Finanzen

Russland plant Goldstandard als Befreiungsschlag gegen Fiat-Geldsystem

Alles deutet darauf hin, dass Russland einen nationalen Goldstandard einführen möchte, um sich gegen die finanziellen Sanktionen zu schützen. Moskau plant offenbar als erstes Land einen Befreiungsschlag gegen das internationale Fiat-Geldsystem.
08.03.2022 13:06
Aktualisiert: 08.03.2022 13:06
Lesezeit: 1 min
Russland plant Goldstandard als Befreiungsschlag gegen Fiat-Geldsystem
Goldbarren im Wert von insgesamt mehreren Millionen Euro. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Moskau plant, seine 20-prozentige Steuer auf den Kauf von Edelmetallen durch Privatpersonen abzuschaffen. Gleichzeitig soll der Kauf von US-Dollar mit einer Steuer erschwert werden. Gold würde damit zur letzten Rettungsleine für das bedrohte Privatvermögen russischer Bürger werden. Der Vorstoß könnte den Weg für eine Rückkehr zu einer Art Goldstandard auf nationaler Ebene ebnen.

Lesen Sie auch: Bericht: „Sanktionen werden Euro vernichten, Russland wird Goldstandard einführen“

Dass Moskau auf Gold als Ausweg setzt und nicht auf eine dezentrale Währung wie Bitcoin, hat mehrere Gründe: Moskau fördert das Edelmetall seit vielen Jahren, um sich insbesondere vom US-Dollar finanziell unabhängiger zu machen. Putin kann Gold auch besser kontrollieren als den Finanzfluss von Bitcoin. Seit Tagen fordern die USA, die Russen weitestgehend aus dem Kryptoraum auszuschließen und ihre Konten bei zentralisierten Börsen wie „Coinbase“ einzufrieren.

Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Gold- und Devisenreserven des Landes seit einiger Zeit steigen. Während sich die Reserven Anfang 2018 auf fast 448 Milliarden Dollar beliefen, liegt diese „Kriegskasse“ derzeit bei rund 630 Milliarden Dollar – ein Wachstum von 41 Prozent. „Das würde reichen, um ein Jahr lang alle Importe zu bezahlen, ohne dass Russland etwas exportieren müsste“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Russland plant eigentlich seit dem Jahr 2009, die Rolle des Goldes im internationalen Währungssystem aufzuwerten. Der „Business Insider“ berichtete im Jahr 2009: „Arkady Dvorkevich, der Chef-Wirtschaftsberater des Kreml, sagte, Russland würde die Aufnahme von Goldbarren in die Korbgewichtung einer neuen Weltwährung auf der Grundlage der vom Internationalen Währungsfonds ausgegebenen Sonderziehungsrechte befürworten.“

In einem DWN-Artikel vom 20. November 2021 heißt es: „Die Abschaffung des Billig-Geld-Systems ist nur dann möglich, wenn Währungen durch Gold gedeckt werden. Gleichzeitig steht die Einführung digitaler Zentralbankwährungen unweigerlich bevor. Ergebnis: Wir steuern auf ein System digitaler Zentralbankwährungen mit Golddeckung zu.“

Zuvor hatten die DWN in einer Analyse vom 13. Januar 2021 berichtet: „Nach der Corona-Krise wird der „IMF Coin“ die neue Leitwährung der kommenden Epoche. Er wird voraussichtlich an den US-Dollar gekoppelt sein. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss zunächst das weltweite Fiat-Geld in Form von Krediten vernichtet werden.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...

DWN
Finanzen
Finanzen Stellantis-Aktie im freien Fall: Börse reagiert schockiert – Opel-Mutter Stellantis beendet Elektro-Strategie
06.02.2026

Die Stellantis-Aktie gerät nach einer drastischen Kehrtwende in den USA massiv unter Druck. Milliardenabschreibungen, gestrichene...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Bauerfeind aus Thüringen expandiert: Mit Stützstrümpfen zum Hidden Champion
06.02.2026

Klein, aber fein: Bauerfeind, ein Familienunternehmen und „Hidden Champion“ aus Thüringen. Ob auf Reisen, im Alltag, im Job oder beim...

DWN
Politik
Politik US-Rohstoffpolitik unter Druck: J.D. Vance spricht über neue Ansätze bei seltenen Erden
06.02.2026

Die USA prüfen angesichts ihrer Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen neue außenwirtschaftliche Optionen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ostdeutscher Maschinenbau überrascht: Auftragseingang 2025 deutlich im Plus
06.02.2026

Während der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau insgesamt stagnierte, legte Ostdeutschland 2025 spürbar zu. Nach Angaben des VDMA...

DWN
Politik
Politik Hubig in Den Haag: Heikle Mission zwischen US-Sanktionen und Völkerrecht
06.02.2026

Nach US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof steht Justizministerin Stefanie Hubig in Den Haag vor einer heiklen Aufgabe....

DWN
Politik
Politik Russlands Aktivitäten im Orbit: Wachsende Risiken für Europas Satelliteninfrastruktur
06.02.2026

Russische Aktivitäten im Orbit rücken Europas Satelliten stärker in den Fokus der Sicherheitsbehörden. Welche Risiken ergeben sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsexporte: Bundesregierung genehmigt 12 Milliarden Euro – Kritik an Golfregion-Geschäften
06.02.2026

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr Rüstungsexporte im Umfang von rund 12 Milliarden Euro genehmigt – leicht weniger als in den...