Politik

Syrien: 440.000 Vertriebene kehren in befreite Gebiete zurück

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR meldet einen signifikanten Anstieg der Rückkehrer nach Syrien
01.07.2017 00:19
Lesezeit: 2 min

UNHCR-Sprecher Andrej Mahecic hat am Freitag mitgeteilt, dass es eine starke Rückkehrbewegung in und nach Syrien gibt. Die Rückkehr ist auch ein Erfolg der von Russland vermittelten Konferenz in Astana. Eine Aufhebung der drastischen EU-Sanktionen gegen das Land fordert die Organisation allerdings nicht. Die Sanktionen treffen vor allem die Bevölkerung und behindern den Wiederaufbau. Dieser liegt vor allem in den Händen der Frauen in Syrien.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Sowohl aus dem Ausland als auch innerhalb Syriens kehren, trotz des anhaltenden Konflikts, immer mehr Menschen in ihre Heimat zurück.

Hilfsorganisationen schätzen, dass innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres mehr als 440.000 Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht waren, in ihr Zuhause nach Syrien zurückgekehrt sind. Gleichzeitig stellt UNHCR fest, dass 2017 bereits über 31.000 syrische Flüchtlinge aus den angrenzenden Nachbarländern nach Syrien zurückgekehrt sind. Seit 2015 sind insgesamt circa 260.000 syrische Flüchtlinge, meist aus der Türkei, in den Norden Syriens zurückgekehrt.

Der Hauptgrund für die Entscheidung nach Aleppo, Hama, Homs und Damaskus und andere Städte zurückzugehen, ist zumeist der Wunsch nach einem Wiedersehen mit der Familie, die Klärung der Besitzverhältnisse und in manchen Fällen spielt eine echte oder wahrgenommene Verbesserung der Lebensumstände in Teilen des Landes.

Angesichts der gestiegenen Zahl an Rückkehrern sowohl von Binnenvertriebenen als auch von Flüchtlingen, hat UNHCR begonnen, seine operativen Kapazitäten innerhalb Syriens aufzustocken. Um adäquat auf die Bedürfnisse von Binnenvertriebenen eingehen zu können, wird UNHCR die Maßnahmen zum Schutz der Vertriebenen sowie im humanitären Bereich ausweiten. Der Fokus wird dabei auf der Bereitstellung von Schutz- und Hilfsleistungen, der Verbesserung der Bedingungen in den Unterkünften und der Hilfe beim Wiederaufbau essenzieller Infrastruktur liegen. Dabei wird auf eine enge Zusammenarbeit mit den Partnern von UNHCR gesetzt.

Außerhalb Syriens wird UNHCR die Präsenz an den Grenzübergängen erhöhen, um zu prüfen, ob die Flüchtlinge tatsächlich freiwillig zurückkehren.

Obwohl aufgrund der Friedensgespräche in Astana und Genf Hoffnung besteht, dass sich die Lage in Syrien verbessert, geht UNHCR davon aus, dass die Bedingungen für eine sichere Rückkehr noch nicht gegeben sind. Zwar gibt es verbesserte Sicherheitsmaßnahmen, wie nachhaltig diese sind, hat sich aber noch nicht erwiesen. In weiten Teilen des Landes ist eine sichere Rückkehr noch immer mit großen Risiken verbunden. Der Zugang zu Binnenvertriebenen innerhalb Syriens ist nach wie vor eine Herausforderung, da Hilfskonvois keinen regelmäßigen Zugang zu betroffenen Gebieten haben.

Weitere Herausforderungen für Flüchtlinge und Binnenvertriebene, die nach Syrien zurückkehren wollen, sind ein geringer Lebensunterhalt, Wasser- und Nahrungsknappheit, sporadische oder nicht-vorhandene Gesundheitsversorgung sowie kein Zugang zu anderen grundlegenden sozialen Leistungen. Viele Schulen in Syrien wurden beschädigt oder zerstört und können aus diesem Grund den Kindern keine Ausbildung bieten.

UNHCR wird zwar mit seinen Partnern zusammenarbeiten, um die Umstände in den zugänglichen Teilen Syriens zu verbessern, von der Rückkehr nach Syrien aus den Aufnahmeländern rät UNHCR zu diesem Zeitpunkt aber noch ab.

Für die fünf Millionen Flüchtlinge, die in der Region Zuflucht gefunden haben, müssen die Hilfsprogramme in den Aufnahmeländern weitergeführt werden, besonders durch die übergreifende 3RP (Regional Refugee and Resilience Plan) Regionalstrategie.

Den Zugang zu Asyl für syrische Flüchtlinge sicherzustellen und die Möglichkeit in ihren Gastgeberländern bleiben zu können, bleiben weiterhin wichtige Anliegen. Gleichzeitig soll die Rückkehr von Menschen nach Syrien beobachtet, sowie ein Plan implementiert werden, wie innerhalb und außerhalb Syriens weiter vorgegangen wird. In dieser Hinsicht wird UNHCR vorbereitende Maßnahmen ergreifen, um für die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen in ihre Heimat zu einem späteren Zeitpunkt vorbereitet zu sein.

Von den 304 Millionen US-Dollar, die UNHCR für die Hilfestellungen für Binnenvertriebene in Syrien benötigt, wurden bisher nur 103 Millionen US-Dollar erreicht (33 Prozent). UNHCR benötigt 2017 weitere 150 Millionen US-Dollar um seine Hilfslieferungen für Binnenvertriebene, RückkehrerInnen und andere vulnerable Personen innerhalb Syriens sicherzustellen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Unternehmen
Unternehmen ORWO Kult-Fotofirma insolvent: DDR-Traditionsmarke und Cewe-Konkurrent
05.04.2025

Letzte Aufnahme? Dort, wo der erste Farbfilm der Welt entwickelt wurde, wird bis heute auf Fototechnologie gesetzt. Auch Drogerieketten...

DWN
Politik
Politik Strafgebühren im Gesundheitswesen? Wie verpasste Termine das System belasten
05.04.2025

Angesichts langwieriger Wartezeiten in Facharztpraxen wird nun verstärkt darüber diskutiert, ob finanzielle Sanktionen für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland weiter attraktiv für westliche Firmen: Geschäfte mit Russland könnten deutschen Autobauern helfen
05.04.2025

Viertgrößte Volkswirtschaft der Welt: Nach Einschätzung eines Wirtschaftsexperten kann Russland nach einem Ende des Ukraine-Kriegs mit...

DWN
Politik
Politik Vertrauliche Nähe bei Koalitionsverhandlungen: Merz und Klingbeil im Zwang zur Zusammenarbeit
04.04.2025

Lange Zeit galt die schwarz-rote Koalition als Ausnahmeerscheinung der Bundesrepublik. Jetzt verhandeln Union und SPD über ihr fünftes...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Moto-E-Motion optimiert Fahrzeuge: Innovationen sind kein Hexenwerk – nur Physik
04.04.2025

Wie lässt sich die Effizienz von Motoren und Maschinen ohne bauliche Veränderungen verbessern? Wie das Unternehmen Moto-E-Motion durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Rekordniveau: Für wen ist eine Investition in das Edelmetall sinnvoll und wer sollte vorsichtig sein?
04.04.2025

Der Goldpreis hat die Marke von 3.100 US-Dollar pro Unze übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Doch ist Gold weiterhin eine...

DWN
Politik
Politik Ultimatum für Putin? Trump verliert laut Nato-Partnern Geduld
04.04.2025

Könnte es nur noch Wochen dauern, bis sich neue Entwicklungen in den Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Konflikt abzeichnen? Dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Handelskrieg: Trump erfindet Zölle, die es nie gab
04.04.2025

US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen Länder eingeführt, die es in der Form nie gab. Anstatt auf konkrete Handelsbarrieren oder...