Britischer Geheimdienst: 7.000 Terror-Verdächtige in Deutschland

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
23.12.2016 02:51
Der britische Geheimdienst MI6 will über Erkenntnisse verfügen, dass sich in Deutschland tausende Terror-Verdächtige befinden, die vom Staat nicht kontrolliert werden.
Britischer Geheimdienst: 7.000 Terror-Verdächtige in Deutschland

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der frühere Anti-Terror-Chef des britischen MI6, Richard Barrett, sagte dem Radiosender BBC 4, dass sich in Deutschland 7.000 Terrorverdächtige aufhalten. 550 seine „wirklich gefährliche Extremisten und potentielle Terroristen“. Barrett sagte, die hohe Zahl sei „für die deutschen Behörden nicht zu managen“. Die große Summe der gefährlichen Personen sei vom Staat nicht wirkungsvoll zu kontrollieren.

Den Briten liegt offenbar daran, den Deutschen ein ernstes Problem vor Augen zu führen. Ob die Aussagen eine faktische Grundlage haben, ist schwer zu beurteilen. Sehr oft verfolgen Geheimdienste keine neutrale Informationsabsicht, sondern wollen die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung lenken. Die Daily Mail zitiert einen anonymen deutschen Außenpolitiker, der gesagt haben soll, die „political correctness“ sei schuld an der Tatsache, dass der angebliche Attentäter von Berlin nicht abgeschoben worden sei. Auch der Nachrichtendienst Eurointelligence ereifert sich in seinem aktuellen Newsletter über die Tatsache, dass die Deutschen nach dem Lkw-Anschlag den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen hätten. Der Dienst kritisiert vor allem die Medien und verlangt, Medien dürften nicht auf offizielle Erklärungen warten, sondern müssten selbst investigativ herausfinden, was bei dem Anschlag von Berlin wirklich vor sich gegangen ist.

Tatsächlich ist nicht ansatzweise klar, ob der gesuchte Tunesier wirklich der Verantwortliche für den Anschlag ist. Am Donnerstag boten die Süddeutsche und die Bild-Zeitung Erklärungen, warum der Verdächtige seine Duldungspapiere im Lkw gelassen haben sollen: Beide Zeitungen sagen, es sein IS-Praxis, sich zu einer Tat zu bekennen – daher hätte der Attentäter seine Dokumente absichtlich hingelegt, um als Märtyrer in die Geschichte einzugehen. Die Bild-Zeitung bietet darüber hinaus noch eine interessante Erklärung an, warum der nicht ganz unerhebliche Fund der Papiere eines Mörders erst zwei Tage nach dem ersten Lokalaugenschein gemacht wurde. Der Lkw sei abtransportiert worden, um Hunden im Fahrerhaus auf Fährten anzusetzen. Die Ermittler hätten die Kabine nicht betreten, um nicht die Spür-Leistung der Hunde zu beeinträchtigen.

Am Donnerstag tauchte eine weitere seltsame Spur auf: "Es sind im Fahrerhaus Fingerabdrücke gefunden worden, und es gibt auch andere, zusätzliche Hinweise, die das nahelegen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Donnerstag nach einen Besuch der Bundeskriminalamtes (BKA) zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es ist allerdings unklar, warum die Ermittler keine Spuren am Lenkrad gefunden haben – wenn der Mann den tatsächlich wie von den Ermittlern behauptet, den Lkw in den Weihnachtsmarkt gesteuert hat.

Im Führerhaus des Lastwagens wollen die Ermittler eine Geldbörse mit einer Duldungsbescheinigung Amris gefunden haben, die auf die Spur des Tunesiers führte. Nach einem unbestätigten rbb-Bericht soll der Attentäter auf der Flucht auch sein Handy verloren haben. Das Bundeskriminalamt hat Bilder und eine Personenbeschreibung des 24-Jährigen veröffentlicht. Die Bundesanwaltschaft setzte eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Mannes führen. Bürger wurden gewarnt, er könnte gewalttätig und bewaffnet sein.

"Spiegel" und "Focus" berichteten übereinstimmend, der Tatverdächtige habe bereits vor Monaten Anschläge geplant. "Focus" meldete unter Berufung auf einen V-Mann des NRW-Landeskriminalamtes, Amri habe im Kreis um den Hassprediger Abu Walaa aus Hildesheim wiederholt von Attentatsplänen gesprochen. Monate zuvor habe die Gruppe versucht, der 24-Jährige nach Syrien zur Extremistenmiliz Islamischer Staat zu schleusen. Walaa sitzt mittlerweile in Haft.

Nach einem "Spiegel"-Bericht soll sich Amri in seiner "Telekommunikation" offenbar als Selbstmordattentäter angeboten haben. Allerdings seien die Äußerungen so verklausuliert gewesen, dass sie nicht für eine Festnahme gereicht hätten. Es ist unklar, warum man post festum glaubt, eine solche Ankündigung aus einer verklausulierten Botschaft herauslesen zu können.

Nach einem Bericht der "New York Times" war Amri auch den US-Behörden bekannt. Demnach soll er auf den amerikanischen Flugverbotslisten geführt werden. Zudem habe er über den Internetdienst Telegram mindestens einmal mit dem IS Kontakt aufgenommen und online den Bau von Sprengsätzen recherchiert.

Es ist unklar, warum der Mann, wenn er wirklich den Lkw gesteuert hat, das Fahrzeug nicht mit einem Sprengsatz beladen hatte, um die erhoffte Wirkung zu erzielen. Eine Explosion hätte ihm als Selbstmordattentäter die Reise zu den legendären Jungfrauen deutlich erleichtert.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundestag beschließt Erhöhung der Kfz-Steuer bei Autos mit hohem Spritverbrauch

Ab 2021 steigt für neue Autos mit hohem Spritverbrauch die Kfz-Steuer.

DWN
Finanzen
Finanzen Vor dem Hexensabbat: Dax tritt am Freitag auf der Stelle

Am Tag des sogenannten Hexensabbat herrscht vorerst Ruhe am deutschen Aktienmarkt. Die Börsen in Asien stiegen gestützt von...

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman: Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren

Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagt der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman, dass eine deutsch-russische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Massenentlassungen und Werksaufgaben: In Deutschlands Zuliefer-Industrie herrscht der Ausnahmezustand

Die Serie an Massenentlassungen und Werksschließungen in Deutschlands Zulieferindustrie setzt sich ungebremst fort. Die Lage ist...

DWN
Politik
Politik Neue Energie-Architektur in Nahost: Israel reaktiviert strategisch wichtige Pipeline

Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit mehreren Golf-Emiraten reaktiviert Israel eine strategisch wichtige Pipeline. Die...

DWN
Politik
Politik Grundsteuer-Chaos: Vermieter und Mieter müssen sich auf höhere Abgaben einstellen

Im Rahmen der Grundsteuer werden 36 Millionen Grundstücke und Häuser neu bewertet. Anschliessend wird die Steuer von den Vermietern auf...

DWN
Politik
Politik Die Mär vom „Sturm auf den Reichstag“ stinkt zum Himmel

Am 29. August fand kein „Sturm auf den Reichstag“, sondern eher eine groteske Inszenierung statt. Das Spektakel löste einen...

DWN
Politik
Politik DWN Aktuell: Wiesbadens Landwirten droht Enteignung - Entscheidung fällt heute

Die Stadt stellt Landwirte und andere Grundbesitzer vor die Wahl: Verkauf zum Spottpreis oder Enteignung.

DWN
Politik
Politik CSU-Urgestein Waigel: „Wer am rechten Rand punkten will, verliert in der Mitte“

Der ehemalige CSU-Chef Theo Waigel hatte die Union vor wenigen Monaten vor einem Rechtskurs gewarnt. „Die Geschichte zeigt, wer am...

DWN
Politik
Politik Polen bleibt eine Erfolgsgeschichte für Europa – trotz ständiger Querelen

Als größtes östliches Nachbarland Deutschlands macht Polen politisch gesehen eher negative Schlagzeilen. Doch wirtschaftlich hat das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Notenbank hebt Konjunkturprognose an, Leitzins soll bis 2023 niedrig bleiben

Die US-Notenbank verspricht langfristig niedrige Zinsen. Damit sollen die Folgen der Corona-Pandemie überwunden werden. Die Zentralbank...

DWN
Politik
Politik Russlands Top-Spion: USA finanzieren Proteste in Weißrussland mit 20 Millionen Dollar

Der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR erklärte, Washington habe etwa 20 Millionen US-Dollar für die Durchführung...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Hedgefonds-Veteran: Finanzkrise in der Türkei wird nach Europa überschwappen

Die eskalierende Finanzkrise in der Türkei wird an einigen europäischen Banken nicht spurlos vorbeigehen, sagen Spekulanten.

DWN
Deutschland
Deutschland Kampf gegen Steuerbetrug: Ladenkassen müssen bis zum 30. September umgestellt werden

Ende September müssen Händler ihre Ladenkassen mit Sicherheitsvorkehrungen umstellen. Hunderttausende Kassen in Deutschland müssen...

celtra_fin_Interscroller