Britische und deutsche Geheimdienste haben Trump-Mitarbeiter zufällig abgehört

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
14.04.2017 03:07
Britische und deutsche Geheimdienste haben Trump-Mitarbeiter zufällig abgehört.
Britische und deutsche Geheimdienste haben Trump-Mitarbeiter zufällig abgehört

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

[vzaar id="9882116" width="600" height="338"]

Britische und andere europäische Geheimdienste haben laut CNN die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern von Donald Trump und russischen Staatsbürgern und anderen russischen Personen während der Wahl-Kampagne abgefangen und diese Mitteilungen an ihre US-Pendants, US-Kongress- und Strafverfolgungsbehörden und US- und europäische Geheimdienste weitergegeben.

Diese Enthüllung ist bemerkenswert, weil CNN Trump extrem feindselig gegenübersteht. Trump hatte CNN mehrfach explizit als "fake news" beschimpft. Die Tatsache, dass CNN darüber berichtet, ist auch von Bedeutung, weil CNN exzellente Kontakte zu den Geheimdiensten unterhält und die Information daher eine hohe Glaubwürdigkeit hat.

Die Kommunikation wurde während der routinemäßigen Überwachung der russischen Beamten und anderer Russen, die den westlichen Geheimdiensten bekannt waren, erfasst. Die britischen und europäischen Geheimdienste, darunter GCHQ, der für die Kommunikationsüberwachung zuständige britische Geheimdienst, waren nicht proaktiv auf Mitglieder des Trump-Teams angesetzt, sondern nahmen diese Kommunikationen in der sogenannten "zufälligen Sammlung" auf.

Die europäischen Geheimdienste haben die Kommunikation zwischen den Trump-Mitarbeitern und den russischen Einzelpersonen laut CNN über mehrere Monate lang überwacht und die Ergebnisse dann an die USA weitergegeben. Die USA und Großbritannien sind Teil der sogenannten "Five Eyes"-Vereinbarung (zusammen mit Kanada, Australien und Neuseeland), die einen Austausch der Geheimdienst-Erkenntnisse der Mitgliedsländer praktiziert.

CNN erwartet, dass sich auch der Geheimdienstausschuss des Senats mit dem Thema beschäftigen wird: "Wenn ausländische Geheimdienste Informationen mit der US-Geheimdiensten teilen, und es ist für die Untersuchung relevant, dann wird natürlich der Geheimdienstausschuss es anschauen," sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Senatsuntersuchung laut CNN.

Die GCHQ-Überwachung wurde erstmals öffentlich, als Trump behauptete, dass US-Präsident Barack Obama ihn im Trump-Tower habe Abhören lassen. Später wurde diese Aussage von Fox News bestätigt, die sich auf eigene Quellen in den Diensten bezogen.

Trump-Sprecher Sean Spicer wiederholte Trump's Behauptung und zitierte die Fox News-Berichterstattung über die Überwachung von GCHQ bei seiner Routine-Pressekonferenz: "Richter Andrew Napolitano hat die folgende Aussage gemacht: Drei Quellen aus den Geheimdiensten haben Fox News mitgeteilt, dass Präsident Obama außerhalb der Befehlskette ging (um Trump auszuspionieren). Er hat nicht die NSA benutzt, er hat nicht die CIA benutzt, der hat nicht das Justizministerium benutzt, er hat GCHQ benutzt." (siehe Videos)

Diese Kommentare hatten die Briten alarmiert. Der GHCHQ sagte, die Behauptungen seien Unsinn, sie sind völlig lächerlich und sollten ignoriert werden."

Napolitano tauchte nach der GHCQ-Attacke für einige Tage ab, kehrte aber wieder auf den Bildschirm zurück - und wiederholte seine Informationen, die jetzt vom Fox-Rivalen CNN bestätigt werden.

Der Vorsitzende des Ausschusses Nunes hatte bereits vor einigen Tagen bestätigt, ebenfalls Erkenntnisse über eine sogenannte "zufällige" Überwachung erhalten zu haben.

Der britische Geheimdienst GCHQ hat die CIA offenbar schon sehr früh über Kontakten zwischen dem Wahlkampfteam des späteren US-Präsidenten Donald Trumps und russischen Agenten informiert. Das berichtete der Guardian am Donnerstag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach gewannen die Briten bereits Ende 2015 "zufällig" Informationen über "verdächtige Beziehungen zwischen Mitgliedern des Trump-Wahlkampfteams und mutmaßlichen russischen Geheimagenten". Auch der Guardian steht Trump feindselig gegenüber, hat jedoch exzellente Kontakte zu den britischen Geheimdiensten.

"Es gibt Kontakte zwischen Leuten, die Trump nahestehen und russischen Geheimagenten. Sie sollten wachsam sein" - mit dieser Botschaft habe sich der GCHQ an den US-Geheimdienst CIA und die Bundespolizei FBI gewandt, schreibt der Guardian. Die Warnungen seien aber zunächst nicht ernst genommen worden. Der Guardian berichtet, dass neben den Briten auch Deutschland, Polen, Estland und Australien elektronische Informationen über "Trumps inneren Zirkel und die Russen" an die US-Geheimdienste weitergegeben haben. Auch die Niederlande und Frankreich sollen ihre Spitzel-Berichte an die US-Dienste weitergeleitet haben.

Der Bericht des Guardian ist sehr aufschlussreich: Demnach hätten nämlich die Europäer die US-Dienste gedrängt, sich der Sache schnellstens anzunehmen. Die US-Dienste, das FBI und die CIA, hätten jedoch "geschlafen", weshalb die Untersuchungen (FISA) erst nach dem Wahlsieg durch FBI-Direktor Comey eingeleitet worden seien. Im Sommer 2016 soll GCHQ-Chef Robert Hannigan schließlich persönlich Material an CIA-Direktor John Brennan übergeben haben. Erst dann sei in den USA ermittelt worden.

Ob Bundeskanzlerin Merkel über den Vorgang informiert gewesen ist, ist nicht bekannt. Das erste Treffen zwischen Trump und Merkel war ausgesprochen frostig verlaufen.  Trump hatte bei der gemeinsamen Pressekonferenz noch gescherzt, dass Obama ihn und Merkel hatte abhören lassen. Es ist unklar, ob Trumps barsches Verhalten gegenüber Merkel darauf zurückzuführen ist, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass auch deutsche Dienste Informationen über seinen inneren Zirkel an die CIA und das FBI weitergegeben hatten.

Interessant: So redselig der GCHQ bei der Attacke gegen Spicer war, so zugeknöpft gibt er sich jetzt. Der Geheimdienst sagte dem Guardian, dass man sich zu Geheimdienstthemen prinzipiell nicht öffentlich äußere.


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Zukunft des Bankensystems ungewiss?

Unser Partner MTS Money Transfer System informiert

DWN
Politik
Politik Paukenschlag: FBI ermittelt gegen die Antifa wegen Terrorismus

US-Generalstaatsanwalt William P. Barr hat verkündet, dass das FBI und die Generalstaatsanwaltschaft gegen die Antifa aufgrund des...

DWN
Politik
Politik Golfstaaten erleben die schlimmste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte

Die Golfstaaten stehen vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Der Petro-Dollar wirkt aufgrund des Ölpreisverfalls nicht mehr. Die Saudis hatten...

DWN
Politik
Politik Sachsen: CDU gegen Erhöhung von GEZ-Gebühren, SPD und Grüne dafür

Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt lehnt eine Erhöhung der GEZ-Gebühren, die mittlerweile Rundfunkgebühren genannt werden, ab. Doch die...

DWN
Technologie
Technologie Versorgungs-Sicherheit: Deutschlands Bauern setzen auf Digitalisierung ihrer Ernte-Maschinen

Die Bauern haben zahlreiche Probleme - beispielsweise dürfte die Getreide-Ernte Prognosen zufolge in der kommenden Saison zurückgehen....

DWN
Politik
Politik Militäreinsatz im Inland: Pentagon erteilt Trump eine Absage

Beamte des US-Verteidigungsministeriums sagen, dass ein Militäreinsatz im Inland zur Niederschlagung der Proteste nicht in Frage komme....

DWN
Politik
Politik Droht in den USA ein gewaltsamer Umsturz?

Eine renommierte US-Moderatorin meint, dass die gewaltsamen Proteste in den USA ausschließlich auf den Sturz der Trump-Regierung abzielen...

DWN
Politik
Politik Anti-Hass-Gesetz: Facebook und Twitter müssen IP-Adressen dem BKA melden

Dem „Gesetz gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität“ zufolge müssen Twitter und Facebook strafbare Inhalte künftig dem BKA...

DWN
Politik
Politik Grenell tritt als US-Botschafter in Deutschland zurück

Zwei Jahre war Richard Grenell der wichtigste Mann von US-Präsident Donald Trump in Europa. Jetzt hat er seinen Posten als US-Botschafter...

DWN
Politik
Politik China meldet: Millionen Menschen in Wuhan getestet, kaum noch Corona-Infizierte

Wuhan gilt als Ursprungsort der Pandemie mit dem Coronavirus. In der chinesischen Metropole gab es die meisten Infektionen und Toten in...

DWN
Politik
Politik Corona: Massenausbruch in Göttingen, alle Schulen werden geschlossen

In Göttingen werden alle Schulen wegen eines Massenausbruchs des Coronavirus geschlossen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa braucht zeitweise den Vater Staat, aber keinen langfristigen Übervater

Es ist völlig in Ordnung, wenn Vater Staat verhindert, dass die Lufthansa flügellahm wird. Doch problematisch wird es, wenn der Staat...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 US-Dollar

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist am Dienstag über 10.000 US-Dollar gestiegen.

DWN
Finanzen
Finanzen Golfstaaten stehen vor dem Bankrott: Oman kann kaum noch seine Stromrechnung bezahlen

Der Oman hat sowohl seine Wasser- als auch sein Stromrechnung aus finanziellen Gründen mit Verspätung beglichen.

DWN
Politik
Politik Stilles Gedenken in Nordhessen an Lübckes Todestag

Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Kreis Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden....

celtra_fin_Interscroller