Finanzen

USA: Ausfallraten bei Kreditkarten steigen deutlich

Lesezeit: 2 min
29.04.2019 17:18
In den USA ist ein wichtiger Indikator zu Forderungsausfällen bei Kreditkarten auf den höchsten Stand seit fast sieben Jahren gestiegen.
USA: Ausfallraten bei Kreditkarten steigen deutlich

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Abschreibungsrate ist der Anteil der Kredite, bei dem die Kreditkartenunternehmen nicht mehr erwarten, dass die Schulden jemals wieder zurückgezahlt werden. Dieser Indikator ist Daten von Bloomberg zufolge in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auf 3,82 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2012.

Zudem sind jene Kredite, bei denen die Rückzahlung schon seit mindestens 30 Tagen überfällig sind, bei den sieben größten US-amerikanischen Kartenherausgebern angestiegen. Diese überfälligen Kredite sind ein Vorbote zukünftiger Abschreibungen.

Laut Richard Fairbank, dem CEO des drittgrößten US-Kreditkartenunternehmens Capital One Financial, hat es bei bestimmten Kunden eine deutliche Verschlechterung der Kreditqualität gegeben. Denn aus den Auskünften über sie verschwinden jetzt die negativen Kreditereignisse aus der Zeit der Finanzkrise der Jahre 2007/2008.

"Wir haben möglicherweise Daten vor uns, die nicht das vollständige Bild der Kreditgeschichte eines Verbrauchers vermitteln", sagte Fairbank letzte Woche in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Mit anderen Worten: Kreditnehmer bringen heute weit höhere Risiken für die Kreditkartenunternehmen mit sich, als man aus den Kredit-Auskünften über sie entnehmen kann.

Denn seit ungewohnt langer Zeit, seit immerhin mehr als zehn Jahren, hat es in den USA keine Rezession mehr gegeben. Das heißt die Kreditfähigkeit der Verbraucher wurde in dieser Zeit nicht hart getestet.

Doch dies wird beim Erstellen von Kredit-Auskünften nicht beachtet. Es besteht daher die Gefahr, dass die Unternehmen bei der Kreditvergabe jetzt zu hohe Risiken eingehen, was zu einem zusätzlichen Anstieg der Kreditausfälle führen dürfte, wenn die nächste Rezession kommt.

Die Rating-Agentur Moody's hat dazu Zahlen. Demnach gibt es heute rund 15 Millionen mehr Verbraucher mit FICO-Kreditwerten über 740 als noch im Jahr 2006, und etwa 15 Millionen weniger Verbraucher mit Kreditwerten unter 660.

"Die Werte der Kreditnehmer mögen gestiegen sein, aber ihr individuelles Risiko, ihre Einstellung zu Krediten und ihre Fähigkeit, Rechnungen zu bezahlen, sind gleich geblieben. Man hätte denken können, dass 700 ein guter Wert ist, aber heute ist das nur noch durchschnittlich", zitiert Bloomberg den Moody's-Chefökonomen Cris deRitis.

Die Abschreibungsrate von Capital One in den USA ist von 4,64 Prozent Ende letzten Jahres auf 5,04 Prozent im ersten Quartal gestiegen. Bei Discover Financial Services, das ebenfalls letzte Woche seine Zahlen vorlegte, stieg die Abschreibungsrate auf 3,5 Prozent gegenüber 3,23 Prozent im Vorquartal.

Discover-CEO Roger Hochschild sagte, sein Unternehmen habe inaktive Konten geschlossen und die Anzahl und den Umfang von Kreditlinienerhöhungen für neue und bestehende Kunden verlangsamt.

Der Wettbewerb um die qualitativ hochwertigsten Kunden ist nach wie vor hart, was dazu führt, dass viele Kreditkartenunternehmen mehr Geld für Marketing ausgeben, um Marktanteile bei dieser Gruppe zu gewinnen. Doch ein möglicher Anstieg der Forderungsausfälle hat viele Emittenten nun dazu veranlasst, die Kreditvergabe zu straffen.

Zwar ist die Rate der Abschreibungen noch immer nahe historischen Tiefstständen, wobei die Banken von den niedrigen Arbeitslosenzahlen in den USA profitieren. Doch bereits im Januar zeigten die Ergebnisse des vierten Quartals, dass die niedrigsten Abschreibungsraten seit Jahrzehnten nun zu Ende gehen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Blamage für Scholz: Russland hört entlarvendes Gespräch über Taurus-Lieferungen ab
02.03.2024

Die Taurus-Affäre um Bundeskanzler Olaf Scholz wird immer brisanter. Vor einer Woche hatte Scholz der Lieferung von...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Bargeldobergrenze: Sinnvolle Maßnahme gegen Geldwäsche oder erste Etappe der Bargeld-Abschaffung?
02.03.2024

Barzahlungen ade? Transaktionen über 10.000 Euro sollen künftig nicht mehr bar abgewickelt werden dürfen. Darauf haben sich das...

DWN
Finanzen
Finanzen Investieren in Qualitätsaktien: Aktiv, passiv oder gar nicht?
02.03.2024

Quality Investing war in den letzten Jahrzehnten eine sehr erfolgreiche Anlagestrategie. Wir vergleichen einen aktiven und passiven Ansatz,...

DWN
Politik
Politik Gas-Notfallplan überflüssig? Regierung setzt dennoch auf neues LNG-Terminal in Rügen
02.03.2024

Zuletzt war von einer Entspannung der Gasversorgungslage die Rede. Trotzdem hält der Bund an der Gas-Alarmstufe wie auch am Rügener...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Künstliche Intelligenz: Unternehmen sind zu zögerlich
02.03.2024

Trotz der vielen Chancen von KI-Technologie stehen vor allem kleinere Unternehmen vor Herausforderungen wie Datenqualität und auch...

DWN
Technologie
Technologie 5G-Netz: Mehrheit der Mobilfunk-Kunden weiterhin skeptisch
02.03.2024

5G verspricht stabile Verbindungen und eine deutlich schnellere Datenübertragung als die Vorgängertechnologie. Ein dicker Vorteil für...

DWN
Politik
Politik "Zeit läuft davon": Wirtschaft fordert von Scholz schnelle Entlastungen und Reformen
01.03.2024

Die deutsche Wirtschaft klagt über hohe finanzielle Belastungen und andere Wachstumshemmnisse. Der Forderungskatalog der Verbände an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekord in greifbarer Nähe - DAX erneut mit Bestmarke
01.03.2024

Der deutsche Leitindex DAX hat im Freitagshandel das siebte Rekordhoch in Folge erobert - und auch der Goldpreis ist von seinem Allzeithoch...