Finanzen

Neuer „Bretton Woods“-Moment: IWF ist der große Antreiber des „Great Reset“

Neben den Mitgliedern des World Economic Forum ist der IWF der wichtigste Antreiber des „Great Reset“. Kritiker meinen, dass der „Great Reset“ kleine Unternehmen zerstören werde. Der IWF spricht hingegen von einem neuen „Bretton Woods-Moment“. Wird der Dollar oder ein digitaler Dollar erneut die Ankerwährung der neuen Währungsordnung?
09.11.2020 16:04
Aktualisiert: 09.11.2020 16:04
Lesezeit: 3 min
Neuer „Bretton Woods“-Moment: IWF ist der große Antreiber des „Great Reset“
Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, die vom US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war. (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Die IWF-Chefin Kristalina Georgieva führt am Ende einer Mitteilung über den „Great Reset“ aus: „Ich möchte mit einem Beispiel aus der Vergangenheit schließen. William Beveridge legte mitten im Zweiten Weltkrieg 1942 seinen berühmten Bericht vor, in dem er projizierte, wie Großbritannien das angehen sollte, was er die ,fünf riesigen Übel‘ nannte. Dieser berühmte ,Beveridge Report‘ führte nach dem Krieg zu einem besseren Land - einschließlich der Schaffung des National Health Service, der heute in Großbritannien so viele Menschenleben rettet. Zu dieser Zeit wurde auch meine Institution, der IWF, gegründet - auf der Bretton Woods-Konferenz. Jetzt ist also der Moment gekommen, um die Seite umzublättern - und alle Kraft zu nutzen, die wir haben. Im Falle des IWF verfügen wir über eine finanzielle Kapazität von einer Billion Dollar und ein enormes politisches Engagement. Das ist der Moment, um zu entscheiden, dass die Geschichte darauf als ,Great Reset‘ und nicht als ,Great Reversal‘ zurückblicken wird. Und ich möchte sagen - laut und deutlich -, dass das beste Denkmal, das wir für diejenigen errichten können, die bei der Pandemie ihr Leben verloren haben, darin besteht, eine Welt zu schaffen, die grüner, intelligenter und gerechter ist.“

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In einer weiteren Erklärung teilt Georgieva mit: „Heute stehen wir vor einem neuen Bretton Woods-Moment. Eine Pandemie, die bereits mehr als eine Million Menschenleben gekostet hat. Eine wirtschaftliche Katastrophe, die die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 4,4 Prozent verkleinern und bis zum nächsten Jahr eine geschätzte Produktion von 11 Billionen US-Dollar abbauen wird. Und unbeschreibliche menschliche Verzweiflung angesichts großer Störungen und zunehmender Armut zum ersten Mal seit Jahrzehnten.“

Einige Tage später, am 18. Oktober, teilte der Makro-Stratege Raoul Pal, über Twitter mit, Georgievas Artikel spiele auf eine „große“ Veränderung des globalen Finanzsystems an. „Wenn Sie nicht glauben, dass die digitalen Währungen der Zentralbank kommen, verpassen Sie das große und wichtige Bild. Dies wird die größte Überarbeitung des globalen Finanzsystems seit Bretton Woods nach sich ziehen. Dieser IWF-Artikel spielt auf eine große Veränderung an, aber es fehlt ihm an wirklicher Klarheit, außer dass er weniger monetäre Mechanismen und viel mehr fiskalische Anreize zulässt. Und morgen veranstaltet der IWF eine Konferenz über digitale Währungen und grenzüberschreitende Zahlungssysteme“, so Pal. Die „ein Prozent“ könnten im Verlauf des „Great Reset“ eine hundertprozentige Kontrolle über den Rest der Menschen erlangen, argumentiert er.

Zudem muss folgende Frage gestellt werden: Wird im Rahmen der neuen Währungsordnung diesmal ein digitaler Dollar die neue Ankerwährung werden? Schließlich wurde im Verlauf des Bretton-Woods-Systems der Dollar als Ankerwährung bestimmt.

Georgieva glaubt von ganzem Herzen, dass die Welt „bis 2050 in Richtung Null Emissionen steuern kann“. Darüber hinaus heißt es in einem am 23. September veröffentlichten Meinungsbeitrag , dass die Gesellschaft in Zukunft weitere „wirtschaftsweite Sperren“ sehen könnte, um den Klimawandel aufzuhalten.

Aus Georgievas Ausführungen kann durchaus gefolgert werden, dass die Wirtschaftseliten im Verlauf des „Great Reset“ ihre Macht und Kontrolle ausbauen werden. Doch das würde zwangsläufig zulasten von kleinen Unternehmen gehen. Die neue Norm wird digitales Geld und digitales Sozialisieren sein, was die Gefahr in sich birgt, dass Kritiker dieser Ordnung leicht verfolgt und vollständig ausgegrenzt werden können, weil unser gesamtes Leben über die Digitalisierung einer totalen Kontrolle unterliegen wird.

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Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum (WEF) wörtlich: „Die COVID-19-Krise betrifft alle Aspekte des menschlichen Lebens auf der ganzen Welt. Aber die Tragödie muss nicht ihr einziges Erbe sein. Im Gegenteil: Die Pandemie bietet eine seltene und zugleich kurze Chance, nachzudenken, unsere Welt neu zu erdenken und neu zu starten, um eine Zukunft mit mehr Gesundheit, Gleichberechtigung und Wohlstand zu schaffen.“

Das WEF teilt mit: „Die Ankündigung des ,Grossen Neustartes‘ (,Great Reset', Anm.d.Red.)wurde von S.K.H. The Prince of Wales und Professor Schwab während eines virtuellen Treffens gemacht, gefolgt von Erklärungen des UN-Generalsekretärs António Guterres und der geschäftsführenden Direktorin des IWF Kristalina Georgieva. Ihre Aussagen wurden von Stimmen aus allen Stakeholdergruppen der Weltgesellschaft unterstützt, darunter Victoria Alonsoperez, Gründerin und Geschäftsführerin von Chipsafer, Uruguay, und ein Young Global Leader; Caroline Anstey, Präsidentin und Geschäftsführerin von Pact, USA; Ajay S. Banga, Geschäftsführer, Mastercard, USA; Sharan Burrow, Generalsekretärin, Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB), Brüssel; Ma Jun, Vorsitzender, Green Finance Committee, China Society for Finance and Banking, und Mitglied des Geldpolitischen Ausschusses der People's Bank of China; Bernard Looney, Geschäftsführer, bp, Vereinigtes Königreich; Juliana Rotich, Venture Partner, Atlantica Ventures, Kenia; Bradford L. Smith, Präsident, Microsoft, USA; und Nick Stern, Vorsitzender, Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment, Vereinigtes Königreich.“

Reuters berichtet, dass der BlackRock-Chef Larry Fink und die Zeitung Financial Times den „Great Reset“ offensiv unterstützen würden. Die Bill & Melinda Gates Foundation, Chandler Foundation, International Budget Partnership, Open Contracting Partnership, Public Service Accountability Monitor unterstützen ebenfalls den „Great Reset“.

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