Politik

Lagebericht Syrien: Türkische Söldner in Hinterhalt gelockt, Israel greift Region Damaskus an

Kurdische Söldner sollen türkische Milizen am Dienstag in einen Hinterhalt gelockt haben. Israel griff syrischen Medienberichten zufolge die Region Damaskus an.
25.11.2020 10:09
Aktualisiert: 25.11.2020 10:09
Lesezeit: 2 min
Lagebericht Syrien: Türkische Söldner in Hinterhalt gelockt, Israel greift Region Damaskus an
24.10.2020, Syrien, Babisqa: Bewaffnete Mitglieder der von der Türkei kontrollierten Miliz "Nationalen Befreiungsfront" nehmen an einer Militärübung in der Region des Berges Zawiya teil. (Foto: dpa) Foto: Anas Alkharboutli

Grafik oben: Aktuelle Situation in Syrien. Rot: syrische Regierung. Grün: Türkei und Söldner. Orange und Gelb: Kurdenmilizen. (Grafik: Wikipedia)

Bei einem mutmaßlichen Luftangriff Israels in Syrien sind Aktivisten zufolge acht mit dem Iran verbündete Milizionäre getötet worden. Die Kämpfer seien mit Teheran und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah verbündet, teilte die in London ansässige, sogenannte "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" mit. Die Luftangriffe südlich von Damaskus hätten militärische Einrichtungen getroffen, darunter auch Waffenlager iranischer Kämpfer und der Hisbollah. Der Iran soll von der Gegend aus Einsätze in Syrien koordiniert haben.

Syrische Staatsmedien berichteten ebenfalls vom Angriff israelischer Kampfflugzeuge. Diese hätten kurz vor Mitternacht am späten Dienstagabend in der Nähe der Hauptstadt Damaskus angegriffen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Es habe lediglich Schäden gegeben, von Opfern war nicht die Rede. Die israelische Armee kommentierte die Berichte nicht.

Erst vor einer Woche hatten israelische Kampfjets mehrere Ziele in Syrien beschossen. Unter anderem wurden dabei Lagerhäuser, Militäreinrichtungen sowie Batterien syrischer Boden-Luft-Raketen angegriffen. Nach syrischen Angaben wurden dabei drei Soldaten getötet. Israel hatte diesen Einsatz bestätigt und von Angriffen auf Ziele gegen iranische und syrische Truppen gesprochen.

Nach Zählung der Beobachtungsstelle flog Israel im Nachbarland dieses Jahr bereits 35 Luftangriffe. Dabei seien fast 200 Verbündete der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad getötet worden. Israel greift in Syrien immer wieder Ziele an. Das Land will den Iran - einen Verbündeten der Assad-Regierung - daran hindern, seinen militärischen Einfluss in der Region auszubauen. Die Spannungen entlang der Grenze Israels mit Syrien sowie dem Libanon hatten in den vergangenen Monaten zugenommen. Im Juli war bei einem mutmaßlichen Raketenangriff Israels in Syrien ein ranghohes Mitglied der Hisbollah getötet worden.

Kämpfe und Explosionen im Norden

Bei zwei Explosionen im Norden des Landes waren am Dienstag zudem mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Bei einem Anschlag im Ort Al-Bab östlich von Aleppo wurden nach Angaben der in London ansässigen, sogenannten „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ fünf Menschen getötet und 19 verletzt. In Afrin nordwestlich von Aleppo seien bei einem Anschlag in der Nähe einer Bäckerei drei Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden, hieß es. Die mit der Türkei verbündeten Söldner, die beide Orte kontrollieren, bestätigten die Explosionen.

Zuvor hatten mit der Türkei verbündete Kämpfer versucht, Stellungen kurdischer Kämpfer von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) in Ain Issa einzunehmen. 21 der mit Ankara verbündeten Kämpfer seien bei einem Hinterhalt der Kurden getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Ein Sprecher der türkisch kontrollierten Söldner der sogenannten Syrischen Nationalen Armee (SNA) berichtete, die SDF hätten in Ain Issa mit Panzerfäusten angegriffen.

Die Türkei war im Oktober 2019 mit verbündeten syrischen Milizen im Norden des Landes einmarschiert. Sie ging dabei gegen die von den SDF angeführten Kurdenmilizen vor und hält seitdem Grenzgebiete besetzt. Ankara sieht in der Miliz einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie als Terrororganisation.

Lesen Sie dazu auch:

Kampf ums Öl in Ost-Syrien: USA und Russland bringen schwere Bodenwaffen in Stellung

Assad: „Europa und USA verhindern die Rückkehr von syrischen Flüchtlingen“

Ordnungsmacht oder Aggressor? Wie ihre geografische Lage die Türkei in ein politisches Dilemma zwingt

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Iran-Krieg wird für Netanyahu zur politischen Falle
22.06.2026

Benjamin Netanyahu drängte Donald Trump zum Krieg gegen Iran. Doch nun droht ausgerechnet dieser Iran-Krieg den israelischen Premier...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fast 400 Jahre Biergeschichte – Brauerei Wolters beantragt Insolvenz
22.06.2026

Die Insolvenz reiht sich in einen bundesweiten Markttrend ein: Anhaltende Absatzschwäche und gestiegene Rohstoff- und Energiekosten machen...

DWN
Politik
Politik Schläge, Mobbing, Übergriffe: Zunehmende Gewalt an deutschen Schulen
22.06.2026

Gewalt an staatlichen Schulen ist in Deutschland trauriger Alltag für viele Schüler und Lehrer. Wie verbreitet Übergriffe, Mobbing und...

DWN
Politik
Politik AfD: Parteigründer Lucke fordert AfD-Grundsatzbeschluss
22.06.2026

Der frühere Vorsitzende Bernd Lucke kritisiert den Umgang mit seiner ehemaligen Partei - fordert aber auch einen großen Schritt der AfD....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
22.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Kliniksterben: Marienhospital insolvent - Jede zweite Klinik vorm Aus
22.06.2026

Marienhospital in Stuttgart vorm Aus: So könnte es jeder zweiten Klinik im Land ergehen. Was der Chef des Krankenhausverbands zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung: Warum die Euphorie am Goldmarkt kippte
22.06.2026

Was ist das: Es steigt mit dem Dröhnen eines Düsenflugzeugs in die Höhe, fällt aber lautlos wie ein Segelflugzeug? Es war in aller...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand am Limit: Mit Lean Management und KI aus der Produktivitätsfalle
22.06.2026

Fachkräftemangel, Kostendruck, Bürokratie: Warum der Mittelstand jetzt umdenken muss. Und wie Lean Management und KI 2026 zum stärksten...