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Vielleicht werden sich die CDU-Wähler in wenigen Jahren Merkel zurückwünschen

Lesezeit: 2 min
02.01.2021 18:08  Aktualisiert: 02.01.2021 18:08
Armin Laschet liebäugelt mit Schwarz-Gelb, der konservative Hoffnungsträger Röttgen outet sich als Fan von Jens Spahn und Friedrich Merz versucht, populistische Themen aufzugreifen, um ins Rampenlicht zu treten. Die CDU ist zu einem Sammelbecken von Karrieristen geworden, so der Eindruck. Vielleicht wird sich der eine oder andere Wähler in wenigen Jahren Merkel zurückwünschen.
Vielleicht werden sich die CDU-Wähler in wenigen Jahren Merkel zurückwünschen
Ein politischer Mottowagen mit den Figuren von den Politikern Röttgen, Laschet, Merz und Spahn in Hoden fährt beim Rosenmontagszug. (Foto: dpa)

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Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Armin Laschet, wünscht sich eine starke FDP im nächsten Bundestag, äußerte sich zu den Grünen aber zurückhaltender. „Ich regiere seit 2017 in Nordrhein-Westfalen mit der FDP erstens aus Überzeugung, zweitens mit Freude und drittens - so glaube ich, sagen zu können - ziemlich erfolgreich“, sagte der Düsseldorfer Ministerpräsident der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Ich wünsche mir eine starke FDP im nächsten Bundestag“. Der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck sei zwar „menschlich sympathisch, politisch trennt uns allerdings einiges“. Das gelte auch für die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock. Bei der Frage nach der Zukunft Europas habe er viele Übereinstimmungen mit ihr festgestellt. „Aber bei der Kernfrage - wie bleiben wir Industrieland und schaffen die Energiewende? - da stehen wir schon deutlich für andere Ansätze“, zitiert die dpa Laschet.

Wie Laschets Aussagen gedeutet werden sollten, dürfte auf der Hand liegen. Er spielt offenbar mit dem Gedanken, dass in der Post-Merkel-Ära eine schwarz-gelbe Regierung die Geschicke des Landes bestimmen soll. Einer aktuellen Umfrage zufolge würden 35,8 Prozent der Wahlberechtigten für die CDU stimmen, wenn heute Bundestagswahlen wären. 18,1 Prozent würden die Grünen, 16,1 Prozent die SPD, 9,8 Prozent die AfD, 7,9 Prozent die Linke und nur 6,8 Prozent die FDP wählen.

Dass sich Laschet eine Jamaika-Koalition wünscht, ist unwahrscheinlich, zumal er sich sehr höflich von den Grünen distanziert hat. Die CDU noch klären, wer die Partei in den kommenden Jahren als Vorsitzender anführen soll. Die Frage um den Kanzlerkandidaten muss ebenfalls geklärt werden. In der Vergangenheit hatte Norbert Röttgen sehr gute Karten, den CDU-Partei-Vorsitz und vielleicht sogar die Kanzlerkandidatur zu erringen. Röttgen genoss bei der deutschen Bevölkerung Sympathien, weil er in gewisser Weise eine seriöse Alternative zu Jens Spahn darstellte. Doch diese Karte hat er verspielt. In den vergangenen Tagen sagte er: „Wenn ich Vorsitzender werde, wird Jens Spahn weiter eine zentrale Figur in der Partei und in der Regierung sein“. Die Reaktionen auf diese Aussage waren in den sozialen Medien nahezu ausnahmslos negativ. Die konservativ-progressiven Wähler haben sich in Röttgen getäuscht. Offenbar haben sie in ihm etwas gesehen, was es in der Realität niemals gegeben hat – also eine Fata Morgana. Sie wünschten sich eine Reinkarnation von Konrad Adenauer, doch sie bekamen einen „Cheerleader“ für Spahn.

Somit befinden sich auf jeden Fall noch Markus Söder, Armin Laschet und vielleicht auch Jens Spahn im Rennen. Friedrich Merz bringt sich mit weitgehend populistischen Themen ins Gespräch, um die Wähler für sich zu gewinnen – doch ziemlich erfolglos. Vor wenigen Tagen hatte „n-tv“ berichtet: „CDU-Politiker Friedrich Merz fordert, bereits Geimpften ihre Grundrechte zurückzugeben. Auch wenn für andere weiter Einschränkungen gelten“. Diese Forderung des CDU-Politikers löste eine Welle der Empörung aus, was sich sicherlich negativ auf seine Ambitionen ausgewirkt hätte. Doch ihm gelang es, das Ruder noch einmal herumzureißen.

Wenige Tage nach seiner „Impftheorie“ versuchte er, die Instinkte der Bürger zu seinen Gunsten zu instrumentalisieren. Er sprach sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland und Bosnien aus. „Diese humanitäre Katastrophe lässt sich allerdings nicht dadurch lösen, dass wir sagen: Kommt alle nach Deutschland. Dieser Weg ist nicht mehr geöffnet. Die klare Botschaft an die Flüchtlinge wie an die Schlepperorganisationen muss sein: Es ist lebensgefährlich, und es wird keinen Erfolg haben“, so Merz. Er unterfütterte diese Aussage mit der berechtigten Forderung, dass auch die anderen EU-Staaten eine Verpflichtung hätten, Flüchtlinge aufzunehmen. Allerdings hat Merz – Fuchs der er ist – sicherlich gewusst, dass sich die Medien auf den ersten polarisierenden Teil seiner Aussage stürzen würden, um im wirtschaftlichen Eigeninteresse möglichst viele Leser anzuziehen.

Es wird sich zeigen, wer sich am Ende innerhalb der CDU durchsetzen wird. Wie Angela Merkel diese bunte Partei aus Karrieristen, Pseudo-Konservativen, „Neue Mitte“-Fetischisten und Ewiggestrigen zusammenhalten konnte, wird wohl für immer ein Mysterium bleiben.

Und wer weiß: Vielleicht wird sich der eine oder andere Wähler in wenigen Jahren Merkel zurückwünschen.


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