Wirtschaft

Elektromobilität: Europas Nachfrage beflügelt Chinas Hybridfahrzeugindustrie

Die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen wächst in Europa rasant. Während klassische Verbrenner an Marktanteilen verlieren, setzen immer mehr Verbraucher auf Hybride. Besonders chinesische Hersteller nutzen diese Entwicklung, um Zölle auf reine Elektrofahrzeuge zu umgehen und ihren Einfluss auf dem europäischen Markt auszubauen.
08.10.2025 05:59
Lesezeit: 4 min
Elektromobilität: Europas Nachfrage beflügelt Chinas Hybridfahrzeugindustrie
Hybridfahrzeuge gewinnen in Europa zunehmend an Bedeutung (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Marktanteile von Hybridfahrzeugen steigen in Europa

Europäische Verbraucher entfernen sich zunehmend von Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren, doch die größte Nachfrage besteht nicht nur bei reinen Elektrofahrzeugen, sondern auch bei Hybridfahrzeugen. Statistische Daten zeigen, dass insbesondere Fahrzeuge, die außerhalb Europas produziert werden, von dieser Entwicklung profitieren. Die europäische Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) veröffentlichte Daten, nach denen im August dieses Jahres 5 Prozent mehr neue Fahrzeuge in der Region registriert wurden als im August 2024. Analysten warnen jedoch, dass dies keinen Grund zur übermäßigen Freude darstellt. Zwar steigen die Neuwagenregistrierungen in Europa seit mehreren Monaten nur langsam – im April um 1,3 Prozent, im Mai um 1,6 Prozent, nach einem Rückgang von 7,3 Prozent im Juni stieg die Zahl im Juli um 7,4 Prozent – doch im Jahresvergleich wurden von Januar bis August 2025 insgesamt 0,1 Prozent weniger neue Fahrzeuge verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Zunahme von Plug-in-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen

Reine Elektrofahrzeuge erreichten im August einen Anteil von 15,8 Prozent am EU-Automobilmarkt. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2024 betrug ihr Marktanteil 12,6 Prozent. Von Januar bis August 2025 wurden in der EU mehr als 1,13 Millionen neue Elektrofahrzeuge registriert, wobei die größten Zuwächse in Deutschland mit 39,2 Prozent, in Belgien mit 14,4 Prozent und in den Niederlanden mit 5,1 Prozent zu verzeichnen waren. Hybridfahrzeuge verzeichneten weiterhin steigende Marktanteile. In diesem Jahr war jedes dritte neue Fahrzeug in der EU ein Hybridfahrzeug mit einem Anteil von 34,7 Prozent. Insgesamt wurden in den ersten acht Monaten mehr als 2,48 Millionen neue Hybridfahrzeuge registriert, wobei die größten Zuwächse in Frankreich mit 30,5 Prozent, in Spanien mit 29,3 Prozent, in Deutschland mit 10,1 Prozent und in Italien mit 9,4 Prozent zu verzeichnen waren. ACEA hob zudem hervor, dass der Anteil von Plug-in-Hybriden weiter anstieg. Von Januar bis August wurden 631.783 Fahrzeuge dieser Kategorie registriert, was einem Marktanteil von 8,8 Prozent entspricht. Den größten Zuwachs verzeichneten Spanien mit 99,9 Prozent, Deutschland mit 62,2 Prozent und Italien mit 62,6 Prozent.

Im Jahresvergleich zeigt sich, dass die Registrierung reiner Elektrofahrzeuge um 30,2 Prozent zunahm, die Zahl der Hybridfahrzeuge um 14,1 Prozent stieg und der Verkauf von Plug-in-Hybriden um 54,5 Prozent wuchs. Gleichzeitig schrumpfte der Marktanteil von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben. Im August 2025 machten Benzin- und Dieselautos nur noch 37,5 Prozent des Marktes aus, nach 47,6 Prozent im Vorjahr. Insgesamt wurden von Januar bis August mehr als zwei Millionen Fahrzeuge mit traditionellen Antrieben registriert, wobei die Zahl der Dieselautos um 25,7 Prozent und die der Benziner um 28,1 Prozent zurückging.

Chinesische Hersteller nutzen Marktlücke

Analysten weisen darauf hin, dass der starke Anstieg von Plug-in- und herkömmlichen Hybridfahrzeugen auch die zunehmende Präsenz chinesischer Automobilhersteller verdeutlicht. Nach der Einführung höherer Einfuhrzölle auf reine Elektrofahrzeuge in die EU haben chinesische Hersteller ihren Fokus auf den Verkauf von Hybridfahrzeugen verlagert. Bereits 2024 zeigte sich dieser Trend, als gegen Ende des Jahres nahezu jedes fünfte in die EU importierte chinesisches Fahrzeug ein Hybridmodell war. „Chinesische Hersteller wechseln zu Plug-in-Hybriden, um die in der EU geltenden Zölle für Elektrofahrzeuge zu umgehen“, kommentierte Murtuz Ali, Analyst bei der Forschungsfirma Counterpoint Research, gegenüber Reuters. Die Daten von JATO Dynamics zeigen, dass im August 83.900 Plug-in-Hybride in der EU registriert wurden, 59 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Besonders deutlich zeigt sich die wachsende Präsenz chinesischer Marken: Im August 2024 wurden 779 neue importierte Hybridmodelle aus China registriert, 2025 waren es bereits 11.064. Die chinesische Marke BYD gehört nun zu den acht erfolgreichsten Herstellern von Plug-in-Hybriden in der EU, und unter den zehn meistverkauften Modellen finden sich drei chinesische Fahrzeuge: BYD Seal U, Jaecoo J7 und MG HS. Felipe Munoz von JATO Dynamics bemerkte, dass insgesamt im August über 43.500 Fahrzeuge chinesischer Hersteller registriert wurden, was einem Anstieg von 121 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Dies übertrifft die Verkaufszahlen etablierter europäischer Marken wie Audi mit 41.300 Fahrzeugen und Renault mit 37.800 Fahrzeugen. Von den rund 40 chinesischen Herstellern, die auf dem EU-Markt aktiv sind, entfielen 84 Prozent der Verkäufe auf MG, BYD, Jaecoo, Omoda und Leapmotor. Bei den reinen Elektrofahrzeugen bleibt das Tesla Model Y weiterhin das beliebteste Modell in der EU, obwohl die Verkaufszahlen im letzten Sommermonat um 37 Prozent zurückgingen. Der Marktanteil von Tesla sank von zwei auf 1,2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Elektrofahrzeuge auf den Straßen, und chinesische Hersteller wie BYD und Xpeng verzeichneten deutliche Zuwächse. So stiegen die BYD-Verkäufe innerhalb eines Jahres um 201,3 Prozent, wodurch die Marke nun 1,3 Prozent des EU-Automobilmarktes hält. MG legte um 59,4 Prozent zu und kommt auf 1,9 Prozent Marktanteil. MG gehört zudem zu den zehn meistverkauften Marken in der EU.

Produktion künftig auch in Europa

Experten gehen davon aus, dass sich die Statistik weiter verändern wird, sobald chinesische Hersteller beginnen, eigene Produktionsstätten in der EU zu eröffnen und Teile ihrer Modelle lokal herzustellen, wodurch Einfuhrzölle keine Rolle mehr spielen. BYD kündigte Anfang September an, in den kommenden sechs Monaten drei bis vier neue Plug-in-Hybride auf den Markt zu bringen. Ab 2028 sollen für die EU bestimmte Elektrofahrzeuge in der Region hergestellt werden. Bereits in diesem Jahr soll die BYD-Fabrik in Ungarn in Betrieb gehen, 2026 ist die Eröffnung einer weiteren Produktionsstätte in der Türkei geplant.

Die aktuellen Entwicklungen auf dem europäischen Automobilmarkt zeigen, wie stark Hybridfahrzeuge und elektrische Modelle an Bedeutung gewinnen, während klassische Verbrenner an Marktanteilen verlieren. Für Deutschland bedeutet dies sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Einerseits müssen heimische Hersteller ihre Modelle weiter an die steigende Nachfrage nach Hybridfahrzeugen und Elektroautos anpassen, andererseits eröffnet die wachsende Präsenz chinesischer Marken neuen Wettbewerb, der Innovation und Produktionsstrategien beeinflussen wird. Die Investitionen in lokale Produktion könnten langfristig dazu beitragen, dass europäische Märkte weniger von Importabhängigkeiten und Zöllen betroffen sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Deutsche kommen nicht zurück - Lufthansa-Airbus fliegt leer von Abu Dhabi nach München
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt europäischen Erdgas-Preis um fast 50 Prozent steigen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der europäischer Erdgas-Preis um fast 50 Prozent nach Produktionsstopp. Analysten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...

DWN
Technologie
Technologie Blackout-Vorsorge: Notstromlösung mit Solaranlagen auf Balkon oder Dach – was dabei wichtig ist
02.03.2026

Ein plötzlicher Blackout kann Haushalte und Unternehmen unvorbereitet treffen. Immer mehr Eigentümer setzen deshalb auf eine...