Deutschland

Energiekrise: Ausbau erneuerbarer Energien gerät ins Stocken

Der Ausbau neuer Windparks und Solarkraftwerke kommt trotz anhaltender Energiekrise nicht voran. Die Projektentwickler zeigen kaum Interesse an neuen Ausschreibungen. Einer der Gründe sind Entwicklungen am Finanzmarkt.
20.12.2022 15:46
Aktualisiert: 20.12.2022 15:46
Lesezeit: 2 min

Der Ausbau von neuen Wind- und Solarkraftwerken kommt trotz der Energiekrise nicht in Schwung. Wegen fehlender Projekte halbierte die Bundesnetzagentur die Ausschreibungs-Menge für neue Windparks, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Dennoch erhielten auch dafür wegen mangelnden Interesses nur ein Drittel einen Zuschlag.

Zu wenig neue Projekte für Erneuerbare Energien

Den Zuschlag erhielten zudem auch nur die Hälfte der möglichen größeren Solar-Projekte auf Haus-Dächern oder an Lärmschutzwänden. Hintergrund sind neben fehlenden Genehmigungen auch die deutlich gestiegenen Investitionskosten, unter anderem wegen des Anstiegs der Zinsen. Für die Bundesregierung sind dies schlechte Nachrichten. Voraussichtlich wird auch der Energie-Sektor in diesem Jahr erstmals seine Klimaziele verfehlen. Der Ausbau ist auch daher dringend nötig.

Der Ausbau von Wind- oder Solarstrom wird im Kern über Ausschreibungen geregelt. Wer die geringsten Subventionen – also den niedrigsten garantierten Abnahmepreis für seinen Strom verlangt – erhält den Zuschlag. Die Netzagentur muss hier aber auch einen Höchstpreis festlegen, um extrem teure Projekte zu verhindern. Bei der Windenergie gab es jetzt das dritte Mal in Folge zu wenig Bewerbungen.

Der Bundestag hatte im Zuge der Strompreisbremse angesichts der Kostensteigerungen beschlossen, dass der Höchstpreis nun um bis zu 25 Prozent angehoben werden kann. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, kündigte schnelles Handeln an: „Wir schaffen aktuell neue Rahmenbedingungen für erfolgreichere Ausschreibungen im nächsten Jahr“, erklärte er. Dabei spiele auch Solar eine große Rolle. „Die Ausschreibungen der Aufdach-Solaranlagen tragen die Energiewende mit großen Anlagen in städtische Regionen.“

Hohe Investitionskosten schrecken Projektentwickler ab

Der Bundesverband Windenergie (BWE) zeigte sich wenig überrascht angesichts der Ausschreibungsergebnisse: „Dass nun auch das gekürzte Volumen nicht gefüllt werden konnte, macht den Handlungsdruck zur Anpassung der Höchstwerte überdeutlich“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) erklärte, vor dem Hintergrund der gestiegenen Kosten von Kapital, Komponenten und Arbeit seien die Förderanreize und zulässigen Gebotshöchstwerte bei Ausschreibungen für viele gewerbliche Investoren zu niedrig.

Dies gelte insbesondere dann, wenn sie den erzeugten Solarstrom überwiegend nicht im eigenen Gebäude selbst verbrauchen könnten. Zudem müssten 2023 dringend Netzzugangsbedingungen vereinfacht und weitere bürokratische Barrieren abgebaut werden, damit auch Firmendächer künftig stärker solarisiert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben
28.10.2026

Wer stimmte für die AfD-Kandidaten im Landtag von Sachsen-Anhalt? Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Technologieunternehmen: Jio Platforms legt größten Börsengang Indiens hin
28.10.2026

530 Millionen Kunden, digitale Dienste und KI: Jio Platforms ist längst mehr als ein Mobilfunkanbieter. Wie das Unternehmen seine...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Blase platzt: Technologieunternehmen verlieren 480 Milliarden Dollar
28.10.2026

Chinas Markt für künstliche Intelligenz (KI) befindet sich in einer starken Korrekturphase. Innerhalb von weniger als vier Monaten haben...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
28.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Technologie
Technologie Fusionsenergie: Proxima Fusion findet Partner für den Bau von Reaktoren
28.10.2026

Münchner Start-up setzt auf japanisches High-Tech: Proxima Fusion verbündet sich mit Fujikura und Kyoto Fusioneering für den Bau...

DWN
Politik
Politik Ex-Diplomat Clyde Kull: Steht eine globale Lebensmittelkrise vor der Tür?
28.10.2026

Der Krieg im Nahen Osten, Russlands Aggression gegen die Ukraine, Störungen auf den Energiemärkten und extreme Wetterbedingungen könnten...

DWN
Finanzen
Finanzen Bruttosparquote: Nur die Schweizer sparen mehr als die Deutschen
28.10.2026

Beim Sparen kann den Deutschen fast keiner etwas vormachen. Doch in anderen Ländern machen die Menschen oft mehr aus ihrem Geld. Das soll...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: EU-Kommission will Europa besser gegen Klimaschäden wappnen
28.10.2026

Geschmolzene Gleise, Zehntausende Hitzetote, Hunderttausende verbrannte Hektar: Nach dem heißesten Sommer aller Zeiten in Westeuropa will...