Nahverkehr: Deutsche Elektrobusse sind nicht wirtschaftlich einsetzbar

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
13.04.2019 17:51
Die deutschen Nahverkehrsbetriebe kaufen kaum Elektrobusse. Der Grund dafür ist einfach – diese sind in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich.
Nahverkehr: Deutsche Elektrobusse sind nicht wirtschaftlich einsetzbar

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet über die geringe Zahl von Elektrobussen in deutschen Städten:

Festhalten, bitte! Schaltet der Busfahrer einen Gang hoch, gerät man auf den Stehplätzen schon mal ins Wanken. Das wird wohl niemand vermissen, wenn eines Tages Elektrobusse fahren. Sie beschleunigen stufenlos, ohne Schalten. Die entscheidenden Gründe für den E-Bus sind aber andere: weniger Schadstoffe, bessere Luft in Städten und mehr Klimaschutz. Doch warum gibt es sie dann kaum? Auch Jahre nach den ersten Testfahrten sind Elektrobusse auf deutschen Straßen eine Rarität - während etwa im chinesischen Shenzhen sämtliche Busse elektrisch unterwegs sind.

«Emissionsfrei in die Zukunft» und «Ihre Stadt atmet auf» - auf der Fachmesse Bus2Bus in Berlin sind die Verheißungen jedenfalls groß. Batteriebetrieben surrt ein Pendelbus übers Gelände, in den Hallen gleichen Einkäufer Daten ab: Reichweite, Ladezyklen, Garantie. Busse mit Batteriebetrieb stehen voll im Blickpunkt. Eine Firma verspricht den «schnellen Einstieg in die Elektromobilität».

Doch schnell ist anders. Noch immer ist das Angebot klein, die Lieferzeiten lang, die Stückzahlen gering. «Es ist ein bisschen wie Trabbi oder Wartburg kaufen.» Dieser Seufzer stammt aus der Chefetage eines großen Nahverkehrsbetriebs - ein Rückblick auf jahrelange Lieferzeiten von Neuwagen in der DDR.

«Heute gibt es 1500 Elektrobusse in Europa», sagt Thibaut Müller, Verkehrsexperte der Beratungsgesellschaft McKinsey. «In China war das 2011 der Fall.» Heute seien es dort 380 000. Jeder vierte in Europa verkaufte E-Bus kommt aus China.

In Deutschland sind nach Branchenangaben erst rund 100 von 35 000 Bussen voll elektrisch unterwegs. «Wir brauchen jetzt was zum Greifen», fordert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). «Viele sind noch in der Studienphase, das ist leider ein bisschen spät.» Dabei gibt es Förderung. Bis zu 80 Prozent der Mehrkosten übernimmt der Bund. Die Hersteller müssten Tempo machen, fordert Scheuer.

Denn die Ziele sind ehrgeizig: Berlin und München etwa wollen bis 2030 nur noch oder weitgehend Elektrobusse in den Stadtverkehr schicken. Warum sie nur zögerlich kaufen? Es ist wie beim E-Auto: Es geht um Preis und Reichweite.

«Wir sind darauf angewiesen, dass E-Busse von der Industrie kommen, die wirtschaftlich betrieben werden können und die eine ausreichende Reichweite haben», sagt der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Ingo Wortmann. Chinesische Modelle seien oft noch nicht ausgereift, heißt es beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Ein Elektrobus kostet schnell zwei- bis dreimal so viel wie ein Diesel. Herkömmliche Fahrzeuge fahren 300 bis 400 Kilometer pro Tag - E-Busse schaffen eher 200. Auch in Shenzhen führen die meisten Busse nur als Zubringer zur U-Bahn und damit überwiegend kurze Strecken, heißt es bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Im Netz Berlins müssten Ladepunkte eingerichtet und teils auch Betriebshöfe verlegt werden.

Dabei stehen die Verkehrsunternehmen der Städte ohnehin unter Druck: Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen sind voll wie nie, Milliarden sind nötig für neue Strecken, Haltestellen und Fahrzeuge. Die Betriebe setzen dabei bislang vor allem auf Euro-6-Diesel, die verfügbar und günstig sind und deutlich weniger Schadstoffe ausstoßen als ältere Modelle. «Der Diesel ist nicht tot, er ist eigentlich die Lösung», sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

Lange Strecken sind im Bus ohnehin nur mit Diesel zu machen. Flixbus testet einen E-Bus aus China im regulären Betrieb - aber zwischen Frankfurt und Mannheim. Das sind gut 80 Kilometer. «Wir sehen schon noch Qualitätsunterschiede zwischen den Herstellern», sagt Geschäftsführer André Schwämmlein. Auch in Frankreich hat das Unternehmen einen Bus aus China im Test.

Bei 200 bis 300 Kilometern Reichweite sei ein Batterieantrieb auch im Fernbus sinnvoll, sagt Schwämmlein, etwa für Strecken wie Berlin-Dresden. Dem höheren Preis stünden Förderung und Einsparungen im Betrieb entgegen, ist er überzeugt: «Man kann das schon schaffen.»



DWN
Politik
Politik Deutschlands neue Machtpolitik: Kooperation oder Hegemonie?

Die DWN sprachen mit dem geopolitischen Experten und Buchautor Erhard Crome über Deutschlands außenpolitische Ambitionen, sein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Virus: Russisches Importverbot für Kaviar lässt Preise explodieren

Kaviar gilt zwar als klassisches russisches Produkt, Weltmarktführer ist jedoch China, das die für die Produktion notwendigen Störe in...

DWN
Finanzen
Finanzen Helikopter-Geld: Hongkong gibt jedem Einwohner 1200 Euro

Die Regierung in Hongkong gibt den Einwohnern finanzielle Hilfe, um die wirtschaftlichen Einbußen infolge der monatelangen Proteste und...

DWN
Deutschland
Deutschland Verfassungsgericht kippt Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe

Mit dem neuen Paragrafen 217 im Strafgesetzbuch wollte die Politik professionellen Sterbehelfern das Handwerk legen. Aber das geht...

DWN
Politik
Politik USA simulieren russischen Atomschlag auf Europa

Das Pentagon hat im Rahmen eines Kriegsspiels einen russischen Atomschlag auf Europa mit einer unverzüglichen atomaren Antwort der USA...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Italien fürchtet durch die Viruskrise Sturz in die Rezession

Die Krise um den Ausbruch des Coronavirus in der Lombardei könnte die gesamte italienische Wirtschaft anstecken.

DWN
Panorama
Panorama Südamerika: Hier sind deutsche Auswanderer wirklich willkommen

Südamerika ist schon seit Jahrhunderten ein Ziel für deutsche Auswanderer auf der Flucht vor Armut oder Verfolgung. Da sie sich in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Die geopolitische Verunsicherung ist Wasser auf den Gold-Mühlen

Mager-Zinsen, eine angeschlagene geopolitische Lage, ein schwacher Euro und jetzt auch noch eine viral geschwächte Weltwirtschaft: All...

DWN
Deutschland
Deutschland DWN-Recherche: Das Wettbüro-Video des Attentäters von Hanau in voller Länge

Ein über 47-minütiges Video, das den Attentäter von Hanau in einem Wettbüro zeigt, ist aufgetaucht. Sie können das Video exklusiv...

DWN
Politik
Politik DWN Exklusiv: Zugang nach Idlib gefallen - jetzt hat Erdogans Armee freie Bahn

Die von der Türkei unterstützte Syrische Nationale Armee hat eine enorm wichtige Ortschaft erobert. Das bedeutet einen gewaltigen...

DWN
Panorama
Panorama Iran: Vize-Gesundheitsminister infiziert sich mit dem Corona-Virus

Der iranische Vize-Gesundheitsminister und ein iranischer Abgeordneter haben sich mit dem Corona-Virus infiziert.

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Goldpreis steigt von Rekordhoch zu Rekordhoch

Nach einem starken Zugewinn in den letzten Handelstagen hat der Goldpreis seit Jahresbeginn insgesamt schon um mehr als 11 Prozent zulegt....

DWN
Finanzen
Finanzen Plötzlicher massiver Gold-Abfluss aus Großbritannien wirft Fragen auf

In den beiden letzten Monaten des vergangenen Jahres registrierten die britischen Behörden massive Exporte von Edelmetallen ins Ausland....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Von Bio-Kampfstoffen ausgelöst? Corona-Virus könnte sich zur globalen Epidemie ausweiten

DWN-Korrespondent Michael Bernegger hat - mit gewohnter Gründlichkeit - die neuesten Entwicklungen im Fall "Corona-Virus" analysiert....

celtra_fin_Interscroller