Unternehmen

Lebensmittelhandel: Umsatzniveau sinkt auf Rekordtief

Das Umsatzniveau im Lebensmittelhandel ist im August stark zurückgegangen. Auch andere Teilbranchen sind von der Problematik betroffen. Die immensen Preisanstiege halten die Kunden vom Einkauf ab.
10.10.2022 15:00
Lesezeit: 2 min
Lebensmittelhandel: Umsatzniveau sinkt auf Rekordtief
Der Lebensmittelhandel hat ein Problem. Die Konsumlust der Verbraucher ist zurückgegangen. (Foto: dpa) Foto: Joel Carrett

Das Konsumverhalten der Verbraucher wird durch die hohe Inflation immer deutlicher belastet. Die Verbraucher gehen bei Einkäufen immer bedachter vor, verzichten auf bestimmte Ausgaben und greifen auf billigere Produkte zurück, dies hat Einfluss auf die Produzenten. Zwar konnten die Umsätze im August dank Preiserhöhungen statistisch gesehen zum Vormonat (plus 0,1 Prozent), als auch zum Vorjahresmonat (plus 5,4 Prozent) zulegen. Wenn man aber die realen Preiserhöhungen berücksichtigt, sind die Erlöse in der Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Juli auf August um 1,3 Prozent gesunken. Im Vergleich zum August 2021 steht ein reales Minus von 4,3 Prozent.

Umsatzrückgänge in der Textil- und Schuhbranche

Das Umsatzniveau im Lebensmittelhandel sank derweil den Angaben zufolge auf den niedrigsten Stand seit Januar 2017. Im Vergleich zum Juli gab es in diesem Bereich einen realen Umsatzrückgang von 1,7 Prozent. Zieht man den Vergleich mit August 2021 ist der Umsatz um 3,1 Prozent zurückgegangen.

Reale Umsatzrückgänge gab es auch im Handel mit Textilien und Schuhen, bei Haushaltsgeräten und Baubedarf sowie im Internet- und Versandhandel. Viele Menschen besitzen laut Statistischem Bundesamt zwar erhebliche Rücklagen, da sie während der Covid-19 Pandemie weniger gereist sind und weniger shoppen konnten. Dennoch wirken die zuletzt stark angestiegenen Preise, wie beispielsweise für Energie, wie eine Konsumbremse.

Tankstellen machen Rekord-Umsatzplus

Eine Ausnahme stellten im August die Tankstellen dar. Um den Tankrabatt in seinem letzten Monat noch zu nutzen, griffen viele Autofahrer nach der Chance und füllten ihre Vorräte auf. Dieses Vorgehen führte für die Branche zu einem Rekord-Umsatzplus. Die realen Erlöse der Tankstellen konnten im August um 14 Prozent verglichen zum Vormonat steigen und im Vergleich mit August 2021 beläuft sich die Steigerung auf 12,6 Prozent. Dies ist laut Statistischem Bundesamt die größte Umsatzsteigerung in beiden Statistiken seit dem Start der Zeitreihe vor 28 Jahren im Jahr 1994.

Angesichts der wirtschaftlichen Notlage ist nicht davon auszugehen, dass sich im Konsumverhalten der Bevölkerung zeitnah etwas ändern wird. Für die Produzenten steht damit weiter eine schwere Zeit vor der Tür. Ob die Weihnachtszeit in der traditionell die Konsumlaune etwas mehr steigt, zu einer Änderung im Verhalten führen wird, bleibt abzuwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Moskau: Selenskyj provoziert Atomkrieg
29.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Märkte uneinheitlich, während Händler auf Quartalszahlen warten
29.04.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt wissen müssen

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
29.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Warum die Notenbank plötzlich umschwenken könnte
29.04.2026

Die EZB steht vor einer heiklen Leitzinsentscheidung, die die Märkte nervös macht. Eine Zinserhöhung im Juni gilt plötzlich als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bitumenpreis in Europa steigt: Iran-Krieg verteuert Straßenbau
29.04.2026

Der Iran-Krieg treibt den Bitumenpreis nach oben und verschärft die Kostenlage in Europas Bauwirtschaft. Wie stark können steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland verliert Zuversicht: AfD nutzt Stimmungskrise
29.04.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert erneut an Zuversicht, während schwache Konjunkturdaten und der Aufstieg der AfD den Druck auf die...

DWN
Politik
Politik Einkommensteuerreform: Merz offen für höhere Reichensteuer
29.04.2026

Die Regierung hat sich eine größere Einkommensteuerreform vorgenommen. Nach mehreren anderen Unionspolitikern signalisiert nun auch der...

DWN
Panorama
Panorama Sommerurlaub 2026: Studie erwartet Kerosinknappheit und steigende Ticketpreise
29.04.2026

Allianz Trade warnt vor teuren Tickets und Kerosinzuschlägen: Iran-Krieg lässt Sorge vor Kerosin-Engpass wachsen. Fluggesellschaften...