver durchgeführt.

DWN
Deutschland
Deutschland Präzisionswerkzeugbau bricht 2020 um sieben Prozent ein

Die deutschen Präzisionsmaschinenbauer werden dieses Jahr sieben Prozent weniger Umsatz machen.

DWN
Politik
Politik Ehemaliger deutscher EU-Diplomat soll für China spioniert haben

Ein ehemaliger deutscher EU-Diplomat soll Wirtschaftsspionage für China geleistet haben. Im Zuge der Ermittlungen fanden mehrere...

DWN
Politik
Politik Saudischer Kronprinz hackt Handy von Amazon-Chef Bezos

Der saudische Kronprinz Bin Salman hat offenbar das Handy von Amazon-Chef Bezos gehackt.

DWN
Unternehmen
Unternehmen USA liefern Überwachungs-Technologie an China

Diverse US-Technologieunternehmen versorgen China mit Technologien, um Peking die Überwachung von ethnischen Minderheiten zu erleichtern.

celtra_fin_Interscroller