Politik

Corona-Impfstoff: EU-Kommission will Pharma-Unternehmen im Voraus bezahlen

Die EU-Kommission will Pharma-Unternehmen, die derzeit an möglichen Covid-19-Impfstoffen arbeiten, im Voraus zu bezahlen. So soll ausreichend Impfstoff für ganz Europa gesichert werden.
12.06.2020 13:56
Lesezeit: 2 min
Corona-Impfstoff: EU-Kommission will Pharma-Unternehmen im Voraus bezahlen
Die EU will sich ausreichend Impfstoff für ganz Europa sichern. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Im Rahmen ihrer "Impfstoffstrategie", die am kommenden Mittwoch (17. Juni) vorgestellt werden soll, plant die EU-Kommission die Unterzeichnung von Verträgen mit Pharmaunternehmen, die im Auftrag der 27 Mitgliedsstaaten an möglichen Impfstoffen arbeiten. Der Kommission zufolge ist es sinnvoller, wenn die EU-Staaten gemeinsam verhandeln, um einen Impfstoff für die Bürger sicherzustellen.

Die Kommission will mit den Unternehmen eine Vorauszahlung vereinbaren, welche die Unternehmen für die Modernisierung ihrer Produktionsanlagen und die Suche nach Rohstoffen verwenden könnten. Allerdings sind die Versuche für potenzielle Impfstoffe noch nicht abgeschlossen, sie könnten erfolgreich sein oder auch nicht.

In Vorgesprächen haben die Unternehmen der Kommission mitgeteilt, dass sie Untersützung von den Behörden brauchen, um die "Investitionen" in potenzielle Impfstoffe zu "entschärfen". Die EU-Kommission will sich an diesen Kosten beteiligen und die Risiko übernehmen, wenn sich diese Unternehmen im Gegenzug verpflichten, der EU den Impfstoff zur Verfügung zu stellen, sobald er fertig ist.

"Wir stellen Mittel zur Verfügung, sie investieren, bereiten den Impfstoff vor, und wenn er erfolgreich ist, geben sie ihn uns, mit dem Risiko, dass einige der potenziellen Impfstoffe, in die wir investieren, nicht funktionieren werden", zitiert der EUobserver einen Beamten der EU-Kommission. Dies seien keine Subventionen, sondern die "Vergabe von Aufträgen für den Impfstoff, die die Kosten für seine Herstellung widerspiegeln".

Die Kommission wird nach Unternehmen Ausschau halten, die das Medikament voraussichtlich schnell entwickeln können und deren Impfstoff bereits in die Phase der klinischen Erprobung eingetreten ist oder sehr nahe dran ist. Sie sucht auch nach Unternehmen, die über starke Kapazitäten in Europa verfügen. "Wir schauen auf die Produktionsstätte, nicht auf die Nationalität des Unternehmens", so der Beamte.

Vorerst hat die Kommission 2,7 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt für Vorauszahlungen bereitgestellt. Der Beamte sagte, die Europäische Union müsse etwa 300-600 Millionen Dosen des Impfstoffs sicherstellen, je nachdem, wie viele Dosen pro Person für die Immunisierung benötigt werden.

Die EU-Exekutive schlägt außerdem vor, die Forderung nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung für mögliche gentechnisch veränderte Organismen vorübergehend aufzuheben, die zur Entwicklung des Impfstoffs verwendet werden, da dies den Prozess verzögern würde. Aber die Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament müssen diesem Schritt zustimmen.

Kürzlich wurde auch eine "Allianz" zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden geschmiedet, um den Impfstoff für die Europäer zu finanzieren und zu sichern. Der Kommissionsbeamte sagte, dass sie nicht mit dem Bündnis konkurrieren und dass sie innerhalb weniger Tage herausfinden werden, wie sie ihre Anstrengungen bündeln können.

Letztendlich ist geplant, dass die EU-Mitgliedsstaaten die Impfstoffe kaufen, und die nationalen Regierungen würden dann entscheiden, wer als erstes Zugang zu dem Medikament erhält. Wenn die Mitgliedsstaaten dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen, dürfen sie allerdings nicht mehr selbst mit den beteiligten Unternehmen über einen Covid-19-Impfstoff verhandeln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Warum Investoren den Krieg ausblenden und auf Wachstum setzen
21.04.2026

Trotz geopolitischer Spannungen zeigen sich die US-Börsen überraschend robust. Anleger richten ihren Blick zunehmend auf...

DWN
Politik
Politik Merz: Treibstoffversorgung in Deutschland trotz Krise stabil
21.04.2026

Deutschland sieht sich bei der Treibstoffversorgung gut aufgestellt, selbst in Krisenzeiten. Dennoch steigen die Ölpreise wieder deutlich,...

DWN
Politik
Politik Bürokratieabbau unter Bundeskanzler Merz: Realität oder Rhetorik?
21.04.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt der Merz-Regierung ist die Euphorie verflogen. Was als „Entfesselungspaket“ für die Wirtschaft angekündigt...

DWN
Politik
Politik Rente: Merz kündigt tiefgreifende Änderungen an - Rentenreform zwingt Bürger zum Umdenken
21.04.2026

Die Rentenreform rückt immer stärker in den Mittelpunkt der politischen Agenda. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt tiefgreifende...

DWN
Panorama
Panorama Rundfunkbeitrag: VGH-Urteil weist Kritik von Klägern zurück
21.04.2026

Immer wieder sorgt der Rundfunkbeitrag für Diskussionen über Fairness und Inhalte im ÖRR. Sieben Kläger zogen vor Gericht, um die...

DWN
Politik
Politik USA-Iran-Konflikt: Seeblockade bremst Verhandlungen
21.04.2026

Die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran wankt. Hinter den Kulissen laufen Gespräche, doch Misstrauen und harte Bedingungen...

DWN
Politik
Politik Kritik am Tankrabatt: Verbraucherschützer fordern Direktzahlungen
21.04.2026

Die Diskussion um Entlastungen bei hohen Energiepreisen spitzt sich zu: Während die Bundesregierung auf Tankrabatte setzt, sehen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell über wichtiger Trendlinie - positive Signale stabilisieren die Börsen
21.04.2026

Der DAX-Kurs zeigt sich nach einem schwachem Wochenstart wieder stabiler. Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Nahost-Konflikt treibt...