Technologie

Blackout droht: Deutschland ist nicht auf E-Autos vorbereitet

Der Markt der E-Autos in Deutschland boomt. Doch Deutschland ist für eine E-Auto-Welle überhaupt nicht gewappnet.
Autor
07.08.2022 10:01
Aktualisiert: 07.08.2022 10:01
Lesezeit: 2 min
Blackout droht: Deutschland ist nicht auf E-Autos vorbereitet
Nach Benzin und Diesel kann davon ausgegangen werden, dass auch der Strom für E-Autos teurer wird. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Auf der Überholspur: Der Automarkt für E-Autos boomt, nachdem die deutschen Autohersteller beim Verkauf von Elektromodellen 2021 noch schwächelten. Jedoch scheint ihnen nach den jüngsten Halbjahresberichten der deutschen Autohäuser zufolge, nun die Trendwende gelungen zu sein.

Und: Mit Sono Motors beginnt ein deutscher Autobauer im nächsten Jahr mit der serienmäßigen Produktion eines bezahlbaren, solaren Elektroautos. Trotzdem: Die Stromverfügbarkeit im Lande könnte die Entwicklung abrupt abbremsen. Der Grund: Deutschland steht auf seinem Weg zu einer klimaneutralen Mobilität mit rund 221 Gigawatt nur eine bestimmte Leistung an Strom zur Verfügung.

Noch eine Hypothese, aber nicht ganz realitätsfern: Gesetzt den Fall, dass in den nächsten Jahren die Zahl der im Lande zugelassenen E-Autos auf zehn Millionen ansteigt – das ist bei rund 68 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen durchaus realistisch – und alle E-Autos gleichzeitig an einer Ladestation mit 22 KW Leistung angeschlossen werden, würde man alleine für das Aufladen der E-Autos 220 Gigawatt benötigen. Im Klartext: Das Netz würde sofort zusammenbrechen. Im Januar dieses Jahres waren in Deutschland rund 700.000 E-Fahrzeuge zugelassen.

Gewiss: Es ist nicht anzunehmen, dass so ein Fall so schnell eintrifft. Allerdings zeigt dieses Beispiel auf, dass das deutsche Stromaufkommen einer "E-Auto-Welle" nicht gewachsen wäre. Anders ausgedrückt: Es ist technisch unmöglich das ganze Land mit E-Autos auszustatten. Zudem kommt noch hinzu, dass in den vergangenen Jahren die Stromerzeugung gleichbleibend bis leicht rückgängig war.

Die dunkle Jahreszeit

Es kann auch nicht in naher Zukunft mit mehr Strom gerechnet werden. Außer, das Netz würde deutlich ausgebaut. Erschwerend kommt noch hinzu, dass in Verbindung mit den erneuerbaren Energien keine konstante Netzfrequenz von 50 Hertz garantiert werden kann. Konkret: Wind und Sonne können im Winter nicht konstant Strom liefern. Und mit der Abschaltung von Kern- und Kohlekraftwerken ist es zumindest kurzfristig notwendig, immer mehr Gas zu verstromen.

Und hier ergibt sich bereits ein erstes konkretes Problem für die derzeitigen E-Auto-Fahrer. Wenn sie bis zuletzt auch entspannt auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise schauen konnten und irgendwie, ob der eigenen Weitsicht und Umweltverträglichkeit, schmunzeln konnten, so kann sich das Blatt mit Einbruch der Wintermonate auch für sie abrupt wenden - sie ebenfalls gezwungen sein, tiefer in die Tasche zu greifen.

Denn die Großhandelspreise für Strom steigen stetig und nach dem sogenannten „Merit Order Effekt." Danach richtet sich der Strompreis nach dem teuersten Kraftwerk, das zuletzt zur Einspeisung zugeschaltet wurde, um die Nachfrage zu decken. Und man kann davon ausgehen, dass in der dunklen Jahreszeit Photovoltaik und Windenergie zurückgehen und mehr Gas verstromt wird – als letzte und teuerste Stromquelle.

Die Energieexperten gehen von einem Plus von 8 Cent pro kWh aus. Das wäre beim aktuellen Strompreis eine Steigerung von einem Viertel bis zu einem Drittel und bedeutet auch für E-Auto-Fahrer nichts Gutes. Denn: Groben Schätzungen zufolge verbraucht ein E-Auto jährlich ungefähr 2.250 kWh. Derzeit kostet eine kWh rund 31 Cent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...

DWN
Panorama
Panorama Notstromversorgung: Warum ein Generator im Ernstfall nicht reicht
03.10.2026

Ein Stromausfall von wenigen Minuten ist lästig. Dauert er mehrere Tage, kann er für Unternehmen existenzbedrohend werden. Erfahrungen...