Politik

EU warnt Balkan-Staaten vor Annäherung an Russland und China

Die EU hat die Staaten des Balkans davor gewarnt, ihre Beziehungen zu Russland und China zu vertiefen. Gleichzeitig bekräftigen sie ihren Willen, an einer EU-Perspektive für den Balkan festhalten zu wollen.
09.05.2020 12:14
Lesezeit: 2 min
EU warnt Balkan-Staaten vor Annäherung an Russland und China
Xi Jinping (l), Präsident von China, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, geben sich im Kreml nach einer Unterzeichnungszeremonie die Hand. (Foto: dpa) Foto: Alexander Zemlianichenko

Die EU und Deutschland befürchten, dass sich die Balkanstaaten ohne eine Beitrittsperspektive verstärkt Ländern wie Russland, China oder der Türkei zuwenden könnten und Reformen für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Gefahr geraten. Als problematisch gilt dies vor allem, weil die Balkanstaaten inmitten der EU liegen und an Mitgliedsländer wie Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Kroatien grenzen.

 Beim EU-Westbalkan-Gipfel bestätigten die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten am Mittwoch zwar ihre “uneingeschränkte Unterstützung für die europäische Perspektive des westlichen Balkans”. Einen Zeithorizont für eine mögliche EU-Erweiterung fehlte allerdings in der Abschlusserklärung für den wegen der Corona-Krise als Videokonferenz organisierten Gipfel. Die zum Teil seit Jahren laufenden Beitrittsverhandlungen fanden sogar nicht einmal Erwähnung.

Die Staats- und Regierungschefs verabschiedeten eine Zagreber Erklärung , in der sie die europäische Perspektive der Region eindeutig unterstützen. “Wir haben die Position der europäischen Perspektive für den westlichen Balkan bekräftigt und erneut bekräftigt. Es ist wichtig, die Reformen, die Rechtsstaatlichkeit, die demokratischen Werte und den Kampf gegen die Korruption fortzusetzen - sie sind von wesentlicher Bedeutung”, sagte der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, in seiner Eröffnungsrede. Er betonte auch, dass die EU eine Unterstützung der Region in Höhe von 3,3 Milliarden Euro vereinbart habe, um zur Erholung ihrer Volkswirtschaften beizutragen.

Die Botschaft lautet: “Sie können sich nicht an die Chinesen und Russen wenden, wenn es Ihnen passt”, sagte ein EU-Diplomat vor den Gesprächen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. “Die Tatsache, dass diese Unterstützung und Zusammenarbeit weit über das hinausgeht, was ein anderer Partner der Region geleistet hat, verdient öffentliche Anerkennung”, heißt es in der Erklärung des EU-Gipfels in einer weiteren Anspielung auf China und Russland.

Zur Entwicklung auf dem Balkan schreibt die lettische Tageszeitung “Diena”: “Die sechs Länder auf dem westlichen Balkan leiden weiterhin unter wirtschaftlicher Instabilität, die durch die negativen Auswirkungen der Pandemiebeschränkungen verstärkt wird. Die wirtschaftliche Unterstützung durch die EU ist daher von wesentlicher Bedeutung. Dies ist besonders wichtig in diesem Jahr, in dem die einflussreichsten EU-Mitgliedstaaten zu Beginn der Corona-Krise so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt waren, dass sich ihre Nachbarn auf dem westlichen Balkan völlig verlassen fühlten. Dies gab Russland, China und der Türkei, die nie ihr Interesse an einem wachsendem Einfluss in der Region verborgen haben, weitere Trümpfe in die Hand. Sowohl Russland als auch China haben bereits das Zögern der EU bereits erkannt und ausgenutzt, um öffentlich ihre Unterstützung für den Balkan zu bekunden.”

Der Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmakedonien und Albanien ist als ein geopolitischer Schritt einzustufen, der die traditionellen Einflusszonen Moskaus auf dem Balkan beschneiden soll. Doch der Schritt der EU richtet sich eben auch gegen die Türkei und die USA.

Russland und die Türkei befinden sich mit der EU im Wettlauf um die Aufteilung des Balkans in Einflusssphären, obwohl beide Länder seit Jahrhunderten erbitterte Konkurrenten auf dem Balkan sind. Die EU ist auf dem Balkan ein verhältnismäßig junger “Player”, der jedoch aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke durchaus anziehend ist für die Menschen auf dem Balkan, die sich nach Wohlstand und Frieden sehnen. Russland verfügt auf dem Balkan neben der Nato über die größten militärischen Kapazitäten und wäre im Ernstfall auch gewillt, diese einzusetzen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit, proben Russland, Weißrussland und Serbien seit geraumer Zeit den militärischen Ernstfall auf dem Balkan. Im Fokus der drei Länder befindet sich das Kosovo.

 

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa erhitzt sich: Wegen sinkender Flüsse werden Kraftwerke gestoppt
10.08.2026

Über Europa zieht bereits die vierte Hitzewelle dieses Jahres hinweg. Die Hitze wird nicht nur mit Tausenden zusätzlichen Todesfällen in...

DWN
Politik
Politik Rente, Haushalt, Wahlen - welche Probleme auf Merz warten 
10.08.2026

Das Regierungsviertel in Berlin döst noch vor sich hin. Doch ein stürmischer Herbst kündigt sich an: Auf den Kanzler warten nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise Europa: Krieg wird zur größten Gefahr für das Finanzsystem
10.08.2026

Europas größte Banken halten militärische Konflikte inzwischen für die gefährlichste Bedrohung ihrer Bilanzen. Eine neue Untersuchung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Stihl vor Tarifrunde: 35-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß
10.08.2026

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – für dasselbe Gehalt? Nikolas Stihl sieht die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Wie seine...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmangel treibt Preise: Mieten in Deutschland steigen deutlich
10.08.2026

Für Mieter gibt es weiter kaum eine Atempause: Ihre Wohnkosten ziehen kräftig an. Auch bei den Immobilienpreisen geht es bergauf. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungsbeschaffung: Top-Ökonom wirft Pistorius falsche Investitionen vor
10.08.2026

Droht das Milliarden-Programm für die Bundeswehr zu verpuffen? Top-Ökonom wirft Pistorius fatale Fehlplanung bei der Rüstungsbeschaffung...

DWN
Politik
Politik Regeln für Familiennachzug zu streng: keine Migrationswende mit der SPD
10.08.2026

Gut ein Jahr nach dem vorläufigen Stopp des Familiennachzugs für Geflüchtete mit eingeschränktem Status hat die SPD-Fraktion die...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD baut Führung aus – CDU verliert an Boden
10.08.2026

Die AfD baut ihren Vorsprung in einer neuen Wahlumfrage in Sachsen-Anhalt weiter aus. Das BSW würde den Zahlen nach in den Landtag...