Wirtschaft

Cernavoda: Rumänien schaltet AKW wegen Wassermangel ab

Die Donau führt so wenig Wasser, dass Rumänien sein wichtigstes Atomkraftwerk komplett abschalten muss. Eine spektakuläre Rettungsaktion mit einer Felsensprengung konnte den Betrieb nur wenige Tage verlängern.
13.08.2026 10:08
Aktualisiert: 13.08.2026 10:08
Lesezeit: 1 min
Cernavoda: Rumänien schaltet AKW wegen Wassermangel ab
Die rumänische Marine zündete Anfang August Unterwassersprengstoff im Rahmen einer kontrollierten Sprengung von unter Wasser liegenden Felsen, um angesichts des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands der Donau die Wasserzufuhr zum Kernkraftwerk Cernavoda zu verbessern. (Foto: dpa) Foto: Andreea Alexandru

Niedrige Donau: Rumänien schaltet AKW Cernavoda komplett ab

Wegen des zu niedrigen Wasserstands der Donau schaltet Rumänien das Kernkraftwerk Cernavoda komplett ab. Wie das Energieministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax mitteilte, wird nun auch der zweite Reaktor heruntergefahren. Ende Juli war bereits der erste Reaktorblock wegen mangelnden Kühlwassers abgeschaltet worden. Etwa ab 10.00 Uhr MEZ soll die Totalabschaltung abgeschlossen sein. Das AKW liegt im Osten des Landes an einem Donau-Arm und deckt normalerweise 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Sein gesamtes Kühlwasser bezieht es aus dem Fluss.

Im schlimmsten Fall werde die Stromzufuhr für Großverbraucher aus der Industrie eingeschränkt, sagte Cristian Busoi, Staatssekretär im Energieministerium, nach Angaben von Mediafax. Eine erst kürzlich erlassene Regierungsverordnung erlaubt diesen Schritt. Für die Bevölkerung werde die Abschaltung keine Folgen haben. Früheren Berichten zufolge verhandelt Rumänien mit den Nachbarländern Ukraine und Bulgarien über Strom-Importe.

Umleitung von Donauwasser durch Felsen-Sprengung reicht nicht

Erst vor zehn Tagen hatte Rumänien versucht, durch die Sprengung eines Felsens in der Donau mehr Wasser nach Cernavoda zu leiten. An einer Gabelung zweier Donau-Arme, 50 Kilometer flussaufwärts nahe dem Ort Izvoarele, ließ die Armee den Felsen sprengen, sodass mehr Wasser in den Donauarm floss, der Cernavoda versorgt.

Zudem wurden Geröllmengen aus vier Lastkähnen an einer anderen Stelle am Ufer versenkt, um den Wasserzufluss besser zu steuern. Danach stieg der Wasserstand bei Cernavoda geringfügig, sodass der Betrieb des zweiten Reaktors um einige Tage verlängert werden konnte, erklärte Verteidigungsminister Radu Miruta. Für eine längerfristige Versorgung des AKW mit Wasser reichte die Operation jedoch nicht aus.

Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden Strom. Der erste Reaktor vom kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite im Jahr 2007.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Politik
Politik Bahn, Kredite, Weihnachtsmarkt – was sich im November ändert
01.11.2026

Für Familien wird eine ICE-Fahrt mit der Bahn zum Pauschalpreis dauerhaft angeboten. Was sich im neuen Monat außerdem bei kleinen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Halten Sie in Europa Ausschau nach Finanz-, Infrastruktur- und Industrietiteln
01.11.2026

Der Gewinner der letzten Monate ist nicht die Technologiebranche, sondern das Gesundheitswesen. US-Gesundheitsaktien haben den S&P 500 in...

DWN
Finanzen
Finanzen Jetzt juckt es mich beim Anthropics-IPO in den Fingern
01.11.2026

Als ich vor einem Monat darüber schrieb, warum ich derzeit nicht in Anthropic investieren möchte, waren meine wichtigsten Argumente der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...