Deutschland

Die Corona-Maßnahmen sollten heute gelockert werden, nicht erst morgen

Die übertriebenen Maßnahmen gegen das Coronaviurs, das für die allermeisten Menschen ungefährlich ist, müssen umgehend gelockert werden. Gezielte Schutzmaßnahmen und Hilfe bei gefährdeten Menschen retten Leben. Doch Panikmache, landesweite Kontaktsperren für alle und die Lahmlegung der deutschen Wirtschaft sind nicht nur unsinnig, sondern führen zu Elend und Tod.
Autor
16.04.2020 09:00
Lesezeit: 4 min
Die Corona-Maßnahmen sollten heute gelockert werden, nicht erst morgen
Ein wegen Corona abgesperrter Spielplatz. (Foto: dpa)

Zunächst etwas Positives: Die derzeitigen Maßnahmen der deutschen Behörden gegen die Ausbreitung des Coronavirus mögen übertrieben sein. Doch sie sind bei weitem nicht so verheerend wie in anderen Staaten. So darf man hierzulande immerhin noch spazieren gehen und konnte daher über Ostern die Sonne genießen, was nach Aussagen der meisten Mediziner der Gesundheit förderlich ist. Noch gibt es hierzulande keine Ausgangssperren, wie sie zum Beispiel China, Frankreich, Großbritannien und den USA eingeführt haben, wo die Polizei Spaziergänger und Jogger in der freien Natur festnimmt und in Handschellen abführt.

Doch auch die deutschen Maßnahmen sind durchaus hart. So wird das Verweilen an der frischen Luft auch hierzulande stark unterbunden. Die Spielplätze sind geschlossen, worunter vor allem die Kinder in den Städten leiden, für die das Virus überhaupt keine Gefahr darstellt - schnell könnten sie eine Immunität dagegen entwickeln. Und wer sich im städtischen Park auf eine Decke in die Sonne legt, der muss damit rechnen, dass die volle Gewalt des Staates über ihn hereinbricht. Zwar sind solche Einschränkungen der persönlichen Freiheit ärgerlich und gesundheitsschädlich. Auch sind die autoritären Maßnahmen ein gefährlicher Präzedenzfall. Doch weitaus schlimmer werden die wirtschaftlichen Folgen sein.

So erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hierzulande die schwerste Rezession seit 1970. Damit verbunden ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, mehr Armut, mehr Krankheit und mehr Selbstmorde. Zudem hat die Bundesregierung im Handstreich neue Schulden im Umfang von rund 156 Milliarden Euro beschlossen. Zwar wird das nötige Geld jetzt einfach gedruckt. Doch trotzdem wird jeder Deutsche irgendwann im Schnitt rund 2.000 Euro mehr Steuern zahlen müssen - vom Kleinkind bis zum Greis. Dieses Geld wird an anderer Stelle fehlen, zum Beispiel auch bei der Gesundheit.

Warum die Angst vor Corona anfangs berechtigt war

Im Januar erreichte das Coronavirus die deutschen Medien. Gerade die alternativen Medien gehörten anfangs zu den größten Panikmachern, und es schien sich ja auch wirklich um eine große Gefahr zu handeln. Denn warum sonst sollte China Ausgangssperren für Millionen seiner Bürger einführen und die Wirtschaft des Landes in großen Teilen zum Stillstand bringen? Die chinesische Regierung wird weder von den Medien getrieben, noch muss sie sich Sorgen um ihre Wiederwahl machen. Es müssen also echte Gründe für ihr Handeln vorliegen. Möglicherweise war es eine starke Grippewelle, die auch wegen der Luftverschmutzung in Wuhan auf eine anfällige Bevölkerung traf.

Diese Erklärung würde mit den Beobachtungen des Chefs der Hamburger Rechtsmedizin, Professor Klaus Püschel, übereinstimmen, dass Stand letzte Woche in Hamburg noch kein einziger Mensch ohne Vorerkrankungen am Coronavirus verstorben ist. "Alle, die wir bisher untersucht haben, hatten Krebs, eine chronische Lungenerkrankung, waren starke Raucher oder schwer fettleibig, litten an Diabetes oder hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung." Das Coronavirus sei nur im Ausnahmefall eine tödliche Krankheit, in den meisten Fällen jedoch eine überwiegend harmlos verlaufende Virusinfektion.

Der Lungenarzt Doktor Wolfgang Wodarg hatte bereits im Februar als erster namhafter deutscher Mediziner öffentlich vor einer übertriebenen Panik wegen des Coronavirus gewarnt. Er hatte darauf hingewiesen, dass es hierzulande in jedem Winter eine Grippewelle mit Tausenden Toten und mit Millionen Infizierten gibt und dass Coronaviren daran immer ihren Anteil haben. So starben laut Robert-Koch-Institut (RKI) hierzulande im Jahr 2018 mehr als 25.000 Menschen an Grippe. Bisher starben nach offiziellen Angaben in Deutschland rund 3.500 Verstorbene am Coronavirus.

Wer jetzt noch etwas ändern könnte

Am 25. März waren die vom Bundestag beschlossenen Corona-Maßnahmen möglicherweise noch vertretbar, da die Politik zunächst wirklich nicht wusste, wie gefährlich das Virus ist. Doch inzwischen wissen wir mehr. Beim Coronavirus gibt es zwar eine hohe Ansteckungsgefahr, sodass es sich schnell über die Welt verbreitet hat, doch die Sterberate liegt bei unter 0,4 Prozent. Deshalb empfiehlt Professor Martin Exner für ungefährdete Bereiche eine Lockerung der Maßnahmen. In Alten- und Pflegeheimen hingegen sollten die gefährdeten Menschen weiterhin und möglicherweise auch auf längere Zeit geschützt werden. Auf solche Argumente sollte die Politik nun reagieren. Am wichtigsten ist, dass alle Beeinträchtigungen des deutschen Wirtschaftslebens umgehend aufgehoben werden. Geschäfte und Betriebe müssen umgehend wieder öffnen dürfen und eine Chance erhalten, gegen den entstandenen Schaden anzukämpfen.

Die Kontaktsperren hierzulande werden unterschiedlich ernst genommen. So gibt es in Deutschland Wohngebiete, wo zu Ostern in praktisch jedem Garten Familienfeiern stattfanden, wenn auch aus Sicherheitsgründen in manchen Fällen ohne die ganz Alten. Und dann gibt es Wohngebiete, wo die Oma sich nicht traut, ihre Enkel zu besuchen, weil sie begründete Angst davor hat, dass sie von ihren Nachbarn denunziert wird. Kontaktsperren, die zu Beginn einer Pandemie durchaus wirksam sind, können zu einem späteren Zeitpunkt sogar schädlich werden, da sie die Entwicklung einer Herdenimmunität und somit die Überwindung des Virus verlangsamen.

Die Kritik an den verheerenden Maßnahmen im Kampf gegen Corona geht übrigens weniger an die deutschen Politiker, welche die Maßnahmen beschlossen haben - und die daran auch weitgehend festhalten wollen. Wenn Politiker wie der bayerische Landeschef Markus Söder in diesem Punkt hart durchgreifen, so tun sie damit genau das, was die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung will, wie Umfragezahlen mehr als deutlich gezeigt haben. Der Vorwurf geht vielmehr an uns alle. Die meisten Politiker schwimmen lediglich auf der Corona-Welle mit - und nutzen die Lage wenn möglich für sich aus.

Es sind die Bürger, die sich informieren, ein Urteil bilden und miteinander diskutieren sollten, auch wenn sie keine Virologen sind. Teil dieser Diskussion sollten auch die erwähnten negativen Folgen des Corona-Kampfs sein: mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut, mehr Kranke, verkürzte Lebenszeiten - auch durch die zu beobachtende Zunahme der Selbstmorde in einer starken Rezession. Noch wollen die meisten Deutschen kein Ende der Corona-Maßnahmen. Denn der erhebliche Schaden ist für viele bisher nicht wahrnehmbar - im Gegensatz zu den vielen Bildern von überfüllten Krankenhäusern, auch wenn diese nicht in Deutschland stehen.

Noch gehen fast alle davon aus, dass es in naher Zukunft ein Zurück zum Normalzustand vor Corona geben wird. Ich fürchte aber, dass die Welt nicht wieder zum Zustand vor Corona zurückfinden wird, so wie sie auch nicht wieder zum Zustand vor dem 11. September zurückgefunden hat. Die Tatsache, dass die von den offiziellen Modellen vorausgesagten Todeszahlen bei weitem nicht erreicht werden, wird kein Hindernis sein bei der Abschaffung von zuvor selbstverständlichen Freiheiten. Denn die niedrigeren Totenzahlen werden einfach auf die wirksamen Kontaktsperren zurückgeführt. Und um die Angst der Menschen aufrecht zu erhalten, sagen die Experten nun schon eine angeblich gefährliche zweite Corona-Welle voraus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Glücksspielregulierung 2026: Wie OASIS und LUGAS den Wirtschaftsstandort prägen

Wer die Entwicklung des deutschen Glücksspielmarktes über die vergangenen zwei Jahrzehnte verfolgt, erkennt eine Branche im radikalen...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom PKW zum Panzer: Europa braucht keine neuen Fabriken für Rüstung
18.06.2026

In den letzten Monaten gibt es Diskussionen darüber, dass Automobilhersteller einen Teil ihrer ungenutzten Kapazitäten für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Streit um die Arbeitszeit: Scharfe Kritik an Plänen für flexibleren Achtstundentag
18.06.2026

Die Pläne des SPD-geführten Arbeitsministeriums zur Arbeitszeitflexibilisierung stoßen auf harten Widerstand. Wirtschaft und der...

DWN
Politik
Politik Gentechnik ohne Label: EU macht den Weg für neue Züchtungen frei
18.06.2026

Genverändertes Obst und Gemüse landet in der EU bald ohne spezielle Kennzeichnung im Supermarktregal. Das Europäische Parlament hat den...

DWN
Politik
Politik Verfassungszoff ums neue Heizgesetz: Droht der Koalition eine Klatsche in Karlsruhe?
18.06.2026

Das geplante Heizgesetz der schwarz-roten Koalition wackelt: Ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags bescheinigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation bleibt hartnäckig: Ifo sieht nur kurze Erholung
18.06.2026

Die deutsche Wirtschaft steckt in der längsten Stagnationsphase seit 1949 fest. Mit dem erhofften Kriegsende im Iran hellen sich die...

DWN
Politik
Politik Nato 3.0: Weniger USA, mehr Europa
18.06.2026

Die USA ziehen sich militärisch weiter aus Europa zurück und erhöhen den Druck auf ihre Verbündeten. Vor dem Nato-Gipfel wachsen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditklemme 2026: Wird Finanzierung zum Problem?
18.06.2026

Nicht der abgelehnte Kredit ist das größte Risiko für Deutschlands Mittelstand – sondern der Antrag, der gar nicht mehr gestellt wird....

DWN
Politik
Politik Ukraine greift Putin an: Drohnen schlagen tief in Moskau ein
18.06.2026

Mitten während eines internationalen Gipfels trifft die Ukraine eine der wichtigsten Ölraffinerien Moskaus und setzt damit ein deutliches...