Politik

Epstein-Skandal: Fernseh-Interview wird für Prinz Andrew zum Fiasko

Lesezeit: 3 min
19.11.2019 11:18  Aktualisiert: 19.11.2019 11:18
Prinz Andrew gerät im Zuge des Prostitutionsskandals um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein unter starken öffentlichen Druck.
Epstein-Skandal: Fernseh-Interview wird für Prinz Andrew zum Fiasko
20.09.2017, Australien, Melbourne: Prinz Andrew, Herzog von York, spricht auf einer Veranstaltung seiner "Pitch@Palace"-Initiative. (Foto: dpa)
Foto: Joe Castro

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Politik  

Ein Fernsehinterview von Prinz Andrew zu den gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfen im Zuge der Epstein-Affäre droht zum Fiasko zu werden: PR-Experten bezeichneten das TV-Interview am Sonntag als "verheerend", berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Andrew hatte darin Missbrauchsvorwürfe einer Frau kategorisch zurückgewiesen. Es war das erste Mal, dass er sich in einem Interview über die Beziehung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein äußerte, der im August in seiner Gefängniszelle angeblich Suizid begangen hatte. Inzwischen wurden die Gefängniswärter Epsteins verhaftet, weil sie nicht wie vorgesehen alle 30 Minuten nach Epstein gesehen haben sondern schliefen und anschließend die Zeitprotokolle fälschten. Medienberichten zufolge behandelt das FBI den Fall deshalb inzwischen als Kriminalfall.

Das TV-Interview beherrschte am Sonntag viele Titelseiten in Großbritannien, es hagelte Spott und Kritik: "Er sah nicht so aus, als sei er sich des Ernstes der Lage bewusst", hieß es in der Zeitung "The Guardian". Prinz Andrew habe "keinerlei Bedauern oder Sorge um die Opfer Epsteins gezeigt".

Der PR-Experte Mark Borkowski sagte, Andrew habe wie ein Mann "im Treibsand" gewirkt, dem niemand helfe. Er selbst habe "niemals so etwas Verheerendes gesehen". Mehreren Presseberichten zufolge trat einer der Presseberater des Prinzen vor zwei Wochen zurück, weil er mit dem BBC-Interview nicht einverstanden war.

"Im Buckingham Palast herrscht Sorge", zitierte die "Sunday Times" eine Quelle aus dem Königshaus. Mitarbeiter der Königin und von Thronfolger Prinz Charles seien unterschiedlicher Meinung über den Nutzen des Interviews gewesen.

"Ich habe keinerlei Erinnerung daran, diese Dame jemals getroffen zu haben", sagte Andrew in dem am Samstagabend von der BBC ausgestrahlten Interview mit Blick auf Virginia Giuffre. Sie wurde die nach eigenen Worten jahrelang von US-Millionär Epstein missbraucht und auch zum Sex mit dessen wohlhabenden Freunden - einschließlich Prinz Andrew - gezwungen.

Der US-Multimillionär soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er hatte gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten.

Giuffre, die früher Roberts hieß, wurde nach eigener Aussage drei Mal zum Sex mit dem britischen Prinzen gezwungen. Demnach war sie beim ersten Mal, im Jahr 2001 in London, erst 17 Jahre alt. Sie nannte zwei andere Gelegenheiten in New York und auf Epsteins Privatinsel in der Karibik.

Prinz Andrew wies Giuffres Anschuldigungen in der Vergangenheit wiederholt zurück. In dem BBC-Interview vom Samstag betonte Andrew: "Ich habe immer wieder und häufig gesagt, dass wir niemals irgendeinen sexuellen Kontakt hatten." Er könne "absolut kategorisch sagen, dass es nie passiert ist".

Nach einer Anhörung in den USA im August hatte Giuffre vor Reportern gesagt, Prinz Andrew wisse "genau, was er getan hat, und ich hoffe, dass er reinen Tisch macht".

Auf einem weit verbreiteten Foto ist mutmaßlich der Prinz zu sehen, wie er seinen Arm um die damals 17-jährige Giuffre legt, im Hintergrund zeigt das Bild Epsteins Ex-Freundin Ghislaine Maxwell. Andrew sagte dazu in dem BBC-Interview, es handle sich um "die Fotografie einer Fotografie einer Fotografie". Er glaube nicht, dass "das Foto in der Weise aufgenommen wurde, die da angedeutet wird".

Der 59-jährige Andrew ist der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. und steht in der Thronfolge auf Platz acht.

In dem BBC-Interview sagte er, er bereue, dass er auch nach der Verurteilung Epsteins im Jahr 2008 dessen Freund geblieben sei. "Ich habe das so oft Revue passieren lassen", sagte Andrew. "Mit all' der nachträglichen Einsicht, die man haben kann, war es definitiv falsch." Nachdem Epstein 2008 gestanden hatte, eine Minderjährige in die Prostitution gedrängt zu haben, saß er 13 Monate im Gefängnis.

Andrew hat auch einen wichtigen Sponsor für ein Projekt verloren. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterstützt nicht mehr Andrews Initiative «Pitch@Palace», wie die Nachrichtenagentur PA am Dienstag berichtete. Der Vertrag lief nach Angaben des Buckingham-Palastes bereits Ende Oktober aus. «Pitch@Palace» ist ein Mentoring-Programm unter anderem für Technologie-Start-Ups.

Auch andere Einrichtungen erwägen, sich von Andrew zu distanzieren. Studenten der englischen Universität Huddersfield haben darüber abgestimmt, ob sie den Royal als Kanzler loswerden wollen. Das Ergebnis soll in den nächsten Tagen feststehen. Der 59-Jährige ist - wie die anderen Royals auch - Schirmherr vieler Organisationen. Die ersten überlegen bereits, ob sie Konsequenzen ziehen sollen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Nahost-Konflikt: Jede Chance auf Frieden löst ein Blutbad aus

Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis sind sinnlos, wie die Geschichte lehrt: Nur wenn die Fronten verhärtet sind,...

DWN
Politik
Politik USA starten offiziellen Vermittlungsversuch im Gaza-Konflikt

Ein US-Gesandter will in Nahost für Deeskalation werben. Indes breitet der militärische Konflikt auf weitere Gebiete aus.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Inflationswarnung: Getreidehändler melden historische Preisanstiege

Getreidehändler verzeichnen historische Preisausschläge, die sich bald auch in den Supermärkten zeigen werden - etwa bei Mehl, Fleisch...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Abstiegsangst: Wie Kommerz und Corona den Profisport in seiner Existenz bedrohen

Ende dieses Monats erscheint das neue DWN-Magazin. Sein Schwerpunkt: Die Zukunft des Profisports. DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph gibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Der „IMF Coin“ wird das weltweite Fiatgeld-System zerschlagen

Das Ende des Fiat-Geldsystems steht bevor. Digitale Zentralbankwährungen bedrohen angeblich den US-Dollar. Doch wahrscheinlicher ist, dass...

DWN
Deutschland
Deutschland Seit Beginn der Pandemie setzt die Bundesregierung auf Panikmache und „Schockwirkung“

Die Corona-Strategie der Bundesregierung sollte zu Beginn der Pandemie eine „Schockwirkung“ innerhalb der Bevölkerung erzielen. Doch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Expansion in der Corona-Krise: BlackRock profitiert massiv von Öffnung des chinesischen Finanzsektors

China öffnet ausgerechnet in der Corona-Krise seinen Finanzsektor für ausländische Investoren. Der größte Profiteur der Öffnung ist...