Finanzen

Vorbereitung auf den Reset: Türkei produziert Rekordmenge Gold

In diesem Jahr hat die Türkei bisher so viel Gold produziert wie niemals zuvor. Alleiniger Käufer des gesamten Produktionsmenge ist die Notenbank des Landes, die sich auf einen möglichen neuen globalen Goldstandard vorbereitet.
27.08.2020 18:31
Lesezeit: 3 min
Vorbereitung auf den Reset: Türkei produziert Rekordmenge Gold
Präsident Erdogan setzt vor dem Hintergrund eines drohenden Resets massiv auf Gold. (Foto: dpa) Foto: -

Die Türkei wird dieses Jahr voraussichtlich eine Rekordmenge an Gold produzieren. Einziger Käufer ist die Zentralbank des Landes, die wie bereits in den letzten Jahren das gesamte in dem Land produzierte Gold aufkaufen wird - obwohl der Goldpreis auch weiterhin nahe seinem Allzeithoch von deutlich über 2.000 Dollar handelt.

Die Goldproduktion in der Türkei wird in diesem Jahr voraussichtlich um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 44 Tonnen steigen (aktueller Wert rund 2,8 Milliarden Dollar), so Hasan Yucel, Vorsitzender des türkischen Goldminenverbandes, in einem Interview gegenüber Bloomberg. Das Land ist außerdem derzeit einer der weltweit führenden Käufer des gelben Edelmetalls.

Ein im Jahr 2017 eingeführtes Gesetz gibt der türkischen Zentralbank das Vorkaufsrecht für den Kauf von in dem Land gefördertem Gold zu den vorherrschenden Marktpreisen. "Die Zentralbank ist seit der Gesetzesänderung immer unser einziger Käufer gewesen", sagt Yucel. Dieser Trend werde sich in diesem Jahr wahrscheinlich weiter fortsetzen.

Als der Goldpreis in der Woche bis zum 7. August sein neuestes Allzeithoch von 2075 Dollar pro Unze erreichte, stieg auch der Wert der türkischen Goldreserven auf ein neues Allzeithoch. In den folgenden Wochen verbilligte sich Gold wieder etwas, sodass auch der Wert der türkischen Goldreserven leicht zurückging.

Der Wert der Goldvorräte der türkischen Zentralbank ist im laufenden Jahr sprunghaft angestiegen, während die Zentralbank zugleich ihre Devisenreserven fast bis auf ein 15-Jahres-Tief heruntergefahren hat, um ihre schwächelnde Währung zu stützen. Mit anderen Worten: Die Türkei trennt sich vom Dollar und kauft Gold.

Dieser Trend steigender Goldreserven und fallender Devisenreserven ist in der Türkei bereits seit dem Jahr 2011 zu beobachten.

Die Türken verwenden Gold auch traditionell als Geschenk etwa bei Hochzeiten und Geburten. Traditionell wird es auf dem Großen Basar von Istanbul, einem der ältesten überdachten Märkte der Welt, von Händlern zur Zahlung der Miete verwendet.

Diese traditionelle Bedeutung des Goldes in der Türkei hat dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach dem Edelmetall während der letzten 25 Jahre dort bei etwa 160 Tonnen lag. Es wird erwartet, dass die türkischen Verbraucher auch in diesem Jahr mindestens 150 Tonnen Gold kaufen werden, sagt Yucel.

Zwar sind die Goldreserven der Türkei im Vergleich zu den führenden Staaten wie den USA oder Deutschland noch relativ gering. Doch Stand Ende Juni verfügt die Zentralbank mit Sitz in Ankara nach Angaben des World Gold Council immerhin über 583 Tonnen Goldreserven.

Allein in diesem Jahr hat die Zentralbank bereits rund 170 Tonnen zu ihrem Lagerbestand hinzugefügt - so viel wie keine andere Zentralbank der Welt. Zudem hat die Türkei nach der Großen Finanzkrise wie auch Deutschland und viele andere Staaten ihr Gold von der Federal Reserve Bank of New York und der Bank of England repatriiert.

Gemessen an der Verbrauchernachfrage ist die Türkei weltweit die Nummer 5. Der starke Anstieg des Goldpreises hat die Nachfragen der türkischen Investoren nach dem Metall gesteigert, während sich die Verbrauchernachfrage infolgedessen etwas abgekühlt hat, sagt Yucel, der auch Vorstandsvorsitzender der Goldmineneinheit von Nurol Holding, Tumad Madencilik, ist.

Die Branche habe in den letzten drei Jahrzehnten Investitionen in Höhe von 6 Milliarden Dollar in die Exploration angezogen, so Yucel. Ein kanadisches Bergbauunternehmen, Nurol, Guris Holding und Calik Holding planten, mindestens 100 Millionen Dollar in den westtürkischen Regionen Canakkale und Balikesir oder in der Provinz Artvin im Nordosten des Landes zu investieren.

Die Türkei geht bei den Vorbereitungen auf einen möglichen Reset und einen möglichen neuen globalen Goldstandard anders vor als der Westen. Während die westlichen Zentralbanken massiv Geld drucken, um damit Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu kaufen, nutzt die türkische Zentralbank das von ihr gedruckte Geld, um damit auch im großen Stil Gold zu kaufen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie kann man ganz einfach Etiketten erstellen?

Brady Workstation bietet praktische Etikettengestaltung (Drucken über Desktop - Laptop) für verschiedenste professionelle Anwendungen....

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Schmerzhafte Neubewertung im Softwaresektor und am Kryptomarkt vor dem Hintergrund der Wall-Street-Rekorde
09.02.2026

Die wichtigsten Indizes der Wall Street beendeten den Handelstag am Montag im Plus und hielten den Dow Jones Industrial Average stabil...

DWN
Politik
Politik EU-Emissionshandel ETS: Brüssel lockert Regeln für die Industrie
09.02.2026

Die Europäische Kommission bereitet Anpassungen am EU-Emissionshandel ETS vor. Nach Informationen des Handelsblatts sollen kostenlose...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie steigt nach FDA-Ansage gegen Nachahmer
09.02.2026

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein entschlossenes Vorgehen gegen die massenhafte Produktion illegaler Nachahmungen von Medikamenten...

DWN
Politik
Politik BSW klagt in Karlsruhe: Antrag auf Neuauszählung der Bundestagswahl
09.02.2026

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sucht die Entscheidung in Karlsruhe. Wie die Partei ankündigte, wird sie am 18. Februar Beschwerde...

DWN
Politik
Politik Russlands Krieg gegen Europa beginnt in Litauen: Eine Simulation mit alarmierendem Ergebnis
09.02.2026

Ein militärisches Planspiel simuliert einen russischen Angriff auf Europa über Litauen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ohne entschlossene...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsfaktor Natur: Warum Unternehmen laut Bericht ohne Artenschutz scheitern
09.02.2026

Laut einem neuen IPBES-Bericht aus Manchester ist das Artensterben eine der größten Gefahren für die Wirtschaftswelt. Die Botschaft ist...

DWN
Politik
Politik EU-Ultimatum für Meta: Zwangsmaßnahmen wegen WhatsApp-KI drohen
09.02.2026

Die Europäische Kommission verschärft den Ton gegenüber Meta: Dem US-Tech-Riesen drohen empfindliche Zwangsmaßnahmen, da die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Expo 2035 in Berlin-Brandenburg: Ost-Wirtschaft fordert Weltausstellung
09.02.2026

Die ostdeutsche Wirtschaft macht mobil: 15 Industrie- und Handelskammern fordern die Ausrichtung der Expo 2035 in der Hauptstadtregion. Ein...