Wirtschaft

Investment mit Kalkül: Preismanipulator JP Morgan hat 21.000 Tonnen Silber angesammelt

Die US-Großbank JP Morgan hat Unmengen an physischem Silber angesammelt. Wenn in naher Zukunft der Silberpreis explodieren sollte, würde JP Morgan hohe Gewinne einstreichen. Die Bank ist als Silberpreis-Manipulator bekannt. Könnte ein „Silver Squeeze“ den Silberpreis auf über 1.000 Dollar treiben?
08.07.2021 15:20
Aktualisiert: 08.07.2021 15:20
Lesezeit: 2 min

Der „Silver Thursday“ ereignete sich am 27. März 1980. Damals versuchten drei Brüder (Hunt Brothers), den Silbermarkt zu manipulieren. In etwas mehr als einem Kalenderjahr stieg der Silberpreis um 713 Prozent auf knapp 50 Dollar pro Unze, so Andrew Lane in einem Beitrag auf der Webseite „Investing.com“. Damals wurde behauptet, dass die Hunt Brothers 1/3 des weltweiten Silbers in ihrem Besitz hatten, obwohl der Großteil des Silbers als Future-Kontrakte und nicht nur in physischer Form gehalten wurde. „BullionVault“ wörtlich: „Nelson Bunker Hunt veranlasste bewiesenermaßen seinen Bruder Herbert Hunt zu einer Spekulation, bei der sie zusammen mit Geschäftspartnern aus dem Nahen Osten über 280 Millionen Feinunzen Silber kauften und somit versuchten, den Silberpreis in die Höhe zu treiben.“

Mehr zum Thema: Silber: Populistisches Metall für eine populistische Ära

Ihr Ziel war es, enorme Gewinne zu erzielen. Schließlich musste die Derivate-Börse COMEX die sogenannte „Silver Rule 7“ einführen. Investoren wurde ausschließlich erlaubt, Kontrakte von maximal drei Millionen Unzen zu halten. Jeder Investor, der mehr Kontrakte besaß, musste diese bis Februar 1980 verkaufen. Zudem legte die COMEX fest, dass Investoren Sicherheiten für den Kauf von Silber hinterlegen mussten. „Goldbroker.de“ berichtet: „Die COMEX ist der größte Handelsplatz für Goldfutures (Terminkontrakte) und eine Tochtergesellschaft der Chicago Mercantile Exchange, kurz CME. COMEX steht für ,Commodity Exchange' und neben Gold werden hier auch andere Metalle wie Silber, Aluminium und Kupfer gehandelt.“

Im Jahr 1988 wurden die Hunt Brothers wegen Verschwörung mit einer Geldstrafe von 134 Millionen US-Dollar belegt. Sie sollen versucht haben, den Silbermarkt in die Enge zu treiben. Es ist allgemein bekannt, dass auch die Großbanken und vor allem JP Morgan seit Jahren Einfluss auf den Silberpreis nehmen. JP Morgan hat in den letzten Jahren gemeldete 675 Millionen Unzen physisches Silber angesammelt. In Feinunzen sind das knapp 21.000 Tonnen.

Mehr zum Thema: Wie sinnvoll ist es, in Platin oder Palladium zu investieren?

Andere Berichte deuten darauf hin, dass die Mehrheit ihrer Papier-Shorts gedumpt wurde, als der Preis im März 2020 den Tiefststand von knapp über 11 US-Dollar pro Unze erreichte. Wenn dies der Fall gewesen ist, hält JP Morgan jetzt über 130 Millionen Unzen mehr als die Hunt Brothers, als sie versuchten, den Silbermarkt in die Enge zu treiben. Wenn der Silberpreis steigen sollte, wäre niemand auf der Welt besser aufgestellt als JP Morgan, um einen riesigen Gewinn zu erzielen.

Es bleibt unklar, ob JP Morgan mit einem erneuten „Short Squeeze“ auf dem Silbermarkt rechnet. Doch Analysten gehen davon aus, dass im Verlauf des aktuellen Jahres ein derartiges Ereignis erneut auftreten könnte. Die Silbernachfrage von Investoren stieg im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit fünf Jahren, und das Silver Institute erwartet, dass die Investitionsnachfrage dieses Jahr weiter steigen wird (HIER).

Kurzum: Mit dem Silberstapel, den JP Morgan besitzt, verfügt die Bank über das Potenzial, die Aufwärtsbewegung des Marktes auf die gleiche Weise wie die Hunt Brothers zu manipulieren.

Wie sieht es aktuell auf dem Silbermarkt aus? Der Monat Juli scheint ein weiterer Monat mit einer bemerkenswert starken Nachfrage nach Silberlieferungen von der Derivate-Börse COMEX zu werden. Die Liefernachfrage verdoppelte sich im Zeitraum 2017-2019 und explodierte dann im Jahr 2020 auf über 35 Prozent des jährlichen Minenangebots.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handelskrieg mit China vermeiden: Merz fordert Fairness statt Eskalation
21.10.2026

Die EU will sich stärker gegen unfaire Handelspraktiken schützen. Bundeskanzler Friedrich Merz betont jedoch, dass es dabei nicht um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ukraine-Wirtschaft schwächelt: Experten senken Wachstumsprognose deutlich
21.10.2026

Die massiven russischen Angriffe verschlechtern die wirtschaftlichen Aussichten der Ukraine spürbar. Das Wiener Institut für...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Panne: Gesetz gilt plötzlich Monate zu früh
21.10.2026

Eigentlich sollten höhere Tabaksteuern erst 2027 greifen. Doch ein Fehler im Bundesfinanzministerium hat dafür gesorgt, dass die Regelung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Beförderung: Warum Fleiß zur Karrierefalle werden kann
21.10.2026

Mehr leisten, länger bleiben, ständig einspringen: Viele Beschäftigte hoffen, sich damit die nächste Beförderung zu verdienen. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo FH 500 Aero: 500 PS und trotzdem auf Sparkurs
21.10.2026

500 PS, 2.800 Newtonmeter Drehmoment und trotzdem auf Sparkurs: Der Volvo FH 500 Aero soll beweisen, dass schwere Lastwagen nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte nach Russland: Handel weit eingebrochen, aber nicht beendet
21.10.2026

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist der Handel zwischen Deutschland und Russland massiv zurückgegangen. Vor allem die Importe sind nahezu...

DWN
Politik
Politik Europäische Telekomriesen bereiten Gegenangriff auf Starlink vor
21.10.2026

Vier der größten europäischen Telekomkonzerne wollen bei satellitengestützten Mobilfunkdiensten enger zusammenarbeiten. Ziel ist es,...

DWN
Politik
Politik Frankreich steckt mitten im finanziellen Sturm: Kann daraus eine Schuldenkrise werden?
21.10.2026

Frankreich kämpft mit hohen Defiziten, steigenden Zinsen und politischer Unsicherheit. Erinnerungen an die europäische Schuldenkrise...