Politik

Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Lesezeit: 5 min
02.03.2021 09:00
Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen nach.
Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat schon viel erlebt. (Foto: dpa)
Foto: Michael Kappeler

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  • 16. Mai 1980: Jens Georg Spahn wird in Ahaus (westliches Münsterland) geboren.
  • 1999: Jens Spahn legt das Abitur ab.
  • 2001: Jens Spahn beendet seine Ausbildung zum Bankkaufmann.
  • 2002: Jens Spahn nimmt ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf, bricht dieses nach kurzer Zeit jedoch wieder ab.
  • 2002: Jens Spahn zieht als gewählter CDU-Abgeordneter des Wahlkreises „Steinfurt I – Borken I“ mit 51,2 Prozent der Wahlstimmen in den Bundestag ein.
  • 2003: Jens Spahn nimmt ein Studium der Politikwissenschaften an der Fernuniversität Hagen auf. 2008 erwirbt er seinen Bachelor, 2017 seinen Masters.
  • 2005: Jens Spahn wird stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Gesundheit“ der CDU-CSU-Bundestagsfraktion und Obmann der CDU-CSU-Fraktion im Gesundheits-Ausschuss.
  • 2006: Jens Spahn gründet mit seinem damaligen Büroleiter Markus Jasper und dem befreundeten Max Müller (später Chefstratege bei „DocMorris“, seit April 2020 Leiter der Abteilung „Public Affairs Deutschland und EU“ bei Bayer) eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (Gbr), der die Agentur „Politas“ gehört, die primär Klienten aus den Bereichen Medizin und Pharma berät.
  • 2009: Jens Spahn wird Mitglied des Verwaltungsrats der Sparkasse Westmünsterland (und hat diesen Posten bis 2015 inne).
  • 2010: Jens Spahn verkauft seine 25-prozentige Beteiligung an Politas.
  • 2012: Jens Spahn sagt dem Fokus in Sachen Politas: „Einen Interessenkonflikt hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben.“
  • 2012: Jens Spahn und Johannes Singhammer (damals stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, zuständig unter anderem für Gesundheit) verfassen gemeinsam ein Positionspapier der CDU/CSU gegen die von den Grünen vorgeschlagene Bürgerversicherung. Laut „Leipziger Volkszeitung“ ist dieses Positionspapier fast komplett vom „Verband der Privaten Krankenversicherung“ (PKV) abgeschrieben.
  • 2012: Jens Spahn durchläuft als sogenannter „Young Leader“ das Förderprogramm für junge deutsche und amerikanische Führungskräfte der Atlantik-Brücke, eines Vereins, dessen Ziel die Intensivierung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit ist.
  • 2014: Jens Spahn wird ins Bundespräsidium der CDU gewählt.
  • 2015: Jens Spahn wird Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen (und hat diesen Posten bis 2018 inne).
  • Dezember 2017: Jens Spahn heiratet im barocken Wasserschloss Borbeck in Essen seinen Freund Daniel Funke, Journalist und Chef-Lobbyist für das Medienunternehmen Burda. Zwei Jahre zuvor hatte Spahn der Rheinischen Post gesagt: „Schon denkbar, dass wir auch einmal Kinder haben.“
  • 2018: Jens Spahn wird Bundesminister für Gesundheit.
  • 2018: Jens Spahn sagt: „Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden.“
  • 2018: Jens Spahn sagt: „Hartz IV bedeutet keine Armut.“ Es sei klar, „dass unser Sozialsystem tatsächlich für jeden ein Dach unter dem Kopf vorsieht.“ Und weiter: „Mit Hartz IV hat jeder, was er zum Leben braucht.“
  • 2018: Jens Spahn trifft sich zu einem privaten Abendessen mit dem umstrittenen US-Botschafter Richard Grenell und führt in anschließend durch den Reichstag. Fotos der beiden plus ihrer jeweiligen Partner sowie Grenells Hündin Lola werden in großer Zahl im Internet veröffentlicht. Wegen seiner – für einen Diplomaten äußerst ungewöhnlichen – zahlreichen Vorwürfe gegenüber der Bundesrepublik gerät Grenell hierzulande schwer in die Kritik; unter anderem verlangen Sarah Wagenknecht und Wolfgang Kubicki die Ausweisung des Top-Diplomaten.
  • 2018: Jens Spahn reist nach Washington, wo er sich mit dem Sicherheitsberater von Donald Trump, John Bolton trifft.
  • 2019: Jens Spahn sagt der Rheinischen Post: „Es gibt gute Chancen, dass wir in zehn bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben.“ Die „Deutsche Stiftung Patientenschutz“ spricht von „unverantwortlichen Äußerungen“.
  • 2019: Jens Spahn setzt in seiner Funktion als Gesundheitsminister durch, dass die „gematik“, die für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens zuständig ist, mehrheitlich vom Bundesgesundheitsministerium kontrolliert wird.
  • Jens Spahn macht den Mediziner Markus Leyck Dieken zum Geschäftsführer der „gematik“. Dr. Wolfgang Wodarg, Vorstandsmitglied von „Transparency Deutschland“, sagt: „Mit der Berufung von Leyck Dieken zerstört Spahn das Vertrauen in seine Pläne für die elektronische Patientenakte. Erst überrumpelt der Minister mit der Gematik-Übernahme den Bundestag und die Selbstverwaltungsorgane des Gesundheitswesens, um dann der Pharma-Industrie dort den Führungsposten zuzuschieben. Damit wird der Bock zum Gärtner gemacht.“
  • Januar 2020: Jens Spahn erklärt in Sachen Corona: „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund.“
  • Februar 2020: Jens Spahn spricht in Sachen Corona im Gesundheitsausschuss des Bundestags von einer „zurzeit irrealen Vorstellung“.
  • Februar 2020: Jens Spahn sagt, man könne nicht „das gesamte öffentliche Leben in Deutschland, Europa und der Welt beenden“.
  • März und April 2020: Jens Spahns Ministerium garantiert jedem Lieferanten, FFP-2-Masen zum Stückpreis von 4,50 Euro und OP-Masken zu jeweils 60 Cent abzunehmen, in einer beliebigen Menge, ab 25.000 Stück. Insgesamt bestellt das Ministerium Masken im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro. Doch viele der bestellten Masken werden den Lieferanten – wegen angeblich mangelhafter Qualität – nicht abgenommen. Derzeit laufen Klagen gegen das Ministerium, bei denen es teilweise um Summen im hohen zweistelligen Millionen-Bereich geht.
  • Frühjahr 2020: Jens Spahn sagt im Bundestag: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Den Begriff „wir“ benutzt er danach noch mehrmals. Von mehreren Seiten werden Stimmen laut, die Spahn vorwerfen, möglichen Kritiken zuvorzukommen und von eigenen Fehlern abzulenken.
  • April 2020: Jens Spahn gibt dem US-Sender CNBC ein langes Interview. Die Amerikaner sind beeindruckt von der vergleichsweise geringen Zahl von Corona-Toten in Deutschland. Spahn begründet das unter anderem mit dem Umstand, dass sich das deutsche Gesundheitssystem „in sehr gutem Zustand“ befinde und eine „Erfolgsgeschichte“ sei.
  • September 2020: Jens Spahn sagt: „Man würde mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen … das wird nicht noch mal passieren.“
  • Oktober 2020: Jens Spahn sagt in einem Interview mit dem Sender RTL: „Wir werden jedenfalls nicht solche Maßnahmen brauchen wie im Frühjahr, weil wir heute auch mehr wissen; wir wissen, dass wir im Einzelhandel, bei Friseuren, im öffentlichen Nahverkehr, auch im Flugzeug mit AHA-Regeln (Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske) und gegenseitiger Rücksicht, keine Ausbrüche haben."
  • 20. Oktober 2020: Jens Spahn nimmt in Leipzig kurz vor Beginn des zweiten Lockdowns an einem Abendessen mit zwölf Personen (darunter viele Unternehmer teil). Im Vorfeld waren die Teilnehmer von dem Gastgeber aufgefordert worden, 9.999 Euro für Spahns Bundestagswahlkampf zu spenden (ab 10.000 Euro müssen Spendernamen veröffentlicht werden). Am Morgen des selben Tages hatte Spahn die Bürger ermahnt, dass Ansteckungen hauptsächlich „beim Feiern, beim Geselligsein“ geschähen.
  • 21. Oktober 2020: Jens Spahn wird positiv auf Corona getestet
  • Dezember 2020: Jens Spahn ist laut der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Kantar“ für die "Bild am Sonntag" der beliebteste deutsche Politiker. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Menschen in Deutschland hoffen für das Jahr 2021 auf eine „möglichst große Wirkung“ Spahns in der Politik.
  • Januar 2021: Jens Spahn sondiert laut „Spiegel“-Recherchen seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur bei den Bundestagswahlen 2021. Unter anderem soll er versucht haben, in Telefonaten mit diversen CDU-Politikern herauszufinden, wie diese zu einer möglichen Spahn-Kandidatur stünden, wobei er auf seine guten Umfragewerte hingewiesen haben soll. Weiter berichtet der „Spiegel“, Spahn habe versucht, Laschet zu einer Aufgabe von dessen Kandidatur zu bewegen.
  • Januar 2021: Jens Spahn sagt: „Ich habe im Februar entschieden, mit Armin Laschet im Team anzutreten, mit ihm als Kandidat für den Vorsitz. Das gilt.“
  • Januar 2021: Jens Spahn blendet sich auf dem digitalen CDU-Parteitag während einer Delegierten-Fragerunde überraschenderweise auf dem großen Saal-Bildschirm ein. Statt sich mit einer Frage an die drei Kandidaten zu richten, die sich für das Amt des CDU-Vorsitzenden bewerben, lobt er in höchsten Tönen Armin Laschet (wobei er viermal von „Armin und ich“ spricht) und erwähnt Friedrich Merz und Norbert Röttgen mit keinem Wort. Anschließend wird er zu einem der fünf stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, erzielt allerdings das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten.
  • 16. Februar 2021: Jens Spahn verkündet, dass ab dem 1. März alle Bürger kostenlose Corona-Schnelltests in Anspruch nehmen können.
  • 23. Februar 2021: Jens Spahn verkündet, dass die Tests doch nicht am 1. März angeboten werden. Vielmehr soll das Thema in den Bundes-Länder-Gesprächen am 3. März besprochen werden.
  • Februar 2021: Jens Spahn antwortet einem Journalisten, der ihn auf der Bundespressekonferenz fragt, ob die Angehörigen derer, die jetzt noch sterben, weil nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht, den Verantwortlichen wohl verzeihen könnten, mit folgenden Worten: „Wenn Sie so fragen, dann ist das das Ende jeder Debatte.“
  • Februar 2021: Jens Spahns Umfragewerte sind innerhalb von zwei Monaten massiv abgestürzt. Laut einer repräsentativen Umfrage des „Insa-Instituts“ für „Bild am Sonntag“ sind genau doppelt so viele Menschen (56 Prozent) mit Spahns Arbeit „eher unzufrieden“ wie Menschen mit seiner Arbeit „eher zufrieden“ sind (28 Prozent).


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