Finanzen

Ein Finanz-Bollwerk: Deutsche Bank legt besten Jahresstart seit 2014 hin

Nach dem besten Jahresstart seit 2014 wächst bei Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Zuversicht.
28.04.2021 11:29
Lesezeit: 2 min

Nach dem besten Jahresstart seit 2014 wächst bei Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Zuversicht. "Wir können nicht nur auf ein hervorragendes Quartal zurückschauen, auch der Ausblick stimmt optimistisch", sagte der 51-Jährige am Mittwoch. Dank der aufgehellten Konjunkturaussichten und des weltweiten Börsen-Booms hob er die Ziele für das Gesamtjahr an. Anleger und Analysten waren erfreut, die Aktien sprangen um mehr als sechs Prozent in die Höhe und waren Spitzenreiter im Dax.

"Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass unsere Bank wieder nachhaltig profitabel wird", schrieb Sewing in einem Brief an die knapp 85.000 Mitarbeiter des Konzerns. Im ersten Quartal verdiente das größte deutsche Geldhaus unter dem Strich 908 Millionen Euro nach einem Verlust von 43 Millionen Euro vor Jahresfrist. Es war der höchste Quartalsgewinn seit Anfang 2014 und acht mal mehr als die Bank im ganzen Jahr 2020 verdiente. Haupttreiber war erneut das Investmentbanking, aber auch das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung übertrafen die Erwartungen der Analysten.

Die Konzernerträge legten um 14 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu, gleichzeitig sanken die Kosten. Vor Steuern erzielte das Institut ein Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro nach einem Plus von 206 Millionen Euro vor Jahresfrist. "Die schlechten Jahre könnten vorüber sein und der einstige Branchenprimus sich zwar noch am Anfang, aber zumindest wieder auf dem sehr langen Weg zurück zu altem Glanz befinden", sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Brokerhaus CMC Markets. Auch die Experten von JPMorgan und der Citigroup äußerten sich positiv. Sie rechnen aber weiter damit, dass das Ziel einer Eigenkapitalrendite von acht Prozent bis Ende 2022 nicht erreicht wird. Im ersten Quartal kam die Bank auf eine Rendite von 7,4 Prozent - eine massive Verbesserung im Vergleich zu den 0,2 Prozent Ende 2020.

"Die Ergebnisse bestärken uns in unserer Erwartung, dass wir unsere Ziele für 2022 erreichen werden", zeigte sich Sewing demonstrativ optimistisch. Die Konzernerträge sollen dieses Jahr unverändert bleiben bei 24 Milliarden Euro. Bislang war die Bank von geringeren Erträgen ausgegangen. "Wir sehen immer mehr Indikatoren dafür, dass sich ein erheblicher Teil unseres Ertragswachstums in der Investmentbank seit 2019 als nachhaltig erweisen wird", sagte Sewing. Zudem seien die Belastungen durch die niedrigen Zinsen im Privat- und Unternehmenskundengeschäft allmählich weniger stark. Die Risikovorsorge soll mit rund 1,2 Milliarden Euro um etwa 600 Millionen Euro geringer sein als vergangenes Jahr. Im ersten Quartal fiel sie um 86 Prozent auf 69 Millionen Euro.

Es bleibe abzuwarten, ob diese Risikovorsorge reiche, räumte Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ein. Grundsätzlich erweise sich die Strategie aber als richtig. "Die Mitte 2019 von Herrn Sewing und seinen Kollegen eingeleitete Neuausrichtung der Deutschen Bank trägt konstant Früchte." Durch den Umbau fallen 18.000 Jobs weg.

Im Gegensatz zu Rivalen wie Credit Suisse und UBS blieb die Deutsche Bank von der Pleite des Hedgefonds Archegos verschont. Sie ist aber indirekt vom Kollaps der Bremer Greensill Bank betroffen und muss den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken wieder mitauffüllen. Daher rechnet sie in den kommenden Quartalen mit höheren Kosten. Auch durch Beiträge für den Europäischen Abwicklungsfonds könnten Zusatzbelastungen auf die Bank zurollen. Bislang hat Sewing für Ende 2022 Kosten von 16,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, also 4,5 Milliarden Euro weniger als Ende 2020.

Besonders gut lief es im ersten Quartal erneut im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen sowie in der Beratung bei Börsengängen. Teilweise waren die Zuwächse höher als bei den US-Wettbewerbern wie Goldman Sachs und JPMorgan. Die Erträge in der Investmentbank kletterten um ein Drittel auf 3,1 Milliarden Euro. Dagegen stagnierten die Einnahmen in der Privatkundensparte bei 2,2 Milliarden Euro, im Firmenkundengeschäft gingen sie um ein Prozent zurück auf 1,3 Milliarden Euro. Die Gewinne in den Geschäftsbereichen legten aber dank weniger Risikovorsorge zu.

Die Fonds-Tochter DWS verzeichnete ein Plus von 39 Prozent auf 249 Millionen Euro beim Vorsteuergewinn. Das verwaltete Vermögen stieg auf einen Rekordwert von 820 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die XRP-Preise stiegen, und XRP-Inhaber verdienten über 10.000 US-Dollar pro Tag durch FORT Miner Hashrate-Verträge.

Mit der jüngsten Erholung der XRP-Preise hat sich die Risikobereitschaft am Markt entsprechend verbessert. Kapital fließt wieder in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geschäftsbericht: Weshalb Glaubwürdigkeit über den Geschäftserfolg entscheidet
15.01.2026

Geschäftsberichte gelten oft als lästige Pflicht. Doch hinter Tabellen und Kennzahlen entscheidet sich, ob Unternehmen glaubwürdig...

DWN
Technologie
Technologie Schranken für anzügliche KI-Bilder bei Musk-Chatbot Grok
15.01.2026

Elon Musks Chatbot Grok sorgte für internationale Empörung, weil Nutzer Frauen und Minderjährige in durchsichtigen Bikinis darstellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft wächst 2025 leicht trotz Zollstreit
15.01.2026

Nach zwei Rezessionsjahren hat Europas größte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr wieder ein kleines Plus erzielt. Ein wirklicher...

DWN
Finanzen
Finanzen Memecoin im Faktencheck: Warum eine langfristige Anlagestrategie wichtig ist
15.01.2026

Digitale Anlageformen senken Einstiegshürden, verschärfen aber Bewertungsrisiken. Wie können Anleger langfristig investieren, ohne...

DWN
Finanzen
Finanzen Ray Dalio warnt: 38 Billionen US-Dollar Schulden und "wirtschaftlicher Herzinfarkt" der USA
15.01.2026

38 Billionen US-Dollar Staatsschulden belasten die USA wie ein Damoklesschwert. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, warnt vor...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr in Grönland: Europas Antwort auf Trumps Machtanspruch
15.01.2026

Grönland rückt ins Zentrum eines geopolitischen Machtkampfs. Nach einem gescheiterten Krisengespräch zwischen Washington, Kopenhagen und...

DWN
Panorama
Panorama Sorge vor Blackout: Mehrheit der Deutschen legt Vorräte für Krisen an
15.01.2026

Tagelang waren rund 100.000 Menschen in Berlin bei Frost ohne Strom und Heizung. Die Befürchtungen sind groß, dass Stromausfälle durch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Staatshaushalt unter Druck: Finanzielle Grenzen der Kriegsfinanzierung rücken näher
15.01.2026

Russlands Kriegswirtschaft erscheint nach außen stabil, gerät jedoch zunehmend unter fiskalischen Druck. Wie lange kann das System hohe...