Wirtschaft

BMW und Siemens bauen am ersten vietnamesischen Auto mit - jetzt gab es den ersten Rückschlag

Vietnam hat in den vergangenen zehn Jahren seine Wirtschaftskraft weit mehr als verdoppelt. Jetzt versucht es, eine eigene Automarke zu etablieren. Der Erfolg stellt sich erstmal nicht ein.
27.10.2019 06:24
Lesezeit: 2 min

Vietnam ist mit seinen rund 100 Millionen Konsumenten einer der ambitioniertesten Märkte in Südostasien: Die Gründung einer eigenen Autoindustrie ist dabei ein besonders wichtiges Projekt, das die Vietnamesen Mitte 2018 im Rekordtempo von nur anderthalb Jahren regelrecht aus dem Boden gestampft haben. Damit hat das Land, das eigentlich von der Landwirtschaft geprägt ist, auch die Zustimmung der internationalen Fachpresse gewonnen: „Der jüngste Autobauer der Welt stammt aus Vietnam“, titelte beispielsweise das Fachportal „engineering.com“.

Wichtig: Der asiatische Hersteller VinFast greift auch auf deutsches Know-how zurück. Bei ihren drei Modellen – einer Limousine, einem SUV und einem City Car - kooperieren die Asiaten mit BMW und Opel. Darüber hinaus ist ihre erste und einzige Fabrik, die sich im Norden des Landes in Hai Phong befindet, mit Software von Siemens ausgestattet, die automatisierte Prozesse steuert.

Jetzt hat der Hersteller VinFast aber einen ersten Dämpfer erhalten. Denn der Verkaufsstart der Modelle, der erst im Sommer begonnen hatte, ist offenbar nur schleppend verlaufen. So tauchen die Fahrzeuge des Unternehmens in den aktuellen Statistiken des Vietnamesischen Verbandes der Autohersteller (VAMA) für die ersten neun Monate nicht auf. Weder das City Car "VinFast Fadil", das sich am "Opel Karl" orientiert, noch die Limousine und der SUV, die BMW-Modellen ähneln, lassen sich dort finden.

Kritik: Erstes vietnamesisches Auto relativ teuer

Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Zahl der Verkäufe zu gering gewesen ist, um sie statistisch abzubilden. Im Vorfeld wurde immer wieder Kritik laut, dass die Preise für die neuen vietnamesischen Autos vergleichsweise hoch seien. Sie seien nicht attraktiv genug, um die Modelle der etablierten Produzenten Toyota und Honda zu verdrängen, die dort schon seit Jahren den Markt kontrollieren, hieß es.

Dies ist grundsätzlich kein gutes Omen, weil die Gesamtverkäufe in Vietnam bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf mehr als 163.000 gestiegen sind. Das entspricht etwa sechs Prozent der Autos, die im selben Zeitraum in Deutschland zugelassen wurden.

Diese Entwicklung ist deswegen so unerfreulich, weil die Vietnamesen ganz viel in die Waagschale geschmissen hatten, um die neue Autoindustrie zu etablieren. So griffen die Asiaten nicht nur auf deutsches Know-how zurück, sondern auch auf Prominente, die weltweit Rang und Namen haben – beispielsweise David Beckham. Der englische Ex-Fußballer stellte als Markenbotschafter im Herbst des vergangenen Jahres auf der Pariser Motorshow die ersten beiden neuen Modelle der Vietnamesen vor – und das in Begleitung der damaligen „Miss Vietnam“ – der schönsten Frau des Landes.

Stardesigner David Lyon setzt ambitionierte Ziele

Darüber hinaus engagierte der asiatische Hersteller den Stardesigner David Lyon, der früher unter anderem für General Motors (GM) die Modelle entworfen hat. „Wir wollen der größte Hersteller in Südostasien werden“, hatte der Designer gerade noch im September auf einer Konferenz in New York erklärt. Die Veranstaltung war von dem deutschen Kooperationspartner Siemens für Analysten und Medienvertreter organisiert worden.

Entsprechend selbstbewusst hat der Produzent von Anfang an auch seine Ziele für die Produktion formuliert. Denn in dem Werk sollen langfristig rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen. Zum Vergleich: Der unmittelbare Konkurrent in der Region, Thailand, hat im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Autos hergestellt. Und im VW-Werk in Wolfsburg werden pro Jahr zwischen 700.000 und 800.000 Wagen produziert.

Grundsätzlich ist Vietnam für die deutschen Unternehmen ein attraktives Land: Mit einem Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich hat der südostasiatische Markt in den vergangenen zehn Jahren eine jährliche Wirtschaftsleistung von etwa 215 Milliarden Euro erreicht – etwa so viel, wie Rheinland-Pfalz aufweist. Damit haben die Vietnamesen ihre wirtschaftliche Leistung weit mehr als verdoppelt.

Und VinFast bleibt ein wichtiger Akteur, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Das Unternehmen gehört zum Mischkonzern Vingroup JSC, der vom Vorsitzenden Phạm Nhật Vượng geführt wird, dem ersten Milliardär des Landes. Der Manager hält 30 Prozent der Anteile und gilt als der reichste Mann in Vietnam. Sein Konzern wird immer genügend Geld bereit stellen, um die ersten vietnamesischen Autos zu einem Erfolg werden – der ersten schwachen Verkaufszahlen zum Trotz.

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