Unternehmen

Lidl & Rewe: Harte Brüche im Geschäftsgebaren

Die zwei Lebensmittelhändler ändern ihre Strategie und versuchen über neue Wege auf die derzeitigen Marktbedingungen eine Antwort zu finden.
Autor
15.08.2022 15:22
Lesezeit: 2 min

Die Lebensmittelhändler ziehen die Reißleine: Die derzeitige Konsumflaute und die gestiegenen Energiekosten gehen auch nicht beim international tätigen Discounterunternehmen Lidl mit Hauptsitz in Neckarsulm und beim zweitgrößten deutschen Lebensmitteleinzelhändler Rewe spurlos vorbei.

So will Lidl im nächsten Jahr seinen Non-Food-Bereich drastisch zurückfahren. In guten Zeiten machte das Order-Volumen der Non-Food-Sparte rund fünf Milliarden aus. Allerdings: Die sinkende Nachfrage der Kundschaft – vor allem bei Ware die teurer als 20 Euro ist – und Logistikprobleme im Sortimentsbereich haben Lidl zu diesem Schritt bewogen. Im Konzern geht man davon aus, dass im nächsten Jahr der durchschnittlich 15-prozentige Anteil des Non-Food- Sortiments am Gesamterlös nicht mehr zu erreichen sei. Im Gegenteil: In einigen Märkten rechne man nicht einmal mehr mit 10 Prozent. Auch geht man weiter davon aus, dass sich die Situation in den nächsten sechs bis zwölf Monaten nicht ändern werde und keine Verbesserung der Marktlage in Sicht sei.

Rewe bricht mit einer Tradition

Und auch Rewe räumt mit einer Handelstradition auf. Und entscheidet sich als erster Lebensmitteleinzelhändler für den Ausstieg von gedruckten Handzettel. Der wöchentlich erscheinende Prospekt über die Angebote in den bundesweit mehr als 3.700 Rewe-Märkten ist eines der ältesten Werbemedien in der Branche und wird an viele Millionen Haushalte in Deutschland verteilt.

Zum 1.Juli 2023 wird nun der Druck und die Verteilung der Prospekte eingestellt, dafür aber die Artikelwerbung über neue digitale Medien erheblich ausgebaut. Neben dem Umweltaspekt dürften auch die seit Jahren steigenden Papierpreise mit ein Grund für diese Entscheidung sein. Bereits im Juni hatte Deutschlands größte Baumarktkette Obi angekündigt, ab sofort auf Prospekte verzichten zu wollen.

Prospekte und Handzettel gehören zu den verbreitetsten Werbemitteln in Deutschland. Nach Branchenschätzungen landen über 28 Milliarden davon Jahr für Jahr ungefragt in den Briefkästen. Umweltschützer kritisieren, das führe zu Unmengen unnötigen Abfall, vergeude Ressourcen und heize obendrein den Klimawandel an.

Unbeeindruckt von Rewes Vorstoß, künftig keine Handzettel mehr führen zu wollen, zeigt sich der Rest der Branche. Sie wollen im Gegensatz zu dem Kölner Lebensmitteleinzelhändler auch künftig nicht auf gedruckte Prospekte verzichten und betrachten sie als unersetzbar. Auch weil einige Testversuche, auf Handzettel verzichten zu wollen, in der Vergangenheit gründlich in die Hose gegangen waren und zu hohen Frequenzverlusten führten. Mit dem Resultat, erneut auf sie zu setzen.

Aufatmen dürfte bisweilen die Verlagsbranche ob dieser Meldung. Denn Handzettel sind für Verlage eine gute und bislang sichere Einkommensquelle. Allerdings: Die Verlagsbranche ist durch Rewes Prospekt-Abschied erstmal alarmiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

 

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand enttäuscht von Bundesregierung: Mehrheit zweifelt an Wirtschaftswende
30.01.2026

Der deutsche Mittelstand blickt zunehmend kritisch auf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Eine aktuelle Befragung des...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Spekulationen um die Fed-Spitze belasten
30.01.2026

Der Goldpreis hat nach seiner jüngsten Rekordjagd plötzlich deutlich nachgegeben. Anleger erleben extreme Schwankungen zwischen neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple-Aktie: iPhone-Boom trifft auf Chip-Krise
30.01.2026

Die Apple-Aktie steht nach einem iPhone-Rekordquartal im Rampenlicht: starke Apple-Zahlen treffen auf neue Risiken durch Chip-Engpässe....

DWN
Politik
Politik Strategische Autonomie: EU startet Satellitennetz IRIS2 unabhängig von den USA
30.01.2026

Die EU baut eine eigene sichere Satellitenkommunikation auf, um staatliche Netze unabhängiger von externen Anbietern zu machen. Welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Transportbranche zwischen Stagnation und Hoffnung: Deutschlands Schlüsselrolle
30.01.2026

Die Transportbranche steht unter anhaltendem Druck durch Konjunkturschwäche, politische Unsicherheit und Personalmangel. Wird die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Apple übertrifft Prognosen: iPhone-Umsatz erzielt Allzeitrekord
29.01.2026

Apple gab am Donnerstag seine Ergebnisse für das erste Quartal bekannt und übertraf dank starker iPhone-Verkäufe die Erwartungen der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Microsofts freier Fall zog US-Börsen ins Minus
29.01.2026

Der Kurssturz der Microsoft-Aktie um mehr als 10 Prozent löste am Donnerstag einen Börsenabschwung aus.

DWN
Politik
Politik Iran erlässt Notstandsverordnung: Vorsorge angesichts eines möglichen Militärangriffs der USA
29.01.2026

Die iranische Regierung erlässt eine Notstandsverordnung, mit der sie zentrale Befugnisse an die Provinzen überträgt. Damit trifft das...