Politik

EU lässt Prunkgebäude von Schwarzarbeitern und illegalen Migranten errichten

Das Europagebäude in Brüssel, in dem seit zwei Jahren der Europäische Rat tagt, ist eine prestigeträchtiges Einrichtung. Doch nun tauchen auf einmal unangenehme Nachrichten auf.
19.12.2019 10:00
Lesezeit: 1 min
EU lässt Prunkgebäude von Schwarzarbeitern und illegalen Migranten errichten
Im Europagebäude in Brüssel, wo der Europäische Rat seine Konferenzen abhält (Foto: dpa). Foto: Thierry Roge

Das Europa-Gebäude in Brüssel, wo der sogenannte Europäische Rat tagt, ist eine relativ junge Einrichtung der Gemeinschaft. Erst seit knapp zwei Jahren halten hier die Ministerpräsidenten und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten ihre Konferenzen und Sitzungen ab. Im historischen Teil befinden sich etwa 250 Büros der führenden Vertreter der EU-Organe und der Delegationen der EU-Mitgliedsländer.

Der Bau, der zwischen 2011 und 2016 dauerte, war eine Reaktion auf die Erweiterung der EU. Durch die Aufnahme neuer Mitglieder benötigte die Organisation ein großes Gebäude, das allen Ländern Platz bietet. Die Kosten dafür waren nicht gering: So stand unterm Strich ein niederer dreistelliger Millionen-Euro-Betrag.

Jetzt kommen allerdings Informationen ans Licht, die für die EU nicht sonderlich angenehm sind. So haben Teile des prestigeträchtigen Gebäudes, das auf einer Fläche von zehn Fußballfeldern liegt, Migranten und Arbeiter gebaut, die keine richtigen Arbeits- oder Auftragsverträge hatten. Das haben die Journalisten der belgischen Tageszeitung „De Standaard“ herausgefunden. Einige der Bauarbeiter seien einfach bar auf die Hand entlohnt worden. Oder in einigen Fällen hätten die Auftraggeber die Mitarbeiter gar nicht bezahlt.

Der Bau erstreckte sich über ein halbes Jahrzehnt: Im September 2011 begann Belgien mit dem Projekt, um dann den Verantwortlichen des Europäischen Rates im Jahr 2016 die Schlüssel zu übergeben. 2008 hatte der belgische Staat den Bauvertrag unterschrieben. Eigentlich hatte der einheimische Baukonzern Jan De Nul die öffentliche Ausschreibung gewonnen. Doch danach sind kleinere Subfirmen in das Vorhaben mit einbezogen worden. Und gerade in diesen Unternehmen wurden die illegalen Bauarbeiter beschäftigt. Sie stammten aus Bulgarien, Moldawien, Italien, Portugal und Rumänien.

Bulgarischer Arbeiter: "Sowas habe ich zuhause noch nie erlebt"

„Ich habe diesen Job angenommen, da meine Frau und mein Sohn noch zuhause in Bulgarien waren“, sagte Beyhan Dzehelilov, ein Bauarbeiter aus dem südosteuropäischen Land. „Ich wollte, dass sie zu mir kommen, doch brauchte ich dafür Geld“, erklärte der Mann, der im Frühjahr 2012 auf der Baustelle begonnen hatte, zu arbeiten. „Allerdings war es schon seltsam, als ich nicht den Vertrag bekommen habe, den man mir versprochen hatte“, fügte Dzehelilov hinzu. „Es war schon hart, wenn wir manchmal zwei Schichten hintereinander machen musste,“ so der Bulgare. „Keiner von uns hat einen Vertrag gehabt, und wir waren nicht krankenversichert“, erklärte er. „Sowas habe ich in Bulgarien noch nie erlebt“, sagte der Mann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steigende Spritpreise in Europa: Bekommt das Elektroauto neuen Rückenwind?
01.04.2026

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise rücken Elektroautos und den europäischen Automarkt erneut in den Fokus wirtschaftlicher Debatten....

DWN
Politik
Politik Geht uns der Sprit aus? Deutsche Top-Ökonomin plädiert für Verzicht auf Autofahrten
01.04.2026

Nach Ansicht der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer sollten Verbraucher und Wirtschaft mit Verzicht auf knapperes Öl reagieren:...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz steigender Steuereinnahmen: Kommunen mit Rekordausgaben von 31,9 Milliarden Euro
01.04.2026

Trotz steigender Steuereinnahmen wachsen die Ausgaben der Gemeinden noch schneller. Wofür besonders viel Geld ausgegeben wurde und wie die...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg spitzt sich zu: Erwägt Trump einen Rückzug?
01.04.2026

Die Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump sind so niedrig wie seit Beginn seiner zweiten Amtszeit nicht mehr. Das wirkt sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Prognose Wirtschaftsinstitute für 2026: Iran-Krieg halbiert Wachstum und treibt Inflation
01.04.2026

Höhere Spritpreise, höhere Inflation: Ifo und DIW sprechen von einem Energiepreisschock - ausgelöst durch den Iran-Krieg. Sie erwarten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmer Wolfgang Grupp: Was die Biografie über den Ex-Trigema-Chef verrät
01.04.2026

Wolfgang Grupp spricht in einer Biografie offen über Machtkämpfe in der Familie und den Kampf gegen die Altersdepression. Was das neue...

DWN
Immobilien
Immobilien Bauprojekte im Belastungstest: Wie Investoren und Projektentwickler Verzögerungen und Mehrkosten aktiv vermeiden
01.04.2026

Viele Bauprojekte geraten schleichend unter Termin- und Kostendruck, obwohl Controlling und Statusberichte zunächst Stabilität...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stimmungsökonomie in Krisenzeiten: Emotionen prägen zunehmend Konsum
01.04.2026

Nostalgie als Stabilitätsanker: In Krisenzeiten suchen Menschen nach kleinen Glücksmomenten, Vertrautem und Wohlbefinden. Die...