Deutschland

Habecks Gas-Verhandlungen mit Katar stocken - ein schlechtes Omen für die gesamte EU

Möglicherweise werden sich einige Mitglieder der Bundesregierung bald mit Wehmut an die russischen Geschäftspartner zurückerinnern.
13.05.2022 12:00
Aktualisiert: 13.05.2022 12:14
Lesezeit: 1 min
Habecks Gas-Verhandlungen mit Katar stocken - ein schlechtes Omen für die gesamte EU
Wirtschaftsminister Habeck in Katar. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Bei ihrem Bemühen, künftig in großem Umfang Flüssiggas (liquified natural gas - LNG) aus Katar zu beziehen, stößt die Bundesregierung Medienberichten zufolge auf große Schwierigkeiten.

Wie der Focus berichtet, sollen es vor allem drei Streitpunkte sein, die den Abschluss eines Liefervertrages derzeit verhindern.

Problem 1 - Die Vertragsdauer. Die Kataris fordern angeblich, dass sich der Liefervertrag über eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren erstrecken soll. Dies versucht die Bundesregierung zu verhindern, weil ein auf Jahrzehnte angelegter Gas-Bezug dem Ziel der Dekarbonisierung der Wirtschaft (geplant ist ein Rückgang der CO2-Emissionen bis 2040 um fast 88 Prozent) zuwiderlaufen würde.

Problem 2 - keine Weiterleitung: Katar fordert, dass Deutschand das erhaltene LNG nicht an andere Staaten weiterleiten darf. Das lehnt Berlin ab, weil es gerade Teil der Strategie der EU ist, dass sich die Mitgliedsstaaten bei ihrem Bestreben, sich von russischen fossilen Energieimporten unabhängig zu machen, in Zukunft verstärkt gegenseitig aushelfen.

Problem 3 - woran orientiert sich die Preisbildung?: Der Focus berichtet: „Ein dritter Streitpunkt ist die Frage, woran der Gaspreis in Zukunft gekoppelt sein soll. Katar will eine Bindung an den Öl-Preis. Deutschland plädiert für eine Kopplung an einen europäischen Gas-Index. Felix Booth, Flüssiggasexperte bei Vortexa, sagt dazu: ‚Katar hat die Hebel in der Hand. Am Ende wird Deutschland auf die Bedingungen eingehen müssen, um die Versorgung zu sichern. Heißt: Eine Bindung an den Öl-Preis, was zu einer hohen finanziellen Belastung für Deutschland führen wird.‘ Flüssiggas ist ohnehin deutlich teurer als das billige russische Gas.“

Fazit: Da im Markt für LNG die Nachfrage inzwischen deutlich das Angebot übersteigt, sitzen Produzenten wie Katar, die USA, Australien oder Algerien am längeren Hebel und können die Bedingungen der Lieferverträge faktisch diktieren. Auf Deutschland kommen deshalb massive Preissteigerungen beim Energiebezug zu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Was soll künstliche Intelligenz, wenn sich die EU nicht einmal auf den Saftkarton einigen kann?
25.08.2026

Europa will bei künstlicher Intelligenz mit den USA und China konkurrieren. Doch im eigenen Binnenmarkt scheitern Unternehmen noch immer...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
25.08.2026

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten...

DWN
Immobilien
Immobilien Steuerfalle Immobilienerbe: Entscheidend ist der Todestag
25.08.2026

Der Umzug war vorgesehen, die Wohnung sollte bald zum gemeinsamen Zuhause werden. Doch dann starb der Eigentümer unerwartet. Seine Witwe...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
25.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutz-Aktie: Analysten sehen noch viel Luft nach oben
25.08.2026

Die Deutz-Aktie springt auf ein Dreimonatshoch – und zwei Analysten sehen noch deutlich mehr Potenzial. Die geplante FFG-Übernahme...