Deutschland

Spahn-Knaller mit Kalkül: Weitreichende Lockerungen gibt es nur bei Inzidenz unter 20

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat als Zielmarke eine Inzidenz von unter 20 ausgegeben, damit es im Sommer weitreichende Lockerungen der Corona-Regeln geben kann. Er verbindet den Anstieg von Inzidenzzahlen erneut mit ethnischen Minderheiten, um die Deutschen für seinen Plan einzuspannen. Ein geschickter Schachzug, um die epidemische Notlage, und damit seine gesonderten Machtbefugnisse beizubehalten.
23.05.2021 12:25
Aktualisiert: 23.05.2021 12:25
Lesezeit: 1 min
Spahn-Knaller mit Kalkül: Weitreichende Lockerungen gibt es nur bei Inzidenz unter 20
Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, gibt zu den abschließenden Beratungen über drei Gesetzentwürfe aus dem Bundesgesundheitsministerium im Deutschen Bundestag ein Pressestatement ab. (Foto: dpa)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat als Zielmarke eine Inzidenz von unter 20 ausgegeben, damit es im Sommer weitreichende Lockerungen der Corona-Regeln geben kann. Für einen unbeschwerten Sommer müsse die Inzidenz weiter gesenkt werden, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.“ Am Samstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen - laut Robert Koch-Institut bundesweit bei 66,8 (Vortag: 67,3; Vorwoche: 87,3).

Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt, sagte der Minister. „Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern“, sagte Spahn. Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen. Spahn geht hier geschickt vor. Er glaubt, dass die Deutschen sich für alle Pläne der Welt einlullen lassen, wenn man eine Vermengung des eigentlichen Plans mit Argumenten im Zusammenhang mit ethnischen oder religiösen vornimmt. Unrecht hat er nicht. Die „Sündenbock-Taktik“ greift in Deutschland nahezu immer. Spahn will die epidemische Notlage verlängern, um seine Ermächtigung weiterhin beibehalten zu können. Durch eine epidemische Notlage erhält der Spahn weitreichende Macht. Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, Betriebsschließungen und andere Beschränkungen müssten sofort aufgehoben werden, falls die Notlage nicht verlängert werden würde.

Dabei sollten eigentliche vielmehr folgende Fragen aufgeworfen werden:

Sind die Inzidenzzahlen, die uns während der Pandemie präsentiert werden, überhaupt richtig? Sind die restlichen Zahlen, die uns präsentiert werden, richtig? Gab es jemals eine epidemiologische Notlage in Deutschland? Wie viele Menschen haben sich mit Corona infiziert? Wie viele sind an Corona erkrankt? Wie viele sind an (!) Corona verstorben? Es gibt noch zahlreiche weitere Fragen, die beantwortet werden müssen, Herr Spahn. Sie sollten sich angesichts ihrer Verfehlungen, die HIER dokumentiert sind, endlich aus der Politik zurückziehen.

Denn die Mitglieder des Beirats des Bundesgesundheitsministeriums hatten zuvor betont, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat (HIER).

Der DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph hatte zuvor in einem meinungsstarken Artikel ausgeführt: „Wollen wir hoffen, dass sich die Wähler dann ans Frühjahr 2020 zurückerinnern. Wobei es natürlich noch besser wäre, wenn sich Jens Spahn seiner Verantwortung stellen würde. Und zwar heute schon. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal meine Forderung bekräftigen und wiederholen: ,Herr Bundesgesundheitsminister, treten Sie zurück!‘“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Verschärfte Asylregeln: EU erschwert ukrainischen Männern Flucht vor Krieg
31.07.2026

Fast 4,4 Millionen Menschen aus der Ukraine haben bisher in der Europäischen Union Schutz gefunden. Nun erschwert die EU wehrfähigen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl greift in Polen an: 1.500 Filialen sind erst der Anfang
31.07.2026

Die Expansion der deutschen Discounterkette in Polen wird sich deutlich beschleunigen. Obwohl Morgan Stanley vor einem Überangebot an...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Nasdaq legt kräftig zu, während Chip-Ausverkauf zum Stillstand kommt
30.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street am Donnerstag in Bewegung versetzten.

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Warum der Osten gegen Merz rebelliert
30.07.2026

Kaum ist der CDU-interne Streit um die Kabinettsumbildung entschärft, droht Bundeskanzler Friedrich Merz neuer Ärger. Drei ostdeutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...