Wirtschaft

Windenergie: Dänemark setzt mit Turbinen-Projekt neue Maßstäbe

Das dänische Windenergieunternehmen Vestas will die höchste Onshore-Windturbine der Welt bauen. Ein klares Signal an die Konkurrenz aus Asien und Amerika.
18.10.2022 13:00
Lesezeit: 3 min
Windenergie: Dänemark setzt mit Turbinen-Projekt neue Maßstäbe
Das dänische Windenergieunternehmen Vestas will die höchste Onshore-Windturbine der Welt bauen. (Foto: iStock/jfbenning) Foto: jfbenning

Dänemark setzt im Kampf um die Produktion von Windturbinen ein Zeichen an die Konkurrenz aus Asien und Amerika. Seit Jahren setzt das Land auf nachhaltige Energie und Windkraft. Angefangen haben die Investitionen in den 80er-Jahren und sie bringen dem Land gute Geschäfte.

Deutsches Unternehmen am Bau beteiligt

Einen neuen Meilenstein in der Entwicklung kündigte nun das Windenergieunternehmen Vestas im September an. Das Unternehmen plant einen Onshore-Windkraftturm mit einer Nabenhöhe von 199 Metern zu errichten. Der Turm wird mit dem Turbinenmodell V172-7.2MW eingesetzt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um den „derzeit höchsten Onshore-Turm für Windturbinen weltweit“. Vestas arbeitet bei diesem Projekt Hand in Hand mit dem deutschen Unternehmen Max Bögl und plant, Standorte in Deutschland und Österreich zu errichten.

Das gigantische Bauwerk soll Vestas dabei helfen, eine stärkere und konstantere Windkraft zu nutzen, um die Stromproduktion der Turbinen zu erhöhen. Das Unternehmen erklärte: „Gerade für Projekte in Mitteleuropa, wo der verfügbare Planungsraum in der Regel begrenzt ist, ist dies ein wichtiger Beitrag zur Maximierung der Produktion von Ökostrom.“ Das Unternehmen plant, die Anlage 2025 in Betrieb zu nehmen.

Höhe der Windkraftturbinen nimmt weltweit zu

Der Turm einer Windturbine ist für ihre Struktur von großer Bedeutung. Die Gondel und die Rotorblätter ruhen auf der Spitze des Turms, wobei die Nabenhöhe vom Boden bis zur Mitte des Rotors der Turbine gemessen wird. Das US-Energieministerium wies Mitte August darauf hin, dass die Höhe der Turbinen in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat: Die Nabenhöhe an Land ist seit 1999 um 66 Prozent auf 94 Meter im Jahr 2021 gestiegen.

Die Zahlen zeigen anschaulich, wie weit die Windenergietechnologie allein in diesem Jahr gekommen ist, wobei das sehr ehrgeizige Projekt von Vestas eine enorme Entwicklung darstellt. Aber auch andere Infrastrukturen müssen im Einklang mit den Fortschritten bei der Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt werden. So müssen beispielsweise Häfen, Autobahnen und Schiffe an die riesigen Windkraftanlagen angepasst werden, vor allem, wenn wir uns auf eine Ära der übergroßen Turbinen zubewegen.

Dänemark hat noch die Nase vorn

Auch wenn Dänemark derzeit die Nase vorn hat, könnte es nicht lange dauern, bis andere Energieunternehmen aufholen. MingYang, Chinas größter Windturbinenhersteller, kündigte letztes Jahr Pläne für eine 16-MW-Turbine an. Das ist eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass 2017 die leistungsstärkste Offshore-Turbine bei 8 MW lag.

Im Juni gab der spanische Windkraftanlagenhersteller Siemens Gamesa bekannt, dass das Unternehmen sechzig Offshore-Windturbinen des Typs SG 14-222 DD für den Offshore-Windpark Moray West in Großbritannien liefern wird. Die Windturbinen haben eine Leistung von jeweils 14,7 MW und sind mit einer zusätzlichen PowerBoost-Funktion zur Leistungssteigerung ausgestattet. Siemens wird 180 B108 IntegralBlades mit einer Länge von jeweils 108 Metern in seinem Werk in Hull im Nordosten Englands produzieren.

USA holen gegenüber Europa und Asien auf

In den USA holt die Windenergiebranche durch die Investitionen der Biden-Regierung gegenüber der europäischen und asiatischen Konkurrenz auf. General Electric (GE) Renewable Energy hat seine Offshore-Turbine Haliade-X mit einer Nabenhöhe von 260 Metern und 107 Meter langen Flügeln vorgestellt. Allerdings musste GE Anfang September einen Rückschlag hinnehmen, als es einen Rechtsstreit gegen Siemens Gamesa verlor. Ein US-Bundesrichter in Boston entschied, dass GE die Haliade-X-Turbinen in den USA aufgrund von Patentverletzungen nicht mehr herstellen, verwenden, zum Verkauf anbieten, importieren oder installieren darf.

Es wurde angenommen, dass General Electric das 413-Patent von Siemens Gamesa verletzt hat. Der Richter war der Ansicht, dass Siemens Gamesa „irreparablen Schaden erleiden würde, wenn GE nicht an der Verletzung des Patents gehindert wird“. Zwei General-Electric-Projekte wurden von dem Urteil ausgenommen: Das 804-MW-Projekt Vineyard Wind 1 vor Massachusetts und das 1,1-GW-Projekt Ocean Wind 1 vor New Jersey. Bei beiden Projekten muss GE für jede der 62 installierten Haliade-X-Windturbinen eine Lizenzgebühr von 30.000 US-Dollar pro Megawatt Nennleistung an Siemens zahlen.

Da das Weiße Haus laut CNBC jedoch ein Ziel von 15 Gigawatt schwimmender Offshore-Windkapazität bis 2035 ankündigt, wird der Wettbewerb zwischen den US-Windturbinenherstellern um die Entwicklung innovativer neuer Anlagen wahrscheinlich weitergehen. In einer Erklärung des Weißen Hauses heißt es: „Die Biden-Harris-Regierung leitet koordinierte Maßnahmen zur Entwicklung neuer schwimmender Offshore-Windplattformen ein, einer aufkommenden sauberen Energietechnologie, die den Vereinigten Staaten helfen wird, bei der Offshore-Windkraft führend zu sein.“

Wettbewerb um erneuerbare Energien sehr dynamisch

Da die Windenergieunternehmen Jahr für Jahr neue und verbesserte Turbinen auf den Markt bringen, ist eine Verlangsamung des Rennens um 20 MW nicht in Sicht. Es ist nicht sicher, ob die Größe oder andere Anlageninnovationen im Kampf um die größte Windenergieerzeugung den Sieg davontragen werden, aber die laufenden Investitionen in den Sektor bedeuten, dass der Sieger wahrscheinlich nicht mehr weit entfernt ist.

Jedes Jahr scheinen die Unternehmen für erneuerbare Energien größere und innovativere Windturbinen als je zuvor bauen zu wollen. Da Regierungen und Privatunternehmen Mittel in die Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien pumpen, werden die Anlagen immer effizienter, kostengünstiger und einfacher zu skalieren.

Alles in allem kann man sagen, dass Unternehmen aktuell darum wetteifern, die innovativsten Geräte für erneuerbare Energien zu entwickeln, sei es das Elektroauto mit der größten Reichweite, die leistungsstärkste Photovoltaikanlage oder die höchste Windturbine. Da Regierungen auf der ganzen Welt Energieunternehmen Anreize bieten, um den Übergang von fossilen Brennstoffen zu grünen Energiequellen zu unterstützen, ist der Wettbewerb so dynamisch wie nie zuvor.

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