Technologie

Delivery Hero mit erfolgreichem Börsengang

Lesezeit: 2 min
30.06.2017 23:48
Delivery Hero hat einen erfolgreichen Börsengang geschafft.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ein Kurier lieferte die große Glocke in der typischen roten Delivery-Hero-Kiste im Börsensaal ab - ohne Fahrrad zwar, aber doch pünktlich zum Debüt des Essens-Lieferdienstes am Aktienmarkt. Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg und 100 Mitarbeiter machten den bisher größten Börsengang dieses Jahres in Deutschland am Freitag zur Show. Rot-weißer Flitter regnete auf das Parkett, als der erste Kurs auf der Kurstafel aufleuchtete: 26,90 Euro, 5,5 Prozent über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. Investoren, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, trieben die Aktie bis zum Handelsschluss auf 27,80 Euro, ein Plus von neun Prozent.

Das sechs Jahre alte Unternehmen ("Lieferheld", "Foodora", "Pizza.de") ist damit an der Börse 4,8 Milliarden Euro wert. Dabei schreibt Delivery Hero noch tiefrote Zahlen. "Wir sehen, wie wir in immer mehr Märkten profitabel werden", sagte Östberg der Nachrichtenagentur Reuters. Die Firma ist in rund 40 Ländern vertreten, in Deutschland vor allem in Großstädten. Im nächsten Jahr will er die Gewinnschwelle erreichen, 2019 soll die Firma schwarze Zahlen schreiben. Die 483 Millionen Euro, die Delivery Hero selbst mit der Emission einnimmt, fließen vor allem in die Tilgung von gut 300 Millionen Euro Schulden. "Wir wollen uns künftig primär mit Eigenkapital finanzieren", erklärte der 37-Jährige, der seine beiden Kinder mit aufs Parkett genommen hatte.

Der größte Delivery-Hero-Aktionär Rocket Internet kassiert mit dem Börsengang bis zu 264 Millionen Euro und lässt seine Beteiligung auf 25,7 (35,7) Prozent abschmelzen, knapp 23 Prozent sind im Streubesitz. Der südafrikanische Technologie-Investor Naspers hält weiter knapp elf Prozent.

"Einhörner" werden in der Startup-Szene junge Unternehmen wie Delivery Hero genannt, die auf eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro kommen - weil es so wenige davon gibt. Die Aktien waren auf reißenden Absatz gestoßen. Sie wurden am oberen Ende der Preisspanne ausgegeben. Die 996 Millionen Euro schwere Emission sei 16-fach überzeichnet gewesen, sagten Insider. 40 Prozent der Zeichner gingen leer aus. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hofft auf Nachahmer: "Der Börsengang ist ein gutes Signal für die Startup-Szene."

Draußen vor der Tür posierten Östberg und seine Manager ausgelassen vor den Bronze-Skulpturen von Bulle und Bär für die Kameras. "Wir haben es geschafft", rief der Schwede. Die Pappwand mit dem Delivery-Hero-Logo, die hinter den Symbolen für das Auf und Ab an den Märkten aufgebaut war, mussten allerdings acht Mitarbeiter festhalten. Sie drohe im Wind umzufallen, erklärte einer von ihnen.

Nicht alle Börsenkandidaten aus der Branche kommen an. Der holprige Börsenstart des US-Lieferdienstes Blue Apron an der New Yorker Börse am Donnerstag ist ein Alarmzeichen für den deutschen Rivalen Hellofresh, der eigentlich im Windschatten von Delivery Hero im Herbst an die Börse gehen wollte. Am Freitag stürzte die Blue-Apron-Aktie um 4,4 Prozent ab und notiert unter dem Ausgabepreis. Anleger reagieren verschreckt auf den Einstieg des Internet-Riesen Amazon in den Markt für frische Lebensmittel durch die Übernahme des Bio-Einzelhändlers Whole Foods. Er könnte den Startups das Wasser abgraben. Hellofresh und Blue Apron liefern die Zutaten für Rezepte zum Selberkochen ins Haus, während Delivery Hero Mahlzeiten aus Restaurants ausfährt.


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Kommt die Vermögenssteuer? Der deutsche Staat braucht Geld
18.07.2024

Wiedereinführung der Vermögenssteuer? Frankreichs Linke nimmt die Reichsten ins Visier. Einige überlegen bereits, das Land zu verlassen....

DWN
Politik
Politik Stunde der Wahrheit für Ursula von der Leyen: Wiederwahl auf Messers Schneide
17.07.2024

Ursula von der Leyen hofft auf Wiederwahl als Präsidentin der EU-Kommission. Am Donnerstag schlägt in Brüssel ihre Stunde der Wahrheit....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Seltene Erden aus Monazit: Hoffnungsträger für die Versorgung mit Schlüsselmetallen
17.07.2024

Die deutsche Rohstoffbehörde BGR weist in einer neuen Studie auf das Potenzial von Monazit für die Versorgung mit den chronisch knappen...

DWN
Politik
Politik Covid-Impfstoff: EU-Kommission hielt wichtige Informationen zurück
17.07.2024

Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen hat laut einem Urteil des EU-Gerichts gegen das EU-Recht verstoßen, indem sie Informationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundeshaushalt 2025: Wofür die Ampel im nächsten Jahr Geld ausgeben will
17.07.2024

Lange wurde verhandelt, jetzt ist der Bundestag am Zug. Die meisten Ministerien bekommen mehr Geld, als der Finanzminister geben wollte....

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien: Warum Investoren abwarten
17.07.2024

Niedrige Zinsen haben die Investoren in den vergangenen Jahren vermehrt dazu bewegt, in Wohnimmobilien zu investieren statt in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand sieht erhebliche Kostensteigerungen
17.07.2024

KfW-Befragung: Deutschlands Mittelstand erwartet höhere Kosten: 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen rechnen mit Mehrbelastungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hackerangriffe nehmen zu: Deutsche unterschätzen Cyberkriminalität!
17.07.2024

Trotz alarmierender Bedrohungslage im Cyberraum und einer Zunahme von Hackerangriffen steigt die Unbesorgtheit der Deutschen – laut...