Wirtschaft

Überraschender Aufschwung: Chinas Exporte trotzen globalen Spannungen

Chinas Außenhandel hat im September deutlich zugelegt und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Trotz Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur steigert das Land seine Ausfuhren – auch der Austausch mit Deutschland bleibt robust.
14.10.2025 07:04
Lesezeit: 3 min

Chinas Außenhandel hat trotz des laufenden Handelsstreits mit den USA im September deutlich an Fahrt gewonnen. Wie die Zollbehörde in Peking mitteilte, stiegen die Ausfuhren gemessen in US-Dollar um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Parallel wuchsen die Einfuhren um 7,4 Prozent. Der Handelsüberschuss betrug demnach rund 90,45 Milliarden US-Dollar (derzeit etwa 77,8 Milliarden Euro).

Damit übertraf der Außenhandel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Erwartungen von Analysten. Die Einfuhren erreichten ihre höchste Wachstumsrate seit April 2024. Marktbeobachter hatten im Vorfeld einen Exportanstieg im September von etwa 6 Prozent und ein Import-Zuwachs von lediglich 1,5 Prozent erwartet.

So begründet China seine Exportraten

Dass Chinas Exporte trotz der globalen Handelsschwierigkeiten stetig zulegen, begründete der Zoll unter anderem mit den seit acht Jahren wachsenden Exporten des produzierenden Gewerbes. Auch trügen Ausfuhren von Hightech-Produkten wie Elektroautos oder Landmaschinen zu der Entwicklung bei, sagte Zoll-Vizeminister Wang Jun.

Chinas Handel zeigt sich damit trotz des Handelskonflikts mit Washington widerstandsfähig, nachdem die Ausfuhren in den wichtigsten Konsumentenmarkt USA eingebrochen sind. Im September sanken die Exporte dorthin (minus 27 Prozent) und die Importe (minus 16,1 Prozent) verglichen mit einem Jahr zuvor wieder deutlich.

Liste der US-China-Streitthemen wird länger

Im Zollstreit gilt derzeit zwar eine Pause. Vor wenigen Tagen drohte US-Präsident Donald Trump jedoch mit weiteren Zöllen in Höhe von 100 Prozent ab dem 1. November und mit der Beschränkung von Software-Exporten nach China. Peking will dagegen die Schlinge bei seltenen Erden enger ziehen: Weitere fünf von den 17 Elementen sollen nur noch gegen Genehmigung exportiert werden können. Die Maßnahmen dürften viele Branchen und die Rüstungsindustrie außerhalb Chinas deutlich treffen.

„Selbst deutsche Unternehmen, deren Produkte nur minimale Mengen seltener Erden enthalten, fallen nun ausdrücklich unter die neuen Exportkontrollen“, sagte Maximilian Butek, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina. Die Schwelle sei so niedrig, dass die Vorschrift praktisch flächendeckend greife. „Gerade jetzt ist ein engerer Austausch zwischen der deutschen und chinesischen Regierung gefragt und mehr Tempo bei den Exportgenehmigungen nötig“, sagte er.

Die Liste der Streitthemen wird damit länger: China kaufte monatelang kein Soja mehr aus den USA, wodurch US-Landwirte, die als Trump-Wähler gelten, einen Hauptkunden verloren. Zudem ist der Deal zum Verkauf des US-Geschäfts der Videoplattform Tiktok noch nicht über die Bühne gegangen. Die USA versuchen derweil wichtige Chiptechnologie von China fernzuhalten, die für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wichtig ist.

Wohin China nun seine Waren verschifft

Durch die hohen Aufschläge im US-Markt weichen die Chinesen mit ihren Waren nun nach Südostasien oder Afrika aus. Das zeigten auch die September-Daten: Exporte in die sogenannten Asean-Staaten stiegen um 15,6 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahresmonat. Der Wirtschaftsraum bleibe Chinas größter Handelspartner, sagte Zoll-Sprecher Lü Daliang. Nach Afrika legten die Ausfuhren laut Zoll im September um rund 56 Prozent zu.

Nach Deutschland exportierte China im September 10,9 Prozent mehr. Die Importe aus der Bundesrepublik legten nur leicht um 1,8 Prozent zu. „Die niedrigen Importe aus Deutschland hängen auch damit zusammen, dass deutsche Unternehmen in China tief lokalisiert sind und in China für den chinesischen Markt produzieren“, sagte Butek. Dies ziehe sich durch alle Industrien, besonders stark in der Automobilbranche und im Maschinenbau. „Getrieben wird das nicht zuletzt vom harten Wettbewerb und von regulatorischen Vorgaben in China“, erklärte Butek.

Wo Chinas Wirtschaft Probleme hat

Deutschland und Europa plagt, dass China wenig importiert. In China ist die Nachfrage gemessen am vorhandenen Angebot zu gering. Die Folge: Seit Monaten liefern sich Branchen wie die Auto-, Stahl- oder Lieferdienstindustrie erbitterte Preiskämpfe, die auf die Gewinne der Unternehmen drücken. Gegen die Preisschlacht zitierte Peking bereits Branchengrößen in die zuständigen Ministerien, um das Phänomen zu stoppen. In einigen Sektoren werden Kontroll-Maßnahmen wie Preisuntergrenzen oder gesenkte Produktionsziele erwartet.

Chinas Wirtschaft soll nach dem Willen Pekings dieses Jahr um rund fünf Prozent wachsen. Mit Spannung werden deshalb in der kommenden Woche die Wachstumsdaten des dritten Quartals erwartet sowie ein Treffen der Kommunistischen Partei, bei dem der kommende Fünfjahresplan besprochen wird.

Experten verweisen darauf, dass sich Pekings Reformen bislang hauptsächlich an die Produktionsseite richten, aber nicht genug getan wird, um die Nachfrage anzukurbeln. Zusätzlich ist das Vertrauen der Menschen, mehr zu konsumieren, durch eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und Sorgen wegen der weiter schwierigen Lage auf dem Immobilienmarkt erschüttert, in dem viele Chinesen investiert haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Abfindungswelle in der Autobranche: Wie der Fiskus zuschlägt - und wer ganz leer ausgeht
03.11.2026

Microsoft, Google und Meta – die Tech-Konzerne verschlanken ihre Belegschaft weltweit mit saftigen Abfindungen, damit Mitarbeiter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie im Fokus: Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke
03.11.2026

Die Krise in der Autoindustrie setzt sich fort: Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und Tausende Stellen streichen. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lebensmittelhersteller Völpel insolvent: Hohe Energiekosten belasten Familienunternehmen
03.11.2026

Die Völpel GmbH aus Königsmoos in Bayern ist auf die Herstellung von Trockenkräutern, Tees, Trockengemüse und Kräutersalz...

DWN
Politik
Politik Deutsche können sich "Bio" weiter leisten: Umsatzplus bei Bio-Lebensmitteln
03.11.2026

Wer kann sich Bio-Produkte in Zeiten von Stellenabbau und Wirtschaftskrise noch leisten? Wieso hält in Deutschland der Öko-Trend trotz...

DWN
Politik
Politik Leere Gasspeicher: Vorgaben bei Gasversorgung verfehlt - was bedeutet das?
03.11.2026

Der Winter steht bevor - und die Gasspeicher in Deutschland sind vergleichsweise gering befüllt. Vorgaben werden nicht eingehalten. Warum...

DWN
Politik
Politik US-Midterms 2026: Das Wichtigste zu den Kongresswahlen in den USA
03.11.2026

Steigende Preise, politische Unzufriedenheit und ein tief gespaltenes Land: Die USA stehen vor entscheidenden Kongresswahlen. Für Donald...

DWN
Politik
Politik Russischer Spion, gehacktes Telefon und geheime Milliardenkonten: Wilde Vorwürfe gegen Trumps Schwiegersohn
03.11.2026

Im Jahr 2018 soll sich der niederländische Geheimdienst in Jared Kushners Telefon gehackt und ihn überwacht haben, während er auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: S&P 500 und Nasdaq geben nach; Ölpreise fallen weiter
02.11.2026

Spannende Entwicklungen an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte heute bewegt haben.