Finanzen

Österreich: Hypo benötigt weitere Milliarden an Staatshilfen

Lesezeit: 2 min
21.03.2014 15:21
Die Hypo zahlte ihren Gläubigern diese Woche fast eine Milliarde Euro aus. Nun holt sich die Bank das Geld vom Steuerzahler zurück. Die Bundesregierung hat die Österreicher über die tatsächliche Belastung belogen, so ein Informant aus dem Finanzministerium.
Österreich: Hypo benötigt weitere Milliarden an Staatshilfen

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die österreichische Krisenbank Hypo Alpe Adria benötigt bis Herbst bis zu 1,43 Milliarden Euro an Staatshilfen. Damit solle eine Kapitallücke durch Abschreibungen im Zuge der Bilanzerstellung für 2013 sowie weitere bis September anfallende Verluste abgedeckt sein, erklärte die Bank am Freitag. Im selben Monat soll die Bad Bank für die Hypo starten (mehr hier).

Die Bad Bank für die Hypo Alpe Adria droht zum Geldgrab für den österreichischen Steuerzahler zu werden. Die vom Finanzministerium veranschlagten Kosten von vier Milliarden Euro dürften Experten zufolge bereits zum Start des Abbauvehikels anfallen - in Form von Abschreibungen. Die Bank hat bereits 4,8 Milliarden Euro an Staatshilfen erhalten.

Mögliche Verluste beim Verkauf der Osteuropa-Töchter sowie Hilfen zur Finanzierung der Abbaubank kämen noch obendrauf. "Es könnte passieren, dass aus der Bad Bank eine Mad Bank wird, wenn es schlimm läuft", sagt Bankenexperte Franz Hahn vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in Wien. Wie hoch die Kosten letztlich sein werden, wagt noch niemand exakt vorauszusagen.

Österreich hatte die Bank, die sich mit einer massiven Expansion am Balkan verhoben hat, 2009 notverstaatlicht. Nun soll die Hypo komplett abgewickelt werden: Faule Kredite, Immobilien und auch vergleichsweise leicht verwertbare Einlagen bei der Europäischen Zentralbank im Gesamtvolumen von knapp 18 Milliarden Euro will Österreich in eine Bad Bank verfrachten. Der gute Teil der Hypo, die Südosteuropatöchter, muss auf Anordnung der EU-Kommission bis 2015 verkauft werden.

Die Hypo habe das Finanzministerium über den erneuten Kapitalbedarf informiert und verhandle nun darüber, wie dieser gedeckt werden könne. Erst am Montag zahlte die Bank ihren Gläubigern Anleihen in Höhe von 750 Millionen Euro aus (hier).

Zuvor hatte die Bank mitgeteilt, sie könne wegen neuerlicher Abschreibungen im Zuge ihres Jahresabschlusses 2013 die Kapitalvorschriften der Aufseher nicht mehr aus eigener Kraft erfüllen.

„Die bisher von der Bundesregierung veröffentlichten Zahlen können unmöglich stimmen“, so der Informant aus dem Finanzministerium. Statt drei bis vier Milliarden koste der Hypo- Skandal die Steuerzahler „mit Sicherheit acht bis zehn Milliarden“, also das Doppelte.

„Natürlich weiß niemand, welche Lösung langfristig wirklich besser ist. Allerdings hätte die Bundesregierung über sämtliche Vor- und Nachteile beider Varianten - Insolvenz oder Anstaltslösung – die Öffentlichkeit informieren müssen,“ so der Insider zur Kronenzeitung.

Zudem veröffentlichte der Informant ein bislang geheimes Papier der Finanzprokuratur, der „Anwaltskanzlei“ der Republik. Dort warnt die Behörde eindringlich vor nun doch beschlossenen Bad-Bank-Lösung.

So steht in dem Papier mit dem Titel: „Die Insolvenz der Hypo als Notwendigkeit?“

Mit einer Bad Bank und dem gleichzeitigen Fortbetrieb der Hypo wird „die Diskussion über Versäumnisse und Fehler unterdrückt“.

Mit dem Ja zur Anstaltslösung muss der Bund - also der Steuerzahler - die Gehälter aller Dienstnehmer der Hypo „mindestens zehn Jahre lang“ finanzieren. Allein dafür sind 1,4 Milliarden Euro nötig.

Die österreichische Regierung hat bei der Rettung der Skandal-Bank offenbar mehrfach fahrlässig gehandelt. So unterblieb 2009 trotz mehrfacher Warnung eine Prüfung vor der Not-Verstaatlichung (hier).

Die Milliarden-Lasten, die die österreichischen Steuerzahler wegen des gemeinsamen Versagens von Zentralbanken und Politik zu bezahlen haben, sind ein massiver Schaden. Auf Geheiß des damaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, wurde eine Pleite verhindert. Denn die Hypo Alpe Adria sei systemrelevant und dürfe nicht untergehen (hier).

Neben der Hypo sorgen sich österreichische Banken auch wegen der Krim-Krise. Sie haben europaweit das höchste Auslands-Investment in der Ukraine. Die Folgen spüren die Institute bereits. Die Erste Bank musste einen Gewinn-Einbruch von 87 Prozent hinnehmen (hier).

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Deutschland
Deutschland Intensivmediziner fordern Lockdown-Verlängerung bis April

Eine ansteckendere Corona-Variante breitet sich aus, gleichzeitig sind Lockerungen geplant: Aus Sicht deutscher Intensivmediziner dürfte...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenverband-Studie: Kreditnachfrage der Unternehmen rückläufig

Die Banken in Deutschland rechnen mit einer weiterhin schwachen Kreditnachfrage.

DWN
Politik
Politik Lassen Mitglieder der Bundesregierung kritische Journalisten ausspähen?

Einem Bericht zufolge ließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Journalisten „ausforschen“. Der Deutsche Journalisten-Verband ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Börse wurde in einen Zirkus verwandelt

Die Finanzwelt hat sich meilenweit von der Realwirtschaft entfernt. Die Gründe für diese Entwicklung sind einfach – und erschreckend...

DWN
Politik
Politik China behauptet: Menschenrechte werden vom Westen als Instrument politischer Manipulation eingesetzt

Chinesische Staatsvertreter sind empört über westliche Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen. Diese Länder sollten sich angesichts...

DWN
Politik
Politik Ostdeutsche Ministerpräsidenten für Ende der Russland-Sanktionen

Nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer haben Sanktionen als Instrument der Politik keine Zukunft. Und laut Sachsen-Anhalts...

DWN
Politik
Politik Corona-Masken-Affäre: Razzia bei Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein, steht nach Angaben der „Bild-Zeitung“ im Verdacht, einem...

DWN
Politik
Politik EU-Gipfel berät über Impfstoffproduktion und digitalen Impfpass

Die 27 Staaten der Europäischen Union wollen auf ihrem Gipfeltreffen das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie absprechen. Unter anderem...

DWN
Deutschland
Deutschland Hamburger Hafen lässt die Krise hinter sich

Im Hamburger Hafen kommt der Seegüterumschlag nach dem Corona-bedingen Einbruch wieder in Fahrt. Denn sein größter Handelspartner China...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemnitzer Tec-Schmiede bekämpft mit Anti-Fälschungs-Code afrikanische Malaria-Mafia

In Afrika hat sich eine Mafia herausgebildet, die Milliarden an gefälschten Medikamenten verdient. Jetzt hat ein deutscher Mittelständler...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Deutschland
Deutschland Groß-Razzia gegen Salafisten in deutscher Hauptstadt – Hunderte Polizisten im Einsatz

Die Polizei in Berlin und Brandenburg durchsucht am frühen Morgen zahlreiche Wohnungen. Dabei geht es um eine radikal-islamistische...

DWN
Politik
Politik Armenien: Premier wirft Militär Putschversuch vor

Das armenische Militär forderte am Donnerstag laut lokalen Medien den Rücktritt von Premierminister Nikol Pashinyan.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...