Wirtschaft

Trump wirkt: Großbritannien schließt Huawei vom 5G-Ausbau aus

Großbritannien baut sein Kommunikationsnetz der Zukunft ohne den chinesischen Weltmarktführer Huawei. Damit folgt Großbritannien den Forderungen der US-Regierung.
14.07.2020 15:19
Aktualisiert: 14.07.2020 15:19
Lesezeit: 1 min
Trump wirkt: Großbritannien schließt Huawei vom 5G-Ausbau aus
Ein Radfahrer wirft einen Blick auf ein gemaltes Bild des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson (R) und des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (L) in Stokes Croft in Bristol, Großbritannien, am 30. Mai 2016. (Foto: dpa) Foto: Neil Munns

Großbritannien baut sein Kommunikationsnetz der Zukunft ohne den chinesischen Weltmarktführer Huawei. 2027 dürfe das 5G-Netz keine Huawei-Bestandteile mehr aufweisen, kündigte Digitalminister Oliver Dowden nach Informationen des Guardian an. Das geht auch aus einer Mitteilung der britischen Regierung hervor.

Damit folgt Großbritannien den Forderungen der US-Regierung, die seit Langem vor einer Zusammenarbeit mit Huawei warnt, und geht auf Konfrontationskurs mit dem wichtigen Handelspartner China. Noch im Januar hatte der britische Premierminister Boris Johnson Huawei zumindest eine begrenzte Rolle beim 5G-Aufbau zugestanden. Die Kehrtwende begründete Dowden nun mit den jüngsten US-Sanktionen, die zuverlässige Lieferungen von Huawei-Produkten verhindern könnten. Bereits Anfang Juni 2020 hatte Premier Boris Johnson ankündigen lassen, dass London künftig einen anderen Kurs gegenüber Peking einschlagen wird.

Huawei muss befürchten, dass sich weitere westliche Länder dem Schritt anschließen. Entscheidungen über den weiteren Umgang mit dem Konzern, der jegliche Spionagevorwürfe zurückweist, stehen beispielsweise noch in Kanada und Deutschland aus. Ein Huawei-Sprecher nannte den Beschluss Großbritanniens enttäuschend und sagte, dies sei eine schlechte Nachricht für jeden britischen Handybesitzer und bringe die Insel in eine digitale Kriechspur. Der Chairman von Huawei in Großbritannien, John Browne, gab seinen vorzeitigen Rückzug von dem Amt bekannt, während Dowden zugab, der 5G-Ausbau werde sich durch die Entscheidung verzögern.

Frist für Rückbau der Huawei-Technik gesetzt

Durch gesetzte Frist bis 2027 bleibt britischen Telekomfirmen wie BT, Vodafone und Three Zeit, um den Rückbau der Huawei-Technik zu realisieren. Sie hatten zwischenzeitlich damit gerechnet, dabei mehr Tempo machen zu müssen. Huawei-Konkurrent Nokia bot sich bereits an, die Chinesen „umfassend und schnell“ zu ersetzen. Auch Ericsson erklärte, bereitzustehen. Die Huawei-Konkurrenten, zu dene auch Samsung Electronics und Cisco gehören, können auf Milliarden-Geschäfte hoffen. Zumal bereits ab Jahresende britische Telekomfirmen keine 5G-Produkte mehr bei Huawei einkaufen dürfen und innerhalb von zwei Jahren auch beim Glasfasernetz auf die Chinesen verzichten müssen.

„Bis zur nächsten Wahl haben wir einen unumkehrbaren Weg für die komplette Entfernung von Huawei-Ausrüstung aus unseren 5G-Netzen in Gesetz gegossen“, kündigte Dowden an. Dies sei „die richtige Entscheidung für die britischen Telekomnetze, für unsere nationale Sicherheit und unsere Wirtschaft, jetzt wie auch langfristig“. Die US-Regierung wirft Huawei eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in China und Spionage vor. Huawei weist dies zurück. Beweise gibt es bislang nicht. Dem 5G-Aufbau wird weltweit besondere Bedeutung beigemessen. 5G soll den Weg für künftige Schlüsseltechnologien wie Industrie 4.0 und autonomes Fahren bereiten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...

DWN
Immobilien
Immobilien Hitzeschutz: So bewahren Sie auch ohne Klimaanlage einen kühlen Kopf 
03.10.2026

Deutschland hat einen der heißesten Sommer hinter sich - und es wird nicht der letzte gewesen sein. Um sich in Gegenwart und Zukunft gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
03.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI und Arbeitsmarkt: Der Effizienzboom könnte den Fachkräftemangel verschärfen
03.10.2026

Künstliche Intelligenz macht Unternehmen schneller und produktiver. Doch ausgerechnet junge Berufseinsteiger könnten dafür einen hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wann lag die Inflation im Euroraum zuletzt bei vier Prozent?
03.10.2026

Zehn Wendepunkte zeigen, wie schnell eine Krise die Inflation nach oben treiben kann und wie langsam sich die Preise anschließend wieder...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Schock trifft Europa: Millionen Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
03.10.2026

In der kommenden Woche reisen führende EU-Vertreter nach Peking, um von der chinesischen Führung zu verlangen, das enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleiherenditen setzen Aktien weiterhin unter Druck
02.10.2026

Zinsängste und Arbeitsmarktdaten bewegen die Börsen – was Anleger jetzt wissen müssen.