Finanzen

US-Börsen mit Verlusten: Europas Börsen unter Druck

Lesezeit: 3 min
02.04.2018 23:36
Der anhaltende Kursverfall bei Technologie-Werten hat der Wall Street am Montag empfindliche Verluste beschert.
US-Börsen mit Verlusten: Europas Börsen unter Druck

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Kursverluste bei Technologie- und Börsenschwergewichten wie Amazon und Intel haben die Wall Street nach der Osterpause tief in den roten Bereich gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging am Montag mit 23.644 Punkten 1,9 Prozent schwächer aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 2,2 Prozent auf 2582 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 2,7 Prozent auf 6870 Punkte.

Vor diesem Hintergrund gerieten auch die europäischen Technologiewerte unter Verkaufsdruck. Ihr Branchenindex büßte 1,6 Prozent ein. Dax und EuroStoxx50 verloren nach dem langen Oster-Wochenende am Dienstag jeweils etwa ein Prozent auf 11.931 und 3327 Punkte.

Börsianer sehen die Gefahr eines weltweiten Handelskrieges, nachdem China als Reaktion auf US-Stahl- und Aluminiumzölle seinerseits Zölle auf amerikanische Produkte verhängte. "Das wird die Angst vor Handelskriegen und Protektionismus schüren. Dem Markt gefällt das nicht wirklich", sagte Andre Bakhos von New Vines Capital in New Jersey.

China verhängte am Montag Strafzölle auf 128 Produkte aus den USA, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Betroffen sind Importgüter im Wert von 2,4 Milliarden Euro, darunter Schweinefleisch und Obst. Die chinesische Regierung reagiert damit auf die von US-Präsident Donald Trump erlassenen Strafzölle auf Stahl und Aluminium.

China hat außerdem die Möglichkeit, die US-Finanzpolitik empfindlich zu treffen - wovon Peking bisher trotz des Handelsstreits noch keinen Gebrauch gemacht hat.

Chinas Handelsministerium verband die Verkündung der Strafzölle mit massiver Kritik an Trumps handelspolitischem Kurs. Dieser stelle einen "ernsthaften Verstoß" gegen Chinas Interessen und gegen die Regeln des Welthandels dar, erklärte das Ministerium. Es forderte die USA auf, "die Maßnahmen so schnell wie möglich zurückzunehmen".

Trump hatte die Zölle auf Stahl und Aluminium im März verhängt. China kündigte daraufhin umgehend Gegenmaßnahmen an, die nun umgesetzt wurden. Im Gegensatz zu China blieben die EU und andere wichtige Handelspartner vorerst von den Zöllen verschont. China kritisierte die Ausnahmeregelungen am Montag als "ernste Verletzung" des Nicht-Diskriminierungs-Gebots der Welthandelsorganisation (WTO).

Die nun verkündeten Gegenzölle der Volksrepublik fielen vergleichsweise gemäßigt aus. Besonders wichtige Importgüter aus den USA wie Sojabohnen und Boeing-Flugzeuge wurden vorerst verschont. Das Handelsministerium in Peking forderte Washington zur Zusammenarbeit auf - dies sei "der richtige Weg".

Der Streit könnte allerdings weiter eskalieren, wenn Trump seine Androhung wahr macht, zusätzlich noch chinesische Importwaren im Wert von 60 Milliarden Euro mit Strafzöllen zu belegen. Eine entsprechende Liste wird derzeit auf Trumps Anweisung hin erarbeitet und soll demnächst vorliegen. Betroffen sein könnten vor allem Produkte aus dem High-Tech-Bereich.

Der US-Präsident wirft China "unfaire Handelspraktiken" vor. Das Handelsdefizit mit China, das im vergangenen Jahr umgerechnet rund 300 Milliarden betrug, ist ihm ein Dorn im Auge.

Chinas Führung machte klar, dass sie bei weiteren US-Strafzöllen zur Gegenwehr bereit ist. Die Staatszeitung "Global Times" berichtete vergangene Woche, dass auch in Peking eine Liste mit Produkten in Arbeit ist, auf die Strafzölle erhoben werden könnten. Diese würden "wichtige Importgüter aus den USA" treffen und den USA "einen schweren Schlag versetzen".

Daneben stand besonders Amazon im Fokus: Die Aktien des weltgrößten Onlinehändlers verloren 5,2 Prozent, nachdem Trump dem Unternehmen erneut vorwarf, mit zu niedrigen Versandgebühren der US-Post zu schaden. "Das wird sich ändern", drohte er auf Twitter.

Tesla-Aktien gaben 5,1 Prozent nach. Mehrere Automobilblogs berichteten, dass der Konzern im abgelaufenen Quartal bei der Produktion seiner Limousine Model 3 hinter den selbst gesteckten Zielen zurückblieb. Das Tesla-Papier litt zuletzt auch unter einer Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's sowie einem tödlichen Unfall mit einem Tesla-Fahrzeug.

Facebook-Papiere verloren 2,7 Prozent. Dem Konzern setzt weiter der Datenskandal zu. Die britische Firma Cambridge Analytica soll Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern auf mutmaßlich unlautere Art eingesetzt haben, um 2016 den Wahlkampf Trumps zu unterstützen. Ähnliche Vorwürfe gibt es auch im Zusammenhang mit dem Brexit-Votum in Großbritannien.

Apple-Aktien gaben 0,7 Prozent nach. Der iPhone-Konzern setzt einem Medienbericht zufolge bei seinen Mac-Rechnern künftig nicht mehr auf Prozessoren von Intel und will stattdessen eigene Chips verbauen. Intel-Papiere büßten mehr als sechs Pozent an Wert ein.

4,4 Prozent nach oben ging es mit den Anteilscheinen des Krankenversicherers Humana. Der Einzelhandelsgigant Walmart denkt Insidern zufolge über engere Geschäftsbeziehungen oder gar den Kauf des Unternehmens nach. Walmart-Aktien gaben 3,8 Prozent nach.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 920 Millionen Aktien den Besitzer. 570 Werte legten zu, 2375 gaben nach, und 119 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,37 Milliarden Aktien 583 im Plus, 2415 im Minus und 145 unverändert.

Die US-Kreditmärkte tendierten uneinheitlich. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 1/32 auf 100-03/32. Die Rendite sank auf 2,74 Prozent. Der 30-jährige Bond verlor 3/32 auf 100-16/32 und rentierte mit 2,98 Prozent.

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