Politik

Dänemark erklärt Teile Syriens für sicher: Druck auf Flüchtlinge wächst

Dänemark hat Teile Syriens für sicher erklärt und einigen Flüchtlingen die Aufenthaltserlaubnis entzogen.
06.03.2021 16:05
Lesezeit: 1 min

Dänemark hat 94 Flüchtlingen ihre Aufenthaltserlaubnis entzogen. Der Schritt erfolgte, nachdem die dänische Regierung beschlossen hatte, das von ihr als sicher erachtete Gebiet Syriens um das Gouvernement Rif Dimashq zu erweitern - ein Gebiet, das die Hauptstadt Damaskus umfasst.

Nach Angaben der Nachrichtenplattform "Arab News" sagte die dänische Regierung, die 94 Menschen würden in dänische Abschiebelager geschickt, aber sie seien nicht gezwungen, das Land zu verlassen. Menschenrechtsgruppen befürchten jedoch, dass sich die Flüchtlinge gezwungen fühlen könnten, aus Dänemark auszureisen.

Der dänische Einwanderungsminister Mattias Tesfaye bestand letzten Monat darauf, dass das skandinavische Land laut der britischen Tageszeitung „The Telegraph“ von Anfang an offen und ehrlich im Hinblick auf die Situation syrischer Flüchtlinge gewesen sei. „Wir haben den syrischen Flüchtlingen klar gemacht, dass ihre Aufenthaltserlaubnis nur vorübergehend ist. Sie kann entzogen werden, wenn kein Schutz mehr benötigt wird“, wird Tesfaye von der Zeitung zitiert.

Der Minister betonte, dass Dänemark so lange wie nötig Schutz bieten würde, aber „wenn sich die Bedingungen im Heimatland verbessern sollten, sollte ein ehemaliger Flüchtling nach Hause zurückkehren und dort wieder ein Leben aufbauen“.

Im vergangenen Dezember ist auch das generelle Abschiebeverbot Deutschlands nach Syrien abgelaufen. Allerdings können ausschließlich Syrer abgeschoben werden, die Straftaten begangen haben oder ein ernstes Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen. Dänemark ist das erste Mitglied der Europäischen Union, das erklärt, dass gesetzestreue Flüchtlinge nach Syrien zurückgeschickt werden können.

Menschenrechtsgruppen haben die neue dänische Politik scharf kritisiert. „Dass die dänische Regierung versucht, die Menschen wieder in die Hände dieses brutalen Regimes zu zwingen, ist ein entsetzlicher Verstoß gegen das Flüchtlingsrecht und das Recht der Menschen, vor Verfolgung geschützt zu sein. Diese rücksichtslose Verletzung der dänischen Asylpflicht birgt auch das Risiko, dass andere Länder zunehmend Anreize haben, ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber syrischen Flüchtlingen aufzugeben“, sagte Steve Valdez-Symonds, Direktor für Flüchtlings- und Migrantenrechte bei "Amnesty International UK", der Zeitung „The Independent“.

Die jüngste Entscheidung, das Gebiet von Rif Dimashq als sicher zu erklären, bedeutet, dass weitere 350 syrische Staatsangehörige (von insgesamt 1.250 syrischen Flüchtlingen in Dänemark) einer Neubewertung unterzogen werden müssen, was zu einem Widerruf ihres Schutzstatus´ und ihrer Aufenthaltserlaubnis führen könnte.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Trump verdient Milliarden im Amt: Wie das Präsidentenamt zur Geldquelle wird
10.01.2026

Das Weiße Haus ist traditionell mit politischer Macht verbunden, nicht mit privater Vermögensmehrung. Doch in welchem Ausmaß wird das...

DWN
Politik
Politik Emissionshandel: CO2-Zertifikate bringen Deutschland 21,4 Milliarden Euro ein
10.01.2026

Mit CO2-Zertifikaten kaufen Unternehmen die Erlaubnis, Treibhausgase auszustoßen. Damit finanziert werden Klimaschutz und Energiewende....

DWN
Finanzen
Finanzen Nachhaltigkeitsfinanzierung: Wie grüne Kriterien die Finanzwelt grundlegend verändern
10.01.2026

Wer heute Geld von einer Bank möchte, muss mehr liefern als gute Zahlen. Klimadaten, Energieverbrauch und CO2-Bilanzen entscheiden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bahnchefin Evelyn Palla: Ein schwieriger Start an der Konzernspitze
10.01.2026

Seit 100 Tagen steht Bahnchefin Palla an der Spitze der Deutschen Bahn. Große Erwartungen, harte Einschnitte und wenig spürbare...

DWN
Panorama
Panorama CES 2026 in Las Vegas: Wenn KI den Alltag übernimmt
10.01.2026

Auf der CES 2026 in Las Vegas zeigen Konzerne, wie tief Künstliche Intelligenz bereits in Geräte, Fabriken und Visionen eingreift. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort
10.01.2026

Nord- und Ostsee werden stetig wärmer: 2025 erreichte die Nordsee die höchste und die Ostsee die zweithöchste Temperatur seit Beginn der...

DWN
Panorama
Panorama Ukraine-Krieg: Tschechien will Granaten-Initiative für Ukraine weiterführen
10.01.2026

Mehr als vier Millionen Schuss Munition hat Kiew durch eine Prager Initiative erhalten. Überraschend will der neue Regierungschef Andrej...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...