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Schwarze Heidi: Von der Bühnenfigur zum Berliner Restaurant-Tipp

Das Restaurant Schwarze Heidi hat eine besondere Historie. Geschäftsführerin Jennifer Schmid beweist sich trotz einiger Hürden erfolgreich in der Berliner Gastronomieszene.
22.11.2022 12:00
Lesezeit: 4 min
Schwarze Heidi: Von der Bühnenfigur zum Berliner Restaurant-Tipp
Die Geschäftsführerin der "Schwarzen Heidi" Jennifer Schmid, im Restaurant. (Foto: Jennifer Schmid).

Vor 18 Jahren kam Jennifer Schmid nach Berlin. Damals noch als Künstlerin und Schauspielerin für ein Festengagement beim Theater Tribüne in Berlin Charlottenburg. Damals zahlte sie für ihre 100 Quadratmeter Wohnung in Berlin noch 800 Euro.

Bühnenfigur Schwarze Heidi

Als Schmid merkte, dass die Situation des Theaters nicht gut war, fasste sie aus Verzweiflung einen Entschluss und setzte alles auf den Comedy-Bereich. Als Comedian bewarb sie sich beim Berliner Quatsch Comedy Club und ging aus dem Comedy-Abend als Siegerin hervor. Dabei trat Schmid als Figur „Schwarze Heidi“ auf. Die Idee kam so gut an, dass Schmid auf Tour gehen konnte und die Figur „Schwarze Heidi“ wurde einem breiten Publikum bekannt. Sie versuchte sich in der Schweiz und Deutschland einen Namen zu machen: „Irgendwie kam die Figur „Schwarze Heidi“ in der Schweiz nicht so gut an wie in Deutschland. In Deutschland reagierten die Menschen sehr positiv darauf und so entstand die Figur Schwarze Heidi.“

Während ihrer Zeit in Berlin besuchte die gebürtige Schweizerin öfter die Helvetia Röschti Bar, die damals vom Besitzer Hermann Rohner geführt wurde. Hier konnte sie in Gedanken in ihrer Heimat schwelgen und Schweizer Rösti essen. Das Jahr 2011 brachte für Schmid viele Veränderungen. Ihr Vater verstarb und sie wollte einen ganz neuen Weg gehen. Sie erinnerte sich an die Helvetia Röschti Bar zurück und kontaktierte Rohner. Von Ihm erfuhr sie, dass es dem Restaurant finanziell nicht gut ging. Schmid entschloss sich einzusteigen und machte ihm ein Angebot.

Erfolg durch Mund-zu-Mund-Propaganda

Zum Anfang startete Schmid mit einem Schuldenberg, eine ziemliche Umstellung für die Schweizerin: „Innerhalb sehr kurzer Zeit wurde ich von einer Comedy-Künstlerin mit guter finanzieller Situation zu einer Restaurant-Mitinhaberin mit Schulden.“ Zu Beginn lief es auch schleppend, wie Schmid im Gespräch mit den DWN erzählt. Trotz der zentralen Lage in der Mariannenstraße in Berlin Kreuzberg hatte man Schwierigkeiten beim Start und jede Menge Hürden.

Alles änderte sich, als der Schweizer Musiker und Künstler Dieter Meier, der durch das Elektropop-Duo Yello auch international bekannt ist, für eine Aftershowparty ins Restaurant kam. Über Mund zu Mund-Propaganda sprach sich das Restaurant herum und konnte in der Folgezeit eine feste Kundschaft an sich binden. Im Jahr 2016 schlug Rohner der Schweizerin vor, das Restaurant zu verkaufen. Für Schmid kam dies nicht in Frage. Mit einem Investor, der Rohner auszahlte, übernahm sie das Restaurant Schwarze Heidi. Kompliziert und herausfordernd sei es damals anfangs gewesen, die Gäste aus der früheren Helvetia Röschti Bar vom neuen Konzept zu überzeugen.

Glück in der Covid-19-Zeit

Weil das Restaurant so gut funktionierte, entschloss sich Schmid, eine POPUP-Weihnachtshütte beziehungsweise Fondue-Holzhütte zu eröffnen, mit der sie an verschiedenen Standorten in Berlin stehen wollte. Das Konzept: Eine Vorspeise, drei verschiedene Fonduesorten und Nachtisch sowie passende Getränke. Aktuell steht die Hütte auf dem RAW-Gelände in Berlin Friedrichshain.

Alleinstellungsmerkmal für das Restaurant Schwarze Heidi ist die Authentizität, wie Schmid erklärt: „Ich bin Autodidakt und habe mir, was das Kochen angeht, vieles selbst beigebracht. Mein Vater war Metzger und Koch und ich habe schon immer viel und gerne gegessen. Ich bin Gastgeberin aus Leidenschaft. Wir können auf sehr gut ausgebildete Köche zurückgreifen und bieten authentische Schweizer Küche an. Für mich ist entscheidend, dass die Menschen immer happy nach Hause gehen, wenn sie mein Restaurant verlassen.“

2019 war für Schmid ein richtig erfolgreiches Jahr. Das Restaurantkonzept und die Idee mit der Hütte kam gut bei den Gästen an. 2020 machte sie Urlaub auf Sri-Lanka und bekam den Anruf, dass ihr Restaurant wegen Covid-19 geschlossen werden musste. Zurück in Berlin konnte sie staatliche Unterstützung beantragen, da sie über Jahre gut gewirtschaftet hatte: „Ich habe in dieser Zeit viel Glück gehabt, dass mein Restaurant und die Hütte so gut liefen. Viele andere Restaurantbesitzer hatten große Probleme und wurden durch die Lockdowns in der Corona Zeit immer wieder zurückgeworfen.“

Energiepreise höher als Mietpreis

Die Zeit mit Covid-19 sieht Schmid auch mit positiven Aspekten: „Ich hatte durch die Lockdown-Phase privat mehr Zeit. Dazu gehört, dass ich zum ersten Mal seit Jahren nicht an Silvester gearbeitet habe als Lockdown war. Wir haben das Restaurant immer geöffnet in der Corona-Zeit, wenn es möglich war. Vorteil war für uns, dass auch in dieser Zeit immer viele Gäste da waren, die mich aus der Schauspielerei oder von Fernsehauftritten kennen. Seit Mai geht es nach der Corona-Zeit auch bergauf.“

Die Energiekrise kommt auch bei der Schweizerin an, wie sie gegenüber den DWN erzählt: „Ich musste durch die hohen Ausgabenkosten mit dem Preis hochgehen. Unsere Gäste kommen nach wie vor und besuchen das Restaurant oft. Kommentare bezüglich der Anhebung gibt es, viele verstehen aber auch die Situation. Aktuell zahle ich mehr für die Energiekosten als für die Miete von Restaurant und Hütte, sowas ist natürlich extrem. Ohne die vielen Gäste wäre es für mich wirtschaftlich schwierig.

Kompliziert sind für Schmid auch die Transportkosten. Die Preise für die Lebensmittel sind gestiegen. Viele Produkte kauft sie in der Schweiz oder erhält sie in einer Kooperation mit dem Schweizer Feinkostladen Chuchichäschtli in Berlin. Auch dort sind die Preise verständlicherweise durch die Verzollung und die Transportkosten gestiegen.

Mediale Aufmerksamkeit ein Plus

Eine Hilfe war für Schmid ihre starke Medienpräsenz. Viele Menschen waren durch ihren Auftritt in einer Reportage der Sendung ARD-Buffet auf das Restaurant aufmerksam geworden. Außerdem trat Schmid beim ZDF-Besseresserduell gegen den Starkoch Nelson Müller an. Seit sich das Restaurant in der Stadt herumgesprochen hat, ist die mediale Aufmerksamkeit da und Schmid kann diese durch ihre Erfahrung im TV-Bereich gut nutzen.

In ihre Heimat nach Frutigen im Berner Oberland kehrt die Schweizerin immer wieder gerne zurück und befindet sich regelmäßig auch für Schauspielauftritte in der Schweiz. Seit das Restaurant so gut funktioniert konnte sie sich auch wieder verstärkt der Schauspielerei widmen und hat regelmäßige Auftritte. Die größte Umstellung zur Schweiz war für Schmid in Berlin die andere Mentalität: „Die Handschlagmentalität ist in der Schweiz anders als in Deutschland. Daran musste ich mich gewöhnen“

Jennifer Schmid blickt positiv in die Zukunft: „Wie Corona meistern wir auch die aktuelle Energiekrise mit dem Restaurant gut. Sowohl das Restaurant als auch die Fonduehütte läuft gut. Für die Zukunft bin ich sehr zuversichtlich, dass beide Investitionen weiterhin funktionieren und freue mich auf weiterhin erfolgreiche Jahre.“

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