Unternehmen

Energiekosten: Wie Bäcker mit der Krise umgehen

Die steigenden Energiepreise sind für Bäckereien eine Belastung. Wie man mit den steigenden Kosten umgehen kann, zeigen Bäckereibetriebe in Berlin.
18.10.2022 15:00
Lesezeit: 3 min

Die steigenden Energiepreise sind für die Bäckereien in Deutschland eine Belastung. So demonstrierten Mitte September in Hannover viele Bäcker gegen die Wirtschaftspolitik und machten auf ihre Sorgen und Ängste aufmerksam. Zwei Tage zuvor war Bäckerei-Inhaberin Caterina Künne in der Talkshow „Hart aber fair“ und berichtete von den Anstrengungen ihres Familienunternehmens und den finanziellen Nöten.

Ausgabenplus von 290 Prozent

Auch in Berlin sind die hohen Energiepreise eine Belastung für die Bäcker. Die familiengeführte Naturbäckerei Czerr in Berlin Wilmersdorf Schöneberg berichtet, dass der reine Energiepreis um 600 - 700 Euro durch die Energiekrise gestiegen ist. Die Kosten / Ausgabenerhöhungen der Energiebeschaffung sind um den Faktor 3,9 hochgegangen, was ein Ausgabenplus von 290 Prozent macht. Der Unterschied entsteht durch die erheblichen Abgaben, die man auf den reinen Energiepreis zahlt.

Auch Florian Domberger von der Domberger Brot-Werk GmbH & Co. KG in Berlin Moabit sieht eine Belastung, die sich jedoch im Rahmen hält: „Die Preise sind bei uns gestiegen und gehen vor allem auf die Marge, ich habe aber keine schlaflosen Nächte. Wir haben bei uns früh in diesem Jahr auf Effizienz gesetzt und konnten es so kompensieren. Natürlich werfen uns solche Preiserhöhungen zurück, es hält sich in Bezug auf unseren Betrieb aber im Rahmen.“ Domberger berichtet, dass man für Butter 30 Prozent mehr Ausgaben hat, bei Mehl kommt man auf ein Ausgabenplus von zwölf Prozent und bei Strom auf 160 Prozent.

Die Naturbäckerei Czerr setzt bei der Kompensierung der Ausgaben auf die Erhöhung der Produktpreise, wie Geschäftsführer Toni Czerr erklärt: „Wir versuchen die Ausgaben durch Preiserhöhungen zu kompensieren, jedoch haben die Rohstoffpreise, welche 20 - 30 Prozent des Umsatzes ausmachen, ja auch einen hohen Anstieg verzeichnet. So haben sich manche Preise verdoppelt und im Durchschnitt sind die Rohstoffkosten um 30 Prozent gestiegen.“

Die Krise trifft Czerr schwer, weil man vor zwei Jahren erst eine Sanierung beendet hatte, wie er erklärt: „Wir haben in den Jahren 2019/2020 die gesamte Herstellung energetisch saniert, wobei alle Prozesse im Betrieb auf den Prüfstand gekommen sind und die gesamte Ofen- und Kühltechnik erneuert und in ein Wärmerückgewinnungskonzept eingebaut wurde. Dies wird alles mit einer GLT (Gebäudeleittechnik) überwacht und gesteuert. In diesem Zug haben wir alle Wärmeerzeuger auf Erdgas umgestellt.“

Unterschiede zwischen Gas und Ökostrom

Florian Domberger berichtet, dass sein Betrieb bewusst im Frühjahr Maßnahmen getroffen hat: „Wir haben im Frühjahr bei zwei unserer vier Filialen gezielte Maßnahmen getroffen und konnten so bei einer Filiale 20 Prozent und bei einer anderen Filiale 30 Prozent Energie einsparen. Wir haben dabei die Öfen effizienter genutzt. Ein Ofen läuft über Gas, drei Öfen über Strom, zwei mit Ökostrom und einer mit konventionellem Strom. Wir haben auch den Produktionsplan hochgefahren. Gerade die mit Ökostrom betriebenen Öfen, waren für uns eine Hilfe. Die Preise für Ökostrom waren eh schon höher und die Erhöhungen haben sich im Rahmen gehalten und waren nicht so hoch wie im Vergleich zu Gas oder Normalstrom.“

Die Krise trifft seiner Beobachtung nach besonders die Betriebe, die auf Gas als Wärmeerzeuger gesetzt haben. Diese Betriebe haben besonders vom billigen Gas profitiert und kommen nun in Probleme, da gerade hier die Preise stark angestiegen sind.

Mitarbeitersorgen und Mindestlohnerhöhung

Die Probleme durch die Energiekrise belasten auch die Mitarbeiter, wie Toni Czerr schildert: „Wir sind ein familiär geführter Betrieb mit flachen Führungsstrukturen und sind im regen Austausch mit unseren Mitarbeitern. Man merkt deutlich die Anspannung bei einigen Mitarbeitern, dies ist in der Regel bei Mitarbeitern mit Familie der Fall.“

Eine andere Problematik für einige Bäckereien scheint die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro zu sein. Florian Domberger erklärt, dass sein Betrieb davon betroffen ist: „Durch die Erhöhung des Mindestlohns haben wir die Preise für unsere Ware erhöht. Unsere Kunden haben diese Änderung angenommen. Die Mindestlohnerhöhung hat auch die Stundenlöhne beeinflusst. Nach meinem Empfinden sind vor allem im Osten Deutschlands Betriebe von dieser Problematik betroffen. Wir sind eng mit anderen Bäckereien und Gastronomen in Berlin und Brandenburg in Kontakt und die Mindestlohnproblematik ist ein Problem, was viele von uns verbindet.“

Das Beispiel der beiden Betriebe zeigt, dass es unterschiedliche Schwierigkeiten in der aktuellen Krise gibt. Der eine Betrieb ist stärker von der Mindestlohnerhöhung betroffen und der andere Betrieb extrem stark von den Strompreiserhöhungen. Die Wege wie man diese Problematik kompensieren kann, sind ein Anleitpunkt, um diese für viele Bäckereibetriebe schwere Zeit zu meistern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose 2027: Bärenmarkt beendet oder ist der Absturz nur vertagt?
26.08.2026

Der Bitcoin-Kurs ist nach monatelanger Schwäche nach oben geschossen und hat eine der wichtigsten technischen Marken durchbrochen. Vieles...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen halten KI-Crash für wahrscheinlich: Wo Anleger am Markt Schutz suchen können
26.08.2026

Es wird immer schwieriger, ein Portfolio gegen KI zu diversifizieren, sagen Experten. Sie erklären, wie man sich am besten gegen...

DWN
Politik
Politik „Europa ist schwach“: Patrick Collison und Mario Draghi schließen sich mit neuem Think Tank zusammen – Polen ist nicht dabei
26.08.2026

Stripe-Mitgründer Patrick Collison und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi wollen Europas wirtschaftliche Schwäche bekämpfen. Mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exklusiv-Interview zu Freyja: Fire-Point-Chefin erklärt die Patriot-Alternative aus der Ukraine
26.08.2026

Nach dem ersten DWN-Bericht über Freyja spricht Fire-Point-Chefin Iryna Terekh nun exklusiv über das ukrainische Rüstungsprojekt. Mit...

DWN
Politik
Politik Sozialhilfe-Ausgaben explodieren: Pflegekosten wachsen stärker als Grundsicherung
26.08.2026

Die Ausgaben für Sozialhilfe sind 2025 in Deutschland um 6,1 Prozent gestiegen. Besonders stark legten die Kosten für die Hilfe zur...