Deutschland

Corona-Gesetze: Bundesregierung investiert in die Digitalisierung, nicht in mehr Ärzte

Die Bundesregierung wird angesichts der Corona-Krise Milliarden in Krankenhäuser und Gesundheitsämter investieren. Doch das Geld fließt hauptsächlich in die Digitalisierung des Gesundheitssystems. Mehr Ärzte sollen nicht flächendeckend eingestellt werden.
18.09.2020 11:06
Lesezeit: 2 min
Corona-Gesetze: Bundesregierung investiert in die Digitalisierung, nicht in mehr Ärzte
24.02.2020, Berlin: Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Der Bund wird drei Milliarden Euro in die Modernisierung der Krankenhäuser in Deutschland investieren. Der Bundestag in Berlin billigte am Freitag einen entsprechenden Vorstoß der schwarz-roten Koalition. Auch die FDP-Fraktion stimmte für den Entwurf. Grüne und Linke enthielten sich, die AfD stimmte dagegen. Mit dem Geld sollen die Kliniken vor allem bei der Digitalisierung unterstützt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte im Bundestag, die Krankenhäuser seien „das Rückrat der medizinischen Versorgung“. Der Bund investiere deshalb erstmals seit Jahrzehnten direkt in die Modernisierung der Krankenhäuser, die eigentlich in die Zuständigkeit der Länder fielen. Zusammen mit der erforderlichen Kofinanzierung werde damit im kommenden Jahr so viel wie nie zuvor in die Kliniken in Deutschland investiert, sagte Spahn. Mit dem Geld aus dem „Krankenhauszukunftsfonds“ sollen auch die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert werden. Spahn wörtlich: „Wir senden damit das klare Signal: Deutschlands Krankenhäuser sollen stark bleiben! Wir investieren in ihre digitale Zukunft – weil wir gerade in der Pandemie erfahren haben, wie wichtig gut ausgerüstete und funktionierende Krankenhäuser sind.“

Beim „Great Reset“ spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Das World Economic Forum hatte zuvor eine rasche Digitalisierung der Unternehmen und des Gesundheitssektors gefordert.

Zuvor hatten sich Bund und Länder als eine Konsequenz aus der Coronavirus-Pandemie auf einen Pakt zur Verbesserung des Gesundheitsdienstes geeinigt. „Der Bund stellt dafür vier Milliarden Euro zur Verfügung, die von den Ländern und den Städten und Gemeinden vor Ort und in Landkreisen nun zielgerichtet eingesetzt werden müssen“, sagte Spahn bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vorsitzenden der Ländergesundheitsministerkonferenz, der Berliner Senatorin Dilek Kalayci.

Es habe Defizite bei den Gesundheitsämtern etwa bei der Nachverfolgung von Infizierten gegeben, sagte Spahn. Mit dem Pakt werde auch darauf reagiert. „In einer Pandemie können wir uns das nicht mehr leisten, erst Tage später auch durch diese verzögerten Meldungen eine realistische Lageeinschätzung zu erhalten“, sagte der CDU-Politiker. Drei Milliarden Euro der Förderungen seien für Personalkosten vorgesehen. Die Länder hätten sich verpflichtet, mindestens 1500 neue Stellen zu schaffen. Für die Digitalisierung sollten 800 Millionen Euro ausgegeben werden. Ziel sei ein vernetztes System aller Gesundheitsbehörden vom Robert-Koch-Institut bis zum Gesundheitsamt vor Ort.

Bayerns Ministerpräsident Söder dankte für die Bundeshilfe, mit der 750 neue Stellen in Bayern geschaffen werden könnten - zusätzlich zu den 4000 neuen Stellen, die das Land selbst im Gesundheitssektor neu finanziere. „Noch nie war der öffentliche Gesundheitsdienst so wertvoll wie heute“, fügte er mit Hinweis auf die Corona-Pandemie hinzu. Hamburgs Bürgermeister Tschentscher verwies darauf, dass der Stadtstaat die Gehälter von Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst an die in Krankenhäusern angeglichen habe. Die schlechtere Bezahlung galt bisher als ein Grund, warum etliche offene Stellen nicht besetzt werden konnten.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit, hatte die Bundesregierung durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten Patientendaten gespeichert werden. Ein Widerspruchsrecht auf die Speicherung der Patientendaten gibt es nicht.

Spahn will der gewinnorientierten Gesundheitswirtschaft offenbar die geschützten Daten von 73 Millionen zur Verfügung stellen. Das erschließt sich zumindest aus einer Verordnung zur Neufassung der Datentransparenzverordnung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen im Minus; Trump schießt gegen die Fed
04.09.2026

Spannung an der Wall Street: Was die Märkte jetzt bewegt und warum Anleger aufmerksam bleiben sollten.

DWN
Technologie
Technologie Samsung-Streit: Stadt darf vorerst keine neuen iPads kaufen
04.09.2026

Viele Kommunen setzen bei der Digitalisierung ihrer Schulen auf Tablets von Apple. Doch ein Rechtsstreit mit Samsung zwingt die Stadt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: Die vier wichtigsten Herausforderungen für Apples neuen Chef John Ternus
04.09.2026

Und so beginnt es. John Ternus hat Tim Cook offiziell als Vorstandschef von Apple abgelöst. Und was für ein Imperium er erbt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 41: Die Woche im Rückblick – KW 36
04.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie: Milliardenübernahme von Hugging Face stärkt KI-Geschäft
04.09.2026

Die Nvidia-Aktie rückt nach der Übernahme von Hugging Face erneut in den Fokus. Der Chiphersteller kauft die führende...

DWN
Politik
Politik Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt und stürzt Koalition in Krise
04.09.2026

Der Streit im BSW eskaliert: In Thüringen wollen weitere Abgeordnete die regierungstragende Fraktion und die Partei verlassen. Unter ihnen...