Unternehmen

Sparkurs: Berliner Start-Up Infarm entlässt Hälfte der Belegschaft

Lesezeit: 2 min
30.11.2022 15:21
Beim Start-Up Infarm müssen aus Rentabilitätsgründen die Hälfte der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Zudem werden die Aktivitäten in drei Ländern zurückgefahren.
Sparkurs: Berliner Start-Up Infarm entlässt Hälfte der Belegschaft
Mini-Kräuter und Grünpflanzen beim Start-up-Unternehmen Infarm. (Foto: dpa)
Foto: Merav Maroodi

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Vertical-Farming-Pionier Infarm muss aus Kostengründen auf drastische Schritte zurückgreifen. Rund 500 Mitarbeiter, etwa die Hälfte der Belegschaft, muss das Unternehmen verlassen. Diesen Schritt kündigten die Infarm-Gründer Erez Galonska, Osnat Michaeli und Guy Galonska in einem Schreiben an die Mitarbeiter an.

Infarm reagiert auf kompliziertes Geschäftsumfeld

Neben der Reduzierung der Mitarbeiter will das Unternehmen auch bei den Aktivitäten im Ausland neue Schritte gehen. Der Fokus soll auf den Kernmärkten des Unternehmens Kanada, Deutschland und Dänemark liegen. Das Engagement in den im Aufbau befindlichen Märkten Niederlande, Großbritannien und Frankreich fährt man hingegen zurück. Mit den Schritten reagiert das Berliner Start-Up auf das komplizierte Geschäftsumfeld, in dem man sich als Vertical-Farming-Pionier aktuell befindet.

In einer Mitteilung begründete das Unternehmen den Schritt am Montag wie folgt: „In unserer derzeitigen Aufstellung erkennen wir, dass Infarm den schwierigen Marktbedingungen nicht standhalten kann, insbesondere im Hinblick auf die eskalierenden Energiepreise und die schwierigen Finanzmärkte. Wir müssen unsere ehrgeizigen Wachstumsziele anpassen und unsere Effizienz steigern, um unser Geschäft rentabel zu machen und unsere langfristige Mission weiter zu verfolgen.“

Geschäftsmodell leidet unter Energiekrise

Das Geschäftsmodell der Experten für vertikale Landwirtschaft leidet speziell durch die in Folge der Energiekrise stark gestiegenen Energiepreise. Neben den Energiepreisen haben laut den Gründern auch die Inflation, hohe Materialkosten und Unterbrechungen der Lieferkette für zusätzliche Schwierigkeiten bei Infarm gesorgt. Bereits im Sommer musste das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter entlassen.

Ziel bei Infarm ist laut der Lebensmittelzeitung nun einen noch stärkeren Weg zur Rentabilität anzupeilen, um innerhalb der kommenden 18 Monate finanziell unabhängig zu werden. Um diese Unabhängigkeit zu erreichen will man die Anbaukapazitäten in den Growing Centres Frankfurt, Kopenhagen und Toronto für die drei Kernmärkte Deutschland, Dänemark und Kanada konsolidieren. Hier existieren schon starke Beziehungen zu Einzelhändlern mit Lieferverträgen über signifikante Volumina.

An den Ideen für ein neues Growing Centre in Baltimore (USA) möchte Infarm festhalten. Das operative Geschäft in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien plant man hingegen zu verkleinern. Im britischen Bedford hatte Infarm erst im Juni eine der größten vertikalen Farmanlagen Europas gebaut.

Erlöse gingen im ersten Quartal zurück

Das inzwischen in Amsterdam beheimatete Startup aus Berlin wurde bei einer Finanzierungsrunde Ende 2021 mit einem Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar taxiert und gehört damit zur Reihe der Unicorn-Start-ups. Unicorn-Start-Ups sind Start-Up-Unternehmen, die eine Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar vorweisen können.

Trotz der Taxierung wurde das Unternehmen in letzter Zeit vermehrt mit Umsatzeinbrüchen in Verbindung gebracht. Im ersten Quartal gingen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,8 Prozent zurück. Die schon für August angekündigten Daten über das Geschäftsjahr 2021 wurden von Infarm bisher nicht veröffentlicht. Eine Sprecherin erklärte, dass man als privates Unternehmen keine Geschäftszahlen veröffentlicht. Laut dem Bundesanzeiger gab das Unternehmen 2020 einen Umsatz in Höhe von 5,2 Millionen Euro an. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 43, 6 Millionen Euro.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Indiens Raffinerien bezahlen russisches Öl in Dirhams

Die indischen Raffinerien bezahlen den größten Teil ihrer Öl-Importe aus Russland in Dirham, der Währung der Vereinigten Arabischen...

DWN
Politik
Politik Die spektakulären Pleiten der Energie- und Währungspolitik

Der Kampf gegen fossile Brennstoffe treibt immer skurrilere Blüten. Und auch die Geldpolitik der Notenbanken hat nicht den Effekt, den...

DWN
Politik
Politik Medwedew: Mehr US-Waffen bedeuten, „ganze Ukraine wird brennen“

Mehr US-Waffenlieferungen an die Ukraine würden bedeuten, dass „das gesamte Herrschaftsgebiet Kiews brennen wird“, sagte der frühere...

DWN
Deutschland
Deutschland Energie in Deutschland weiter zu teuer, Unternehmen wandern ab

Die Energiepreise in Deutschland mögen sich etwas beruhigt haben. Doch die Deindustrialisierung schreitet voran, Fabriken und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Automarken erobern die Welt

In den letzten Jahren sind die chinesischen Autoexporte massiv angestiegen. In wenigen Jahren wird China mehr Autos exportieren als der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW investiert 800 Millionen Euro in E-Auto-Produktion in Mexiko

Das Werk in San Luis Potosi soll die globale E-Auto-Produktion von BMW massiv verstärken. Doch Mexiko ist nicht das einzige Ziel von...

DWN
Politik
Politik USA: Haben chinesischen Spionage-Ballon abgeschossen

Der chinesische Ballon wurde vor Küste zum Absturz gebracht, sagte US-Verteidigungsminister Austin und erneuerte die Spionagevorwürfe...

DWN
Technologie
Technologie Was treibt die Innovation an?

Die Erfindung neuer Technologien ist eine der stärksten Antriebsquellen des Kapitalismus. Doch wie entsteht dieser Prozess? Eine Zeitreise...