Politik

Söldner im Süden Syriens gestehen Niederlage ein

Lesezeit: 2 min
07.07.2018 00:26
Die syrisch-russischen Truppen stehen erstmals seit 2015 davor, den Nasib-Grenzübergang nach Jordanien zu erreichen. Die Söldner haben ihrer Entwaffnung zugestimmt.
Söldner im Süden Syriens gestehen Niederlage ein

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Söldner-Truppen im Süden Syriens haben sich dazu bereit erklärt, mit Russland und Syrien bedingungslose Verhandlungen über einen Abzug aufzunehmen, berichtet Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL). Diese Entscheidung wurde am 5. Juli getroffen, nachdem die syrisch-russische Allianz ihre Luftangriffe eingestellt hatte, um den Söldnern eine Bedenkzeit zu geben. An der Grenze zu Israel und Jordanien haben die Söldner den Regierungstruppen bisher 30 Städte und Dörfer kampflos übergeben. Am 4. Juli zeichnete sich zunächst ab, dass die Gespräche scheitern würden. Deshalb nahm die syrisch-russische Allianz die Kampfhandlungen vorübergehend wieder auf. Hussein Abazeed, Sprecher des gemeinsamen Söldner-Kommandos des Südens, beschuldigte Russland, eine „Politik der verbrannten Erde” zu verfolgen, um die Söldner an den Verhandlungstisch zurückzudrängen, so RFE/RL.

Reuters berichtet ohne Angabe von Quellen, die Söldner im Süden Syriens hätten ihrer Entwaffnung zugestimmt. Zunächst würden sie ihre schweren Waffen abgegeben, teilten die Söldner laut Reuters nach Verhandlungen mit russischen Armeevertretern am Freitag mit. Damit würden die bisherigen Söldber-Hochburgen in der Provinz Deraa wieder unter die Kontrolle von der syrischen Regierung gelangen. Regierungstreue Truppen übernahmen den Grenzübergang Nassib zu Jordanien, wie staatliche Medien berichteten. Die Söldner sollen nach ihrer Entwaffnung nach Idlib verbracht werden, wo bereits jetzt alle Söldner gesammelt werden.

Nach Angaben des englischsprachigen Diensts von Reuters stehen die syrischen Regierungstruppen kurz davor, erstmals seit 2015 die Nasib-Kreuzung an der Grenze zu Jordanien zurückzuerobern. Mit Hilfe der russischen Luftwaffe konnte die Gegenwehr der Söldner im Süden Syriens nachhaltig gebrochen werden. Reuters wörtlich: „Eine Militäreinheit der libanesischen Hisbollah, die an der Seite von Damaskus kämpft, meldete, dass die Armee am Freitag acht Grenzposten erobert habe. Die Hisbollah hilft dabei, die Offensive zu führen, hält sich aber zurück.”

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, hatte am Donnerstag für eine sofortige Aussetzung der Feindseligkeiten im Südwesten Syriens und die Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Beruhigung der Lage appelliert, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Der Generalsekretär drückte auch seine Unterstützung für die Erklärung des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, aus.

„Es ist klar, dass die dringendste Priorität darin besteht, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden und den syrischen Zivilisten weiteres Leid zu ersparen”, sagte Grandi am Donnerstag.

Der Hohe Kommissar sprach sich auch dafür aus, den Sicherheitsbedürftigen vorübergehend in Jordanien Zuflucht zu gewähren und der internationalen Gemeinschaft Jordanien unverzüglich und umfassend zu unterstützen. Der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle hatte zuvor berichtet, dass Israel und Jordanien ihre Grenzen geschlossen hatten, um einen Flüchtlingsandrang zu verhindern. Stattdessen erklärten sich beide Länder dazu bereit, den Flüchtlingen vor Ort mit humanitären Hilfsgütern zu helfen. „Sie sind in einer verzweifelten Situation und es fehlt ihnen fast allem (...) Es gibt nicht genug Schutz, kein Wasser, kein Essen und die Menschen müssen einen Ort finden, der ihnen Sicherheit gibt”, zitiert die Deutsche Welle Gal Lusky, Gründer der israelischen Organisation „Israel Flying Aid”. Das Blatt wörtlich: „Im Gegensatz zu Jordanien hat Israel seit Beginn des Bürgerkrieges keine Flüchtlinge aufgenommen. Seit 2013 hat Israel jedoch heimlich mehrere Tausend Syrer, die im Krieg verletzt wurden, in israelischen Krankenhäusern und in einem Feldlazarett der Armee behandelt. Die Mission ’Good Neighbour’ leistet seit fünf Jahren humanitäre Hilfe für Syrien. Am Freitag gab die israelische Armee bekannt, dass sie über Nacht 300 Zelte und mehrere Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Kleidung auf die andere Seite geschafft hätte. ,Mehrere tausend syrische Zivilisten, die vor dem Konflikt geflohen sind, leben hier unter den schwierigsten Bedingungen in der Nähe der israelischen Grenze, ohne Zugang zu Wasser, Elektrizität, Nahrung und anderen notwendigen Dingen’, heißt es in der Erklärung. ’Wir werden weiterhin unsere Grenzen verteidigen’, sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag. Gleichzeitig sollte ’humanitäre Hilfe so weit wie möglich erleichtert werden’. Aber: Es wird ’keinen Einlass nach Israel’ geben.”

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer: Klimavorgaben werden verschärft, Spritpreise werden drastisch steigen

Union und SPD wollen die Klimavorgabe für Treibstoffe noch einmal über die bisherigen Regierungspläne hinaus verschärfen. Eine ganz...

DWN
Politik
Politik Lawrow: Während der Pandemie verstärkt Deutschland die Eindämmung Russlands

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagt, dass Deutschland die Eindämmung Russlands verstärkt habe. „Grundlose und zunehmend absurde...

DWN
Deutschland
Deutschland Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland sinkt weiter deutlich

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland hat den negativen Trend der vergangenen Quartale in den ersten drei Monaten des Jahres...

DWN
Finanzen
Finanzen Arbeitgeber wütend: Neuer Rat will Umbau des Arbeitsmarkts

Ende von Minijobs, Recht auf Homeoffice: Ein von Arbeitsminister Hubertus Heil eingesetzter Expertenrat hat erste Ergebnisse präsentiert....

DWN
Deutschland
Deutschland Merkel fordert muslimische Verbände auf, Antisemitismus zu verurteilen – doch sie blendet ihre Flüchtlings-Politik aus

Kanzlerin Angela Merkel hat die muslimischen Verbände aufgefordert, sich klar gegen den Antisemitismus zu stellen. Doch das haben sie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Joe Biden will Chinas Staatskapitalismus nachahmen – Europa zieht mit

Chinas Staatskapitalismus findet offenbar Nachahmer. Auch in Amerika will die Politik nicht mehr nur Schiedsrichter sein, sondern ebenso...

DWN
Politik
Politik „Hochrangiges“ Gespräch mit Luisa Neubauer: Kanzlerin Merkel fürchtet mögliche „Klimaleugner-Mehrheit“

In einem außerordentlich „hochrangigen“ Gespräch mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat Kanzlerin Merkel gesagt, dass die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Lithium-Markt steht vor einer Angebotsknappheit

Wegen der steigenden Nachfrage steht der weltweite Lithium-Markt vor einer Angebotsknappheit. Diese Entwicklung wird durch die zunehmende...