Wirtschaft

3 Tage Öl-Preisdeckel gegen Russland - Was hat er bisher bewirkt?

Der gefürchtete Ölpreis-Anstieg ist bisher ausgeblieben. Doch der Preisdeckel auf russisches Öl sorgt für Verwirrung und die Antwort aus Moskau steht noch aus.
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07.12.2022 20:29
Aktualisiert: 07.12.2022 20:29
Lesezeit: 3 min

Am Montag haben die G7-Staaten nach langen Vorbereitungen einen Preisdeckel für russisches Öl eingeführt. Damit wollte die Gruppe von Staaten festlegen, zu welchem Preis Russland sein verkaufen kann. Denn wer Zugang zu Versicherungen und anderen Dienstleistungen der G7-Staaten in Anspruch nehmen will, der muss sicherstellen, dass bei Geschäften, an denen er beteiligt ist, höchstens 60 Dollar pro Barrel russisches Rohöl gezahlt werden.

Eigentlich sollte man zunächst keine größeren Turbulenzen erwarten. Denn 60 Dollar pro Barrel sind deutlich mehr als der derzeitige Preis für die wichtigste russische Ölsorte, aber es ist weit weniger als die weltweiten Benchmark-Ölpreise. Doch nach drei Tagen Preisdeckel kann man nun jenseits aller Theorie beobachten, welche Folgen die Maßnahmen in der Praxis tatsächlich bewirkt hat.

Als Reaktion auf die Preisobergrenze auf russisches Öl prüft Russland nun die Idee ist, eine Preisuntergrenze einzuführen. Diese Untergrenze könnte ein Festpreis sein oder als maximaler Abschlag auf internationale Benchmarks festgelegt werden, wie Insider gegenüber Bloomberg berichten. Moskau lässt sich aber Zeit mit seiner Antwort.

Eine Untergrenze, die über der Obergrenze liegt, könnte Händler und Reedereien in die Zwickmühle bringen. In einem solchen Szenario müsste jeder, der Geschäfte im Zusammenhang mit russischem Öl macht, ohne Zugang zu branchenüblichen Versicherungen oder europäischen Schiffen auskommen. Russland müsste dafür sicherstellen, dass es die Öltanker, Versicherungen und andere Finanzdienstleistungen bekommt, die es für den Ölexport braucht.

Die USA haben während der Verhandlungen mit der EU argumentiert, dass die Ölpreise nicht steigen dürfen, was ihrer Meinung nach bei der Verhängung härterer Sanktionen hätte passieren können, wie sie zuvor von der EU geplant worden waren. Denn wenn die Obergrenze tatsächlich Wirkung zeigt, so könnte das russische Ölangebot auf dem Weltmarkt fehlen und in der Folge die Kosten für alle in die Höhe treiben.

Das neue Konzept eines Preisdeckels soll den Verkauf von russischem Öl weiterhin ermöglichen, allerdings zu einem möglichst niedrigen Preis. Die Brent-Futures fielen am Dienstag zum ersten Mal seit Januar unter die Marke von 80 Dollar pro Barrel. Am Mittwoch sanken sie weiter auf 77,40 Dollar. Damit ist Brent-Öl derzeit 2 Prozent billiger als zu Jahresbeginn, aber mehr als 20 Prozent teurer als vor drei Jahren.

Ural-Öl, Russlands wichtigste Sorte, lag am Dienstag im Ostseehafen Primorsk bei 45,10 Dollar pro Barrel. Es muss also mit erheblichen Preisnachlässen verkauft werden, um die hohen Frachtkosten zu decken und dennoch mit anderen Rohölen konkurrieren zu können, die in Asien stärker vertreten sind. Der Preisverfall hängt auch damit zusammen, dass die Befürchtung eines Angebotsverlustes durch die Deckelung der Fördermengen abgenommen zu haben scheint.

Wenn ein Händler heute russisches Öl kauft, wird der Wert dieser Ladung in der Regel erst in der Zukunft bekannt. Das Problem für die Händler besteht darin, dass sie möglicherweise einen Preis zahlen müssen, der über dem Preisdeckel liegt. In diesem Fall kämen sie für die G7-Dienstleistungen nicht mehr in Frage. Das hat einige von ihnen davon abgehalten, russisches Öl zu kaufen.

Auch die Türkei hat ein Problem mit der Obergrenze, sodass es derzeit schwierig ist, Öl aus den Schwarzmeerhäfen ins Mittelmeer zu bekommen. Normalerweise können die türkischen Schifffahrtsbehörden auf der Website des Versicherers nachsehen, ob ein Tanker versichert ist. Wenn es dort steht, ist es von einem Mitglied der International Group of P&I Clubs versichert, der weltweit führenden Vereinigung von Schiffsversicherern.

Ein Eintrag auf der Website bietet diese Sicherheit nun aber nicht mehr. Das Schiff mag zwar allgemein versichert sein, aber die türkischen Behörden können nicht sicher sein, dass der Eintrag beweist, dass die Ladung im Rahmen des Preisdeckels erworben wurde. Die Türkei fordert daher Briefe von Tankern, die das Schwarze Meer mit Öl an Bord verlassen, um zu beweisen, dass sie versichert sind.

Das Verfahren ist ein unangenehmer Präzedenzfall für die International Group, die 95 Prozent der weltweiten Tankerflotte versichert. Und es ist ein Präzedenzfall, den sie bisher nicht zu akzeptieren bereit war. Denn die Versicherer befürchten, dass das Vorgehen der Türkei Schule machen könnte. So könnte in Zukunft zum Beispiel auch Ägypten Versicherungspapiere für den Suezkanal verlangen.

Merkwürdigerweise ist es das Öl aus Kasachstan und nicht aus Russland, das bisher von der bürokratischen Hürde betroffen ist. Das liegt daran, dass es sich zunächst um einen größeren Strom handelt und relativ wenige Ladungen aus Russland bisher versucht haben, die türkische Meerenge Bosporus zu passieren, und die wenigen, die es geschafft haben, konnten nachweisen, dass sie von einem russischen Unternehmen versichert waren.

Europas größter Ölkonzern Shell hat damit begonnen, solche Tanker, die zuvor russische Ladungen transportiert haben, nicht mehr zu buchen. Wenn die letzte Ladung eines Schiffes russisches Öl ist, dann müssen die Eigner sicherstellen, dass es keine Rückstände dieser Ladung gibt, oder sie riskieren, dass die Charter gekündigt wird.

Wenn andere Unternehmen diesem Beispiel von Shell folgen sollten, wird es für Schiffseigner noch schwieriger, zwischen der Bedienung russischer und nicht-russischer Märkte zu wechseln. Das könnte die Tankermärkte - russische wie nicht-russische - in Unruhe versetzen und die Kosten für die Verbraucher weltweit zusätzlich in die Höhe treiben.

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