Politik

Polen wird Reparationsforderungen an Deutschland stellen

Nach Angaben von PiS-Chef Kaczynski wird Polen von Deutschland Reparationen für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg fordern. Es geht um 1,32 Billionen Euro.
01.09.2022 16:19
Aktualisiert: 01.09.2022 16:19
Lesezeit: 1 min
Polen wird Reparationsforderungen an Deutschland stellen
Polen will nach Angaben des PiS-Vorsitzenden Reparationsforderungen an Deutschland in Milliardenhöhe stellen. (Foto: dpa) Foto: Michal Dyjuk

Polen will nach Angaben des Vorsitzenden der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, Reparationsforderungen in Milliardenhöhe an Deutschland stellen. Die Schäden und Verluste im Zweiten Weltkrieg würden auf 6,2 Billionen Zloty (1,32 Billionen Euro) geschätzt, teilte der Chef der national-konservativen PiS am Donnerstag mit.

Seine Partei hat seit der Übernahme der Regierungsverantwortung 2015 mehrmals Entschädigungen gefordert. Bislang wurden allerdings keine offiziellen Reparationsforderungen auf Regierungsebene an Deutschland gerichtet. Vonseiten der Bundesregierung war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Kanzler Olaf Scholz hatte bei seinem Antrittsbesuch in Warschau im Dezember die Forderungen unter Verweis auf frühere Verträge zurückgewiesen.

"Die jetzt vorgestellte Summe hat sich unter Einhaltung äußerst limitierender, konservativer Methoden ergeben", sagte Kaczynski. "Es kann sein, dass sie sich noch erhöht." 1953 verzichtete die damalige kommunistische Regierung Polens auf Druck der Sowjetunion auf alle Reparationsforderungen. Die Regierung in Moskau wollte damit ähnliche Forderungen an die damalige DDR verhindern. Die PiS hält diese Vereinbarung für ungültig.

Der Chef der größten Oppositionspartei Bürgerplattform, Donald Tusk, warf Kaczynski vor, es gehe ihm nicht wirklich um Entschädigungen für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. "Es geht ihm um eine innenpolitische Kampagne, um die Unterstützung für seine Partei zu stärken", sagte der ehemalige EU-Ratspräsident. Zwar führt PiS in Umfragen vor der Bürgerplattform, aber der Vorsprung ist geschrumpft angesichts steigernder Inflation und einem wirtschaftlichen Abschwung.

Scholz hatte im Dezember die Reparationsforderungen mit einem Hinweis auf die hohen deutschen EU-Finanzzahlungen gekontert. Davon fließe ein Großteil in EU-Länder im Süden und Osten der Union. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden rund sechs Millionen Polen getötet, darunter drei Millionen Juden. Die Hauptstadt Warschau wurde nach einem Aufstand 1944 in großen Teilen dem Erdboden gleichgemacht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik US-Inflation außer Kontrolle? Warum Amerikas Wähler die Geduld verlieren
19.07.2026

Die offiziellen Wirtschaftsdaten wirken solide, doch viele Amerikaner empfinden ihre finanzielle Lage als zunehmend bedrückend. Bidens...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Werksleiter Schröder: Wie ein Maschinenbauingenieur erfolgreich durch turbulente Jahre führt
19.07.2026

Der Leiter des BMW-Werks in Dingolfing, dem größten in Europa, setzt auf die Qualifikation der Mitarbeiter, was sich in der stetig...

DWN
Finanzen
Finanzen Gefällt Dir das Produkt? Dann kaufe die Aktie!
19.07.2026

Früher war Aktienauswahl oft erstaunlich einfach: Wer ein Produkt mochte und verstand, investierte auch in das Unternehmen dahinter. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Die zehn reichsten Deutschen – und der Vergleich zu Elon Musk
19.07.2026

Deutschlands reichste Menschen sind Unternehmer und Erben von Unternehmern, deren Firmen weltweit Milliarden Euro umsetzen. Gründer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Japan: Der Feind ist nicht das Elektroauto, der Feind ist der Kohlenstoff
19.07.2026

Autos aus diesem asiatischen Land stehen ganz oben auf der Wunschliste potenzieller Käufer. Zu den Stärken der Branche zählen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrige Geburtenrate: Warum weniger Kinder die Wirtschaft produktiver machen könnten
19.07.2026

Weniger Kinder, weniger Arbeitskräfte, weniger Wachstum: Diese Rechnung klingt logisch, könnte aber falsch sein. Eine neue Studie zeigt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hackergruppen 2026: Diese Cyber-Elite greift Deutschlands Unternehmen an
19.07.2026

Sie knacken nicht nur Passwörter, sondern manipulieren Helpdesks, missbrauchen Fernzugriffe und stehlen sogar biometrische Daten. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Bauunternehmen bis hin zu Energieversorgern: Das sind die unerwarteten Gewinner des KI-Booms
19.07.2026

Für zahlreiche Unternehmen aus klassischen Industriezweigen – von Bergbauunternehmen bis hin zu Herstellern von Kühlsystemen – hat...